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Virtuelle Währung

Unternehmer setzt auf Internet-Geld

VON HARTMUT BRAUN
12.04.2013 | Stand 11.04.2013, 13:57 Uhr
Herforder Unternehmer 

setzt auf Internet-Geld - © Herford
Herforder Unternehmer
setzt auf Internet-Geld | © Herford

Herford. Der Herforder Internet-Unternehmer Oliver Flaskämper hat ein neues Thema für sich entdeckt: Bitcoins. Neben dem Preisvergleichs-Dienst Geizkragen.de und dem Textdienstleister content.de betreibt er eine Web-Plattform, auf der mit virtueller Währung gehandelt wird. Inzwischen kann er sich vor Nachfragen kaum retten: "Täglich melden sich tausend neue Nutzer an."

Flaskämper sitzt in seinem gläsernen Büro in der Alten Sackfabrik in Herford und schwärmt - von der Mathematik. "Zu ihr haben mehr Menschen Vertrauen als zu Politik und staatlichen Garantien", stellt der ostwestfälische Internetpionier fest.

Damit will Flaskämper zwei Phänomene erklären: den seit der Finanzkrise grassierenden Vertrauensschwund in staatliche Währungen und den aktuellen Hype um ein digitales Zahlungsmittel, das von einer Software durch Lösung komplizierter Rechenaufgaben als Kombination von Zahlen und Buchstaben erzeugt wird, ohne staatlichen Einfluss und Kontrolle. "Es ist so etwas wie ein freies, unabhängiges Geld, das die Geldwirtschaft revolutionieren kann."

Oliver Flaskämper mit einer Darstellung des virtuellen Geldes "Bitcoin". Die Währung gibt es nur in der Internetwelt, die Münze ist dementsprechend in das Bild hineinmontiert. - © FOTOMONTAGE: FRANK-MICHAEL KIEL-STEINKAMP
Oliver Flaskämper mit einer Darstellung des virtuellen Geldes "Bitcoin". Die Währung gibt es nur in der Internetwelt, die Münze ist dementsprechend in das Bild hineinmontiert. | © FOTOMONTAGE: FRANK-MICHAEL KIEL-STEINKAMP

Die ersten Bitcoins tauchten 2009 auf; für ein Stück wurden 6 Cent verlangt. Gestern um 14 Uhr notierte es auf Bitcoin.de mit 198,70 Euro. Der aktuelle Dollar-Wert des Bestandes liegt bei zwei Milliarden.

Der Herforder hatte sich 2011 für einen fünfstelligen Betrag den Namen Bitcoin.de gesichert, eine GmbH gleichen Namens gegründet und die Internet-Plattform programmiert. Im September vor zwei Jahren ging er an den Start.

"Wir sind kein Bitcoin-Händler, wir stellen nur einen Handelsplatz zur Verfügung", präzisiert Flaskämper seinen Status. Dafür kassiert er ein Prozent vom dort getätigten Umsatz, vorerst noch in Bitcoins. Das soll sich aber bald ändern. Wer sich anmeldet, muss Namen und Kontonummer angeben. Geldwäsche ist nicht möglich.

Derzeit arbeiten sechs Leute für die Bitcoin Deutschland GmbH, der Betrieb ist nach Angaben des Gründers bereits profitabel. Doch erst jetzt nimmt die Sache Fahrt auf. Alle großen Medien berichten darüber, es gibt Bitcoin-Blogs, reale Stammtische, aber auch Warnungen vor Hacker-Attacken, digitalem Bankraub, illegalen Geschäften. Flaskämper dazu: "Bitcoins sind digitales Bargeld und an sich nicht böse." Dass es einmal verboten wird, hält er für ausgeschlossen.

Den größten Handelsplatz bietet die US-Firma Mt.Gox. Bitcoin.de soll zum wichtigsten europäischen Handelsplatz werden. Gerade verhandelt Flaskämper mit Banken, um den Handel in Echtzeit zu ermöglichen, was einen weiteren Schub geben soll.

Bitcoin.de-Nutzer kommen aus ganz Europa. Die Deutschen seien bisher eher unterrepräsentiert, sagt Flaskämper. Wer sich da anmeldet? Computer-Freaks, Ideologen, Euro-Kritiker, Spekulanten, Spieler, Geschäftemacher, Menschen, die von einer Revolutionierung des Geldwesens träumen.

Also ist es doch nur eine große Spinnerei? "Sicher ist das alles hochspekulativ", sagt der Herforder. "Auch ich kann nicht vorhersehen, in welche Richtung das geht", fügt er brav hinzu.
Doch dann nennt er ein verlockendes Beispiel: "Im Herbst haben wir unseren Animationsfilm für die Homepage bei indischen Animationskünstlern mit 500 Bitcoins bezahlt. Das waren damals umgerechnet 5.000 Euro, heute sind es 75.000 Euro."

Information

Bitcoins

  • Bitcoins sind ein direktes anonymes Online-Zahlungsmittel, das von Computern erzeugt wird - als eine Art Dankeschön für die Lösung komplizierter Rechenaufgaben. Prinzipiell können sie an jedem leistungsstarken Computer mit einer kostenlos verfügbaren Software "errechnet" werden.
  • Ihre Gesamtzahl ist auf 23 Millionen begrenzt. Bislang wurden 11 Millionen erzeugt. ´Es gibt sie nur im Rechner.
  • Sie werden auf Tauschbörsen wie Bitcoin.de gehandelt, vereinzelt auch als Zahlungsmittel akzeptiert.

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