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IG Metall will den Fortschritt

Gewerkschaftler um NRW-Chef Knut Giesler arbeiten an Industrie 4.0

VON JONAS DAMME
17.10.2013

Paderborn. Nichts weniger als eine industrielle Revolution hat sich die Industriegewerkschaft Metall (IGM) Nordrhein-Westfalen auf die Fahnen geschrieben. Da aber Revolutionen von unten beginnen, arbeiten die Verantwortlichen gegenwärtig daran, die Beschäftigten in OWL für die Veränderungen zu begeistern.

"Bei der vierten industriellen Revolution geht es einfach gesagt darum, alles mit allem zu vernetzen. Man spricht von Cyber-Physischen-Systemen, "sagte Carmelo Zanghi von der IGM Paderborn im Vorfeld der Fachkonferenz "Industrie Arbeit 4.0" im Paderborner Heinz-Nixdorf-Museumsforum. Dazu waren mehr als 150 Betriebsräte aus ganz OWL gekommen.

Die Abstimmung von Arbeitern und modernster Technik bietet auch in den Branchen, die die IG Metall vertritt, viele Möglichkeiten, um Produktionsabläufe effizienter zu gestalten. Das sei auch notwendig, würden doch auch die Produkte immer aufwändiger werden, erklärt Zanghi.

Ungewohnt ist in der Fortschrittsdebatte allerdings die Aufgabe, die sich die IGM selbst zuschreibt. Die Gewerkschaftler um NRW-Chef Knut Giesler warnen nicht vor den Gefahren der Technisierung für Arbeitsplätze, sondern treiben die Innovationen voran. Statt gegen Streichungen der Arbeitgeber anzugehen, versuchen sie aktiv, die Branche zu erneuern, damit sie weltweit wettbewerbsfähig bleibt - und das bedeutet die Technologisierung voranzutreiben.

"Die Arbeitsplätze, wie wir sie Heute haben, werden wir nicht bis 2020 erhalten können", sagt Giesler. Er verweist auf Erhebungen der Technischen Universität Darmstadt, nach denen im produzierenden Gewerbe in NRW bis 2020 250.000 Arbeitsplätze gefährdet seien. "Wir haben bisher zu oft nur reagiert. Jetzt müssen wir selbst den Trend voran treiben."

Gerade OWL sei bei industriellen Neuerungen federführend. So sei das Spitzencluster "it’s OWL" ein europaweites Vorzeigeprojekt im Bereich Industrie 4.0. Nach den Unternehmen und Forschungseinrichtungen sind nach Knut Gieslers Einschätzung nun Gewerkschaften und Betriebsräte gefordert. "Wir müssen uns fragen: Reichen die üblichen Ausbildungen in unseren Bereichen noch? Ist der Tarifvertrag noch angemessen?", erläutert Giesler. "Und gerade deshalb müssen wir den Beschäftigten die Angst vor den Veränderungen nehmen."

Um die Spitzenposition am Weltmarkt zu erhalten, müsse man neue Qualifizierungsangebote schaffen und die bestehenden erweitern. Gerade ältere Beschäftigte müssten sich dann weiterbilden, was eine hohe Motivation der Arbeitnehmer voraussetze. Wichtig sei, dass man nicht versuche, die Kosten zu drücken, um preislich zu asiatischen Produzenten konkurrenzfähig zu bleiben. "Diesen Wettbewerb werden wir verlieren", erklärt der NRW-IGM-Bezirksleiter. "Mit unseren Stärken bietet die Globalisierung große Chancen." Allerdings sei es eine rasante Entwicklung und Säumnisse würden sich schnell rächen.

OWL sei in diesem Wettstreit entscheidend. "Hier gibt es viele erfolgreiche Familienunternehmen - mit gut gefüllten Kriegskassen - die langfristig an der Neuaufstellung mitarbeiten können", sagt Giesler. Das alles bedeute aber natürlich nicht, dass sich die IG Metall als Vollstrecker der Arbeitgeber verstehe: "Uns bleiben später noch genügend Punkte, an denen wir uns streiten können!"


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