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Der Unternehmer Ralf Greve (2.v.r.) hat mit seinem kleinen Ingenieurteam viel Platz. Die gemietete Fläche in dem neuen Bürogebäude in Shenzen ist 200 Quadratmeter groß.
Der Unternehmer Ralf Greve (2.v.r.) hat mit seinem kleinen Ingenieurteam viel Platz. Die gemietete Fläche in dem neuen Bürogebäude in Shenzen ist 200 Quadratmeter groß.

Lübbecke Lübbecker Unternehmer Ralf Greve gründet Firma in China

Ingenieurbüro mit vier Mitarbeitern eröffnet

VON ANDREA FRÜHAUF
06.07.2013 | Stand 05.07.2013, 14:10 Uhr

Lübbecke. Vor fünf Jahren unternahm der Lübbecker Unternehmer Ralf Greve erste Schritte, um in China Fuß zu fassen. "Ich war nicht mehr konkurrenzfähig", sagt der 47-Jährige. Er wollte Kosten sparen. "Und alle sprachen vom Boom in China."

Die Spritzgusswerkzeuge, die seine Greco Technik GmbH für verschiedene Industriezweige entwickelt, wollte er künftig im Reich der Mitte per Auftragsarbeit fertigen lassen. Der hohe Lohnkostenanteil im Werkzeugmaschinenbau summiere sich in Deutschland immerhin auf 60 bis 70 Prozent.

2009 traf die weltweite Krise sein Unternehmen bis ins Mark. "Der Umsatz ist um nahezu 80 Prozent eingebrochen", so Greve. Doch der Lübbecker blieb hartnäckig, verlor sein Ziel nicht aus den Augen - und die Mitarbeiter standen zu ihm. Heute weiß er: Das Experiment ist geglückt. "Ohne das Engagement in China hätte das Unternehmen nicht überlebt."

Erster Mitarbeiter wurde 2012 eingestellt

Mit Unterstützung der Deutschen Auslandshandelskammer (AHK) stellte Greve im November 2012 nach jahrelangen Vorbereitungen seinen ersten chinesischen Mitarbeiter in Shenzen ein. "Man kann nicht einfach ohne Weiteres eine Firma in China gründen." Um langwierige Bürokratie zu umgehen, arbeitete der erste Mitarbeiter offiziell für die AHK und bezog zunächst von ihr sein Gehalt. Die Kammer stellte Greve ihre Kosten dann in Rechnung.

Inzwischen hat seine neugegründete chinesische Unternehmenstochter (Greco Technology Co., Ltd.) in Shenzen die Arbeit in einem 200 Quadratmeter großen gemieteten Büro aufgenommen. In dem neuen Bürogebäude sitzt auch die Hettich-Tochter Ewikon-Heißkanaltechnik. Alle bürokratischen Probleme seien endlich gelöst. Vier der zwölf Mitarbeiter arbeiten in China. Das Lübbecker Büro fertige lediglich eine Skizze für die Konstruktion der Werkzeuge. "Hier sind Know-how, Qualitätssicherung, Kreativität und die Kontakte zu den Kunden angesiedelt."

Die Mitarbeiter in China erarbeiteten dann die Konstruktionspläne, "die unser chinesischer Lieferant dann für den Bau der Werkzeuge bekommt." Greve sucht bereits zwei weitere Mitarbeiter (Projektleiter, Entwickler), die "ich derzeit nicht bekomme".
Seine Ziele sind ein weiterer Ausbau der Büros in Lübbecke und China sowie die Gewinnung von Direktkunden im Reich der Mitte. Greve schränkt ein: "Das werden aber wohl eher deutsche Firmen sein, die dort ansässig sind." Seine Kunden, darunter auch Zulieferer der Autoindustrie wie ZF Lemförder, kommen aus Ostwestfalen-Lippe. Viele sind auch in Asien präsent.

Präsenz in China ist für Unternehmer ein Kraftakt

Auch auf Drängen eines großen Kunden habe er sich zu dem Schritt nach China entschieden. "Es gibt so gut wie keinen Auftrag, wo nicht die Präsenz in China Voraussetzung ist." Die fertige Ware werde zu ihm nach Deutschland geliefert, von wo aus Greco sie zu den Kunden in Asien verschickt.

Eine Handelsfirma von Greve sitzt bereits in Hongkong. "Der Einkaufsvorteil unserer Kunden gegenüber einem Einkauf in Deutschland beträgt rund 40 bis 50 Prozent." Die ständige Präsenz in China ist für den Unternehmer "ein Kraftakt". Seit 2008 ist er mehr als 40-mal nach China geflogen, oft für mehrere Wochen. Aber das Land und die Menschen faszinieren ihn.

Die Chinesen seien sehr flexibel. Aufträge, die erst am Donnerstag eingingen, bearbeiteten sie notfalls auch am Wochenende, um pünktlich zu liefern. Chinesen hätten zwar eine 40-Stunden-Woche und nur 15 Tage Urlaub, "aber in China gibt es viele staatliche Feiertage". Auch Chinesen nutzten daher freie Brückentage.

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