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Denise Cordeiro und Ronaldo Brambilla freuen sich gemeinsam mit Harald Grefe. - © FOTO: STEFAN SCHELP
Denise Cordeiro und Ronaldo Brambilla freuen sich gemeinsam mit Harald Grefe. | © FOTO: STEFAN SCHELP

Mit dem richtigen Einsatz

Agoform und NP Lighting machen schon gute Geschäfte in Brasilien

VON STEFAN SCHELP
01.06.2013 | Stand 31.05.2013, 15:57 Uhr

São Paulo. Ein bisschen ist es wie die Geschichte vom Hasen und dem Igel. Während die meisten Unternehmer der IHK-Reise nach Südamerika noch den Markt erkunden, sind einige längst da. Und das erfolgreich. Die Löhner Agoform GmbH und die Warburger NP Lighting GmbH machen schon gute Geschäfte in Brasilien. Und ein dritter, der Herforder Nobelküchenhersteller Poggenpohl, ist auf gutem Weg dahin.

In einem riesigen Einkaufscenter in São Paulo zieht Michael Ruprecht wahllos bei einem Küchenanbieter eine Schublade auf. Ein Strahlen geht über das Gesicht des Geschäftsführers von Agoform. "Wusste ich es doch. Das ist von uns." Er meint den Besteckeinsatz, grau, aus hochwertigem Kunststoff, produziert in Löhne. Brasilien ist für die Löhner mit ihrem Jahresumsatz von 21 Millionen Euro "Perspektivmarkt", erklärt er.

Das Stück vom Kuchen soll größer werden. Dabei ist es fast per Zufall auf dem "Teller" der Löhner gelandet. Agoform arbeitete früher weltweit mit dem Schubladenhersteller Bloom zusammen. Deren Handelsvertreter in Brasilien kümmerte sich auch um die Besteckeinsätze. Bis Bloom keine fremden Geschäfte mehr erlaubte. "Der Handelsvertreter hat uns an einen seiner besten Freunde vermittelt."

Der kümmert sich jetzt für Agoform um die Kundschaft. Die Löhner sind zuständig für den Transport der Ware bis in den brasilianischen Hafen Sandos. Dort kauft der Partner die Ware, übernimmt Zoll- und Steuerangelegenheit und verkauft dann an die brasilianischen Kunden weiter. Bei 45 Prozent liegt der Exportanteil des Agoform-Geschäfts, Kunden gibt es in 64 Staaten.

Die härteste Konkurrenz kommt aus China. Auch in Brasilien. Nach Stichproben ist Ruprecht überzeugt, dass Agoform bis zu acht Prozent Marktanteil hat. "30 Prozent wären schön", sagt er. Viel Arbeit für ihn. Und für den brasilianischen Partner.

Henning von Mangoldt kennt Brasilien nicht nur, er ist verliebt in das Land. "Wenn nicht diese schreckliche Bürokratie wäre." Seit 40 Jahren ist der Warburger Unternehmer Experte für Brasilien. Er ist Mehrheitgesellschafter der NP Lighting in Warburg. Das Unternehmen setzt Fassaden, aber auch Möbel im wahrsten Sinne des Wortes ins rechte Licht. Natürlich gibt es auch in São Paulo Lichtreklame, die aus seinem Haus kommt, der Nespresso-Schriftzug zum Beispiel.

Von Mangoldt hat in Brasilien eine eigene Tochtergesellschaft gegründet. Rund 15 Prozent des Umsatzes von 12 Millionen Euro macht Mangoldt in Brasilien. Zuletzt hat er den Zuschlag bekommen für das Lichtkonzept der Autobahn-Raststätten-Kette Graal. Dass Brasilien nicht nur Freude macht, hat ihm die Zollbehörde gerade wieder in Erinnerung gerufen. Eine Luftpostsendung, besonders eilige Ware, hängt seit acht Arbeitstagen fest.

Der Herforder Küchenhersteller Poggenpohl hat seinen Showroom in exklusiver Lage aufgemacht. Linker Nachbar ist Harley Davidson, gegenüber bietet Lamborghini seine Luxus-Sportwagen an. Teurer als Poggenpohl können sie kaum sein. Die Porsche-Küche, schon in Deutschland alles andere als ein Schnäppchen, kostet in Brasilien das Vierfache: rund 400.000 Euro.

Wer sich das leisten kann? Ganz einfach: 60 Prozent der brasilianischen Millionäre leben in São Paulo. Von hier aus wollen Ronaldo Brambilla und seine Mitstreiter den kompletten Lateinamerikanischen Markt erobern.

Leicht wird das nicht. Und das nicht nur, weil der reiche Brasilianer keinen Geschirrspüler braucht, weil die Dienstboten abwaschen. In fünf Jahren, so die Planung, soll Poggenpohl Brasilien schwarze Zahlen schreiben. Was Herforder Qualität wert ist, weiß Ronald Brambilla ganz genau. Auch wenn er noch nicht in Herford gewesen ist. "Brasilianische Firmen, die hier als erstklassig gelten, können mit dieser Qualität bei Weitem nicht mithalten."

Vielleicht schafft es Brambilla bald doch noch, nach Herford zu kommen. Falls nicht, kann er demnächst wenigstens einen Leineweber aus Porzellan vorzeigen, überreicht vom stellvertretenden Hauptgeschäftsführer der IHK Ostwestfalen, Harald Grefe. Der Leineweber, so viel ist sicher, gilt in Brasilien als Synonym für Qualität.

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