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Volker Steinberg (l.) begrüßte Thomas Straubhaar. - © FOTO: CHRISTIAN WEISCHE
Volker Steinberg (l.) begrüßte Thomas Straubhaar. | © FOTO: CHRISTIAN WEISCHE

Straubhaar gibt Fracking große Zukunft

HWWI-Experte über Schiefergasförderung

VON WILFRIED MASSMANN
05.09.2013 | Stand 04.09.2013, 12:41 Uhr

Bielefeld. In Deutschland sollte ein vorschnelles Handeln bei der Förderung von Schiefergas (Fracking) vermieden werden. Das empfiehlt der Leiter des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI), Thomas Straubhaar. In einer Kundenveranstaltung der OWL-Niederlassung der Berenberg-Bank meinte der Volkswirtschafts-Professor am Dienstag: "Man sollte sich alle Optionen offenhalten und weiterforschen."

Durch weltweit entdeckte Schiefergasvorkommen könnten sich weitreichende Veränderungen auf den Energiemärkten ergeben, so der gebürtige Schweizer. Das gelte für die Preisentwicklung fossiler Brennstoffe, die Veränderung von Reichweiten und die Auswirkungen auf die Umwelt. In den USA habe geradezu eine Schiefergas-Revolution stattgefunden.

"In diesem Jahrzehnt wird Amerika von Importen unabhängig, im nächsten Jahrzehnt beginnen die USA mit dem Export von Energie." In dicht besiedelten Ländern in Europa sei Fracking, die Gewinnung von Erdgas aus Schiefergesteinsschichten durch Anwendung eines Gemisches aus Sand und Chemikalien, das mit Hochdruck in die Erde gepumpt wird, riskanter. Nach Angaben der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe liegt Schiefergas aber in Tiefen, in denen keine trinkwasserführenden Schichten sind.

In Entscheidungen offen bleiben

Der Wirtschaftswissenschaftler betonte, Deutschland müsse in seinen Entscheidungen offen bleiben. Ein Moratorium wie in Frankreich geht ihm zu weit. Fracking sei ein Billionen-, nicht nur ein Milliardenmarkt. Den USA habe es eine Reindustrialisierung beschert: billige Energie, billigere Arbeitskosten, billigeres Kapital. Bedingt durch Wettbewerb habe Deutschland im letzten Jahr mehr und billigere Kohle aus den USA importiert, wodurch sich aber die CO2-Bilanz verschlechtert hat.

Der Professor erinnerte auch an unterschiedliche Rechtsstandards: Was unter dem Boden gefunden wird, gehört in Deutschland dem Staat, in den USA dem Grundstückseigentümer.

Berenberg-Niederlassungsleiter Volker Steinberg zufolge sind neue Produktionstechnologien kapitalintensiv und daher für Anleger interessant. ,,Man muss aber genau hinschauen."

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