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Aras Bacho fotografiert die Kulisse am alten Markt in Bielefeld. Noch ist der 18-Jährige mit seinem Smartphone unterwegs, doch er träumt seit langem schon von einer Spiegelreflexkamera. - © Carolin Nieder-Entgelmeier
Aras Bacho fotografiert die Kulisse am alten Markt in Bielefeld. Noch ist der 18-Jährige mit seinem Smartphone unterwegs, doch er träumt seit langem schon von einer Spiegelreflexkamera. | © Carolin Nieder-Entgelmeier

Bad Salzuflen Ein junger Syrer lernt OWL mit der Kamera kennen

Ein junger Syrer hat seine Liebe zur Fotografie in Deutschland entdeckt.

Carolin Nieder-Entgelmeier
21.05.2016 | Stand 22.05.2016, 10:05 Uhr

Bad Salzuflen. Mit seiner Kamera hält der Syrer Aras Bacho schöne Augenblicke fest, um sie nie wieder zu vergessen und schafft es so, seine neue Heimat OWL auf eine besondere Weise kennenzulernen. Seine Liebe zur Fotografie entdeckt Bacho, als er vor sechs Jahren mit seiner Schwester nach Deutschland flieht. „Wir sind Jesiden und haben in Syrien einen schweren Stand", erklärt der 18-Jährige. „Um meiner Schwester und mir ein Leben ohne Angst, Gewalt und Ausgrenzung zu ermöglichen, hat mein Vater über viele Jahre Geld gesammelt, um uns die Flucht zu ermöglichen."Drei Monate dauert die Flucht vom syrischen Dorf Merkebe in der Nähe der türkischen Grenze bis nach Deutschland. Der 12-Jährige und seine ältere Schwester Hedia lassen sich 2010 von Schleppern mit dem Auto in die Türkei bringen und ziehen zu Fuß nach Griechenland weiter. „In Griechenland hatten wir eine schwere Zeit", sagt Bacho. „Wir mussten Flüsse durchqueren und wurden einen Monat lang in einem Flüchtlingslager festgehalten, indem wir sehr schlecht behandelt wurden." In Athen begeben sich Bacho und seine Schwester Hedia wieder in die Hände von Schleusern, die sie mit dem Auto illegal nach Deutschland bringen.Zwei Jahre im Kinderheim In Deutschland angekommen, werden die Geschwister getrennt voneinander in Köln untergebracht. Der damals 12-Jährige Aras Bacho lebt in einem Kinderheim. „Wir haben uns trotz der Trennung sofort wohlgefühlt", sagt er heute. „Ich konnte sofort zur Schule gehen, Freundschaften schließen und die Freiheit genießen." So leben sich Bacho und seine Schwester von Tag zu Tag in die Heimat ein. „Wir haben auch außerhalb der Schule Sprachkurse besucht, um möglichst schnell deutsch zu lernen und ich habe damit begonnen, alles um mich herum zu fotografieren."Nach zwei Jahren ziehen Aras und Hedia Bacho gemeinsam von Köln nach Bad Salzuflen (Kreis Lippe). „Endlich konnten wir in derselben Stadt wie unsere vielen Verwandten leben, denn einige Geschwister meines Vaters sind bereits lange vor unserer Flucht nach Deutschland gekommen", erklärt Bacho.In seinem Heimatdorf Merkebe leben jetzt nur noch sein Vater und seine Großmutter. „Meine Mutter ist seit elf Jahren tot und mein Vater hat uns bei der Flucht nicht begleiten können, weil er sich um meine kranke Oma kümmert. Das verstehe ich gut, aber ich vermisse ihn sehr", sagt Bacho.Alltägliches im Blick Trotzdem ist der Berufsschüler froh, in Deutschland zu leben. Ein Leben in Syrien ist für den 18-Jährigen unvorstellbar geworden. „Vor allem, weil ich mich in Syrien nicht frei entfalten kann und sicher nicht daran arbeiten könnte, Fotograf zu werden."Rückblickend erklärt sich Bacho seine Liebe zur Fotografie mit der Suche nach Heimat: „Weil ich immer auf der Suche nach besonderen Momenten und schönen Augenblicken bin, habe ich mit meiner Kamera meine neue Heimat nicht nur kennen, sondern auch lieben gelernt."Alltägliches, das seine Mitmenschen ignorieren oder einfach nicht mehr wahrnehmen, widmet Bacho seine Aufmerksamkeit und lässt sich so voll auf seine neue Heimat Deutschland ein.

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