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Universität Bielefeld, Symposium "Wehrmachtslager für sowjetische Kriegsgefangene im Dritten Reich", Stalag 326 in Stukenbrock, von links: Dekan Prof Uwe Walter, Landtagspräsident André Kuper und Prof Thomas Welskopp, - © Christian Weische
Universität Bielefeld, Symposium "Wehrmachtslager für sowjetische Kriegsgefangene im Dritten Reich", Stalag 326 in Stukenbrock, von links: Dekan Prof Uwe Walter, Landtagspräsident André Kuper und Prof Thomas Welskopp, | © Christian Weische

Bielefeld Stalag-Gedenkstätte schließt Erinnerungslücke

Gefangen in der Senne: An der Bielefelder Universität hat ein Symposium über die Hintergründe des Lagers begonnen. Landtagspräsident Kuper sprach zur Eröffnung. Der russische Botschafter besucht die Dokumentationsstätte im Juni.

Lothar Schmalen
24.03.2018 | Stand 25.03.2018, 16:01 Uhr

Bielefeld. Eine Gedenkstätte für das Leid der sowjetischen Kriegsgefangenen würde eine Lücke der deutschen NS-Erinnerungsorte füllen, die dringend geschlossen gehöre. Das sagte Landtagspräsident André Kuper (CDU) zu Beginn des wissenschaftlichen Symposiums über die historischen Hintergründe des früheren Kriegsgefangenenlagers Stalag 326 in der Senne an der Universität Bielefeld. Deshalb unterstütze er die Anregung des früheren Bundespräsidenten Joachim Gauck, eine solche Gedenkstätte von nationaler Bedeutung auf dem Gelände in Stukenbrock zu errichten, so Kuper weiter. Obwohl das Stammlager 326 in der Senne das größte seiner Art auf damaligem reichsdeutschen Boden gewesen sei, habe es bislang im Gedenken an die Nazi-Diktatur und den Zweiten Weltkrieg nur eine untergeordnete Rolle gespielt. Der Hauptgründe dafür dürfte in der Prägung der Nachkriegsgesellschaft durch den Kalten Krieg gelegen haben, so Kuper weiter. Auszuschließen seien auch nicht Nachwirkungen des offenen Rassismus der NS-Propaganda über die angebliche Minderwertigkeit der „bolschewistischen Untermenschen" sowie die Erfahrungen, die viele Deutsche mit Angehörigen der Roten Armee als Besatzungssoldaten gemacht hätten, sagte Kuper. Renommierte Historiker zu Besuch in Bielefeld Zu dem zweitägigen Symposium, das vom Bielefelder Historiker Thomas Welskopp organisiert wurde, sind zahlreiche renommierte Historiker nach Bielefeld gekommen, die sich mit dem Schicksal der sowjetischen Kriegsgefangenen im Zweiten Weltkrieg befassen. Darunter ist auch der Heidelberger Wissenschaftler Christian Streit, der sich bereits in den 70er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts als erster deutscher Historiker mit den sowjetischen Kriegsgefangenen befasste. Seine 1978 veröffentlichte Studie unter dem Titel „Keine Kameraden" stellte damals einen Tabubruch dar und sorgte für viel Aufsehen. Außerdem dabei: Andreas Hilger, Leiter des russisch-deutschen Projekts zur Suche und Digitalisierung von Archivunterlagen „Sowjetische und deutsche Kriegsgefangene und Internierte" am Deutschen Historischen Institut Moskau. Am Rande des Symposiums wurde bekannt, das der neue russische Botschafter in Deutschland, Sergej Netschajew, im Juni die Dokumentationsstätte für das sowjetische Kriegsgefangenenlager in Stukenbrock besuchen will. Er kommt anlässlich der Internationalen Begegnungswoche „Ostwestfalen meets Russia" der Industrie- und Handelskammer nach Bielefeld.

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