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OWL Zahl der Pendler in OWL steigt weiter

Der Trend zum Job außerhalb des Heimatortes setzt sich fort. In OWL ist die Zahl der Betroffenen auf 561.585 gestiegen. Bielefeld ist Spitzenreiter.

Yvonne Glandien
10.03.2018 | Stand 10.03.2018, 12:46 Uhr

Bielefeld. Mehr als die Hälfte aller Berufstätigen in NRW pendeln. 4,65 Millionen der 9 Millionen Erwerbstätigen sind 2016 in eine andere Stadt zur Arbeit gefahren – knapp 120.000 mehr als im Vorjahr. In die Städte Köln, Düsseldorf und Essen pendelten zusammen täglich mehr als eine Dreiviertel Million Erwerbstätige. Auch in OWL hat es erneut ein deutliches Plus gegeben. 561.585 Menschen sind hier zur Arbeit gependelt – 12.392 mehr als 2015, wie das Statistische Landesamt mitteilt.

Bielefeld ist in OWL Spitzenreiter. 80.085 Menschen fahren dort täglich von außerhalb zur Arbeit hin, das entspricht einer Quote von 40,6 Prozent. Im Vergleich: 45.368 Menschen verlassen täglich Bielefeld, um in einer anderen Stadt zu arbeiten. Die meisten von ihnen zieht es in den Kreis Gütersloh.

In OWL arbeiten weit weniger als die Hälfte der Berufseinpendler im produzierenden Gewerbe. Im Handwerk gebe es insgesamt eher weniger Gründe zum Pendeln, denn die Betriebe verteilten sich mehr über die gesamte Region. „Das Handwerk ist nicht nur in den Metropolen, sondern auch im ländlichen Raum", sagt Volker Tröger von der Handwerkskammer OWL. Dadurch seien viele Arbeitnehmer nicht gezwungen, zu pendeln.

"Die Wirtschaft in OWL wächst seit Jahren"

Der Zuwachs der Einpendler zeige in OWL, dass in den Ballungszentren ein deutliches Wirtschaftswachstum zu verzeichnen sei, erklärt Arne Potthoff von der Industrie- und Handelskammer in Bielefeld. „Die Wirtschaft in OWL wächst seit Jahren." Die Pendlerzahlen ließen aber auch Rückschlüsse auf die Wirtschaftsstärke der einzelnen Regionen zu. „Es gibt Orte, wie etwa Werther, die eher Wohnorte als Arbeitsorte sind", sagt Potthoff.

In Werther liegt die Einpendlerquote fast unverändert bei 61,1 Prozent. Die Zahl der Auspendler ist mit einer Quote von 73,5 Prozent jedoch sehr hoch. Aufstrebend sei hingegen etwa Halle. Durch die neu ausgewiesenen Gewerbeflächen sei auch weiter mit Wirtschaftswachstum zu rechnen. Auch, wenn dort die Einpendlerzahl minimal zurückgegangen ist, ist die Quote mit 71,9 Prozent immer noch stark.

Auch die Krankenkassen beschäftigen sich seit Jahren mit dem Thema. Laut einer Studie der Techniker Krankenkasse haben Pendler ein höheres Risiko, psychisch zu erkranken – schlicht, weil Freizeit zum Regenerieren fehlte. Städtebauer sehen in den wachsenden Pendlerzahlen auch eine Folge falscher Wohnungspolitik. „Wir brauchen eine Politik mit dem Ziel, bezahlbares Wohnen auch in Metropolen und Ballungsräumen zu ermöglichen", fordert etwa die IG BAU.