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"Wer Leistung fordert, muss Sinn bieten"

Vortrag zu nachhaltiger Unternehmensführung

VON STEFAN SCHELP
08.05.2013 | Stand 07.05.2013, 13:02 Uhr

Bielefeld. Karl Fordemann steht nicht mehr in unternehmerischer Verantwortung. Gedanken macht sich der ehemalige Geschäftsführende Gesellschafter der Brauerei Felsenkeller Herford dennoch. Über den Sinn von Arbeit, den Sinn von Mitarbeitermotivation - kurz: über sinnorientierte Unternehmensführung.

"Menschen wollen erfahren, dass ein Unternehmer den Mitarbeiter mehr schätzt als jede Gewinnerwartung", sagt Fordemann. "Es sind die Menschen in den Unternehmen, die einiges bewegen - oder eben nicht." Das gerate zu oft aus dem Blick, mahnt er die Zuhörer des Industrie- und Handelsclubs. "Wenn über den Fachkräftemangel diskutiert wird, taucht das Wort ,Sinn' leider auch nicht auf."

Das war gestern Abend anders. Denn Fordemann hatte mit Otto Zsok und Andreas Mascha zwei Wissenschaftler eingeladen, die ganz in der Tradition des Bielefelder Soziologen Walter Böckmann stehen. Eines der Bücher von Böckmann, der gestern seinen 90. Geburtstag feierte, heißt "Wer Leistung fordert, muss Sinn bieten".
Zsok, Direktor des "Süddeutschen Instituts für Logotherapie und Existenzanalyse", forderte seine Zuhörer zunächst mit einer kaum enden wollenden Kaskade von Böckmann-Zitaten aus dessen Büchern. "Wir dürfen nicht mehr nur nach dem nächsten Schritt fragen, den wir uns leisten können, sondern danach, was wir tun müssen", zitierte Zsok. Erfolg sei eine Folge sinnvollen Handelns, die Charakteristik von Leistung sei, dass sie freiwillig erfolge. "Der Zweck der Arbeit ist es, Geld zu verdienen. Aber der Sinn ist ein ganz anderer" resümierte Zsok nach 45-minütigem Vortrag.

Darauf konnte Andreas Mascha, Geschäftsführer des "Instituts für Sinnorientierte Führung", mit seinem Vortrag aufsetzen. Das Streben nach Sinn sei eine "Primärmotivation des Menschen". Zur Führung eines Unternehmens könne man auf Angst setzen. "Aber das funktioniert nicht nachhaltig", warnte Mascha. Nachhaltig sei dagegen die sinnorientierte Führung. Diese funktioniere auf drei Ebenen. Auf der des Unternehmens, der Menschenführung und der Selbstführung. "Die Menschenführung ist das Herzstück der Unternehmensführung", erklärte Mascha. "Aber das geht nach hinten los, wenn die Führungskraft nicht zugleich an sich selbst arbeitet."

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