Salzkotten/Leer Klingenthal verkauft Minipreis-Märkte

Familienunternehmen Bünting übernimmt

VON ANDREA FRÜHAUF
Klingenthal verkauft Minipreis-Märkte - © Wirtschaft
Klingenthal verkauft Minipreis-Märkte | © Wirtschaft

Salzkotten/Leer. Die Paderborner Klingenthal-Gruppe verkauft zum 1. Juli alle 33 Minipreis-Märkte an die ostfriesische Handelsgruppe Bünting, die vor allem durch ihren Tee bekannt ist und mit rund 9.500 Mitarbeitern eines der größten ostfriesischen Unternehmen ist. Felix und Ferdinand Klingenthal, Onkel und Vater der heutigen geschäftsführenden Gesellschafter und Brüder Ferdinand und Friedrich Klingenthal, hatten Minipreis vor 51 Jahren als Lebensmitteldiscounter gegründet.

Mit dem Verkauf der Lebensmittelsparte, dem das Kartellamt noch zustimmen muss, trennt sich die Klingenthal-Gruppe von 1.200 ihrer insgesamt rund 2.000 Beschäftigten. Die Übernahme des Geschäftsbetriebs durch das Familienunternehmen Bünting sieht der Betriebsratschef Norbert Menke, der zugleich für die CDU im Stadtrat von Salzkotten sitzt und Ortsvereinsvorsitzender der Gewerkschaft Verdi ist, sehr positiv.

"Das ist ein kleiner Sechser im Lotto", sagte der 50-Jährige fast euphorisch. Alle Arbeitsplätze, das Team und die Zentrale in Salzkotten blieben damit erhalten. Allerdings räumte Menke auch ein: "Die Belegschaft hätte es lieber gehabt, wenn alles beim Alten geblieben wäre" - die Betriebsübergabe garantiert formaljuristisch nur ein Jahr lang den Erhalt aller Arbeitsplätze. Aber die Klingenthals hätten sich anders entschieden. "Sie sind gute Kaufleute, denen es um die Sicherheit der Mitarbeiter geht", betonte Menke, der seit fast 30 Jahren im Unternehmen ist.
Zusätzliches Personal

Zentrale in Salzkotten erweitern

Bünting-Vorstandschef Manfred Neumann hat sich bereits am Montag der Belegschaft in Salzkotten vorgestellt. Er habe mitgeteilt, dass die Zentrale in Salzkotten (155 Mitarbeiter) sogar erweitert und zusätzliches Personal eingestellt werden soll, sagte Menke.
Mit dem Verkauf solle die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens aufrechterhalten werden, erklärte Jürgen Schroers, Sprecher der Geschäftsführung der Minipreis-Läden GmbH in Salzkotten, zur Entscheidung.

In Ostwestfalen befinden sich die Minipreis-Märkte zumeist im südlichen Teil. Weitere Standorte gibt es im Ruhrgebiet, im Sauerland, in Hessen und in Thüringen. - © FOTO: ROHLF/GESTALTUNG: INGANNAMORTE/ GRAFIK: JS
In Ostwestfalen befinden sich die Minipreis-Märkte zumeist im südlichen Teil. Weitere Standorte gibt es im Ruhrgebiet, im Sauerland, in Hessen und in Thüringen. | © FOTO: ROHLF/GESTALTUNG: INGANNAMORTE/ GRAFIK: JS

Schroers (54), dessen berufliche Zukunft ebenso wie die des zweiten Geschäftsführers, Günter Murr, derzeit noch offen ist, verwies auf die zu mächtige Konkurrenz der Discounter Aldi und Lidl sowie der Lebensmittelhändler Edeka und Rewe, "die in Europa das Sagen haben". Bünting (rund 9.500 Mitarbeiter, der Umsatz soll um rund 5 Prozent auf 2,15 Milliarden Euro wachsen) sei der ideale Käufer, der den Namen Minipreis, das Konzept ("regionale Produkte, viele Frischetheken") und den Logistikstandort Salzkotten weiterführen werde.

Die Minipreis-Märkte, die angesichts hoher Investitionen in den vergangenen Jahren Verluste machten, seien mit knapp 140 Millionen Euro Umsatz ein "ganz kleiner Player" und würden im laufenden Geschäftsjahr "mit einem kleinen Plus abschneiden".

Vermietung an Bünting

Klingenthal und Bünting sind sich bestens vertraut. Bis vor fünf Jahren bildeten sie eine Einkaufskooperation, bis Edeka Bünting als Einkaufspartner ablöste. Die Übernahme wird im Rahmen eines Asset-Deals vollzogen, indem Bünting Warenbestände, Ladeneinrichtungen sowie die Zentrale (samt Immobilie) als Ergänzung der eigenen Logistik erwirbt. Die übrigen Immobilien behält Klingenthal und vermietet sie an Bünting.

"Die Minipreis-Märkte stellen für Bünting eine optimale Ergänzung des derzeitigen Vertriebsgebietes dar, da es nahezu keine Standort-Überschneidung zu den jetzigen Combi-, Famila- und Markant-Märkten gibt", teilte Neumann mit. Bünting, in fünfter Generation in Familienhand, baue mit der Übernahme "seine führende Marktstellung im Nordwesten weiter aus". Beide Unternehmensphilosophien passten gut zusammen. Die strukturellen Anpassungen in die Bünting-Prozesse seien daher leicht umsetzbar.

Die Bielefelder Lebensmittelkette Jibi, ebenfalls ein Familienunternehmen, arbeitet seit längerer Zeit bei der Warenbeschaffung mit der Bünting-Systemkundenhandelsgesellschaft zusammen. Meinungsbörse

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