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Vitali Nering justiert die Spur, auf der die Platten liegen. - © FOTO: ANDREAS ZOBE
Vitali Nering justiert die Spur, auf der die Platten liegen. | © FOTO: ANDREAS ZOBE

Bielefelder Hymmen-Gruppe liefert Weltneuheit

Große industrielle Digitaldruckanlage für Hörmann bedruckt Garagentore

VON ANDREA FRÜHAUF
15.01.2013 | Aktualisiert vor 0 Minuten

Bielefeld. Die Bielefelder Hymmen-Gruppe, Spezialist für Lackieranlagen, Pressen und Digitaldruck, liefert der Hörmann-Gruppe pünktlich zur Baumesse in München eine Weltneuheit. 70 Meter lang ist die industrielle Digitaldruckanlage, in der gleich drei Digitaldruckmaschinen hintereinandergeschaltet sind, um Garagentore digital zu bedrucken und in einem Arbeitsschritt mit einem Funktionsdecklack vor Witterungseinflüssen wie UV-Strahlung zu schützen.

"Das ist ein Meilenstein in der Dekorationsbeschichtung. Bisher gab es nur analoge Verfahren", sagt René Pankoke, geschäftsführender Gesellschafter der Hymmen-Gruppe. Er vergleicht die "revolutionäre Entwicklung" für die Industrie mit der Einführung der digitalen Fotografie. Mit Holz-, Metall-, Stein- und Phantasiedekoren könne sich der Steinhagener Tor- und Türenhersteller nun deutlich von seinen Wettbewerbern unterscheiden. Hörmann biete damit einzigartige Oberflächen, die es so weltweit nicht ein zweites Mal gebe. Hörmann präsentiert auf der Messe erste Holzdekore für Garagentore. Pankoke: "Die Dekore bleiben draußen 12 bis 15 Jahre farbecht."

Zwei Jahre dauerte es, bis die Anlage entwickelt war. Bei dem komplexen Verfahren wirkten externe Partner mit. Im Hymmen-Labor in Rödinghausen wurden zahlreiche Versuchsreihen für ein optimales Digitaldruckverfahren getestet. Jetzt können sowohl fotorealistische Dekore ("Selbst ein Ferrari auf dem Garagentor wäre möglich") als auch einfarbige Flächen gedruckt werden. Das flexible, schnelle Verfahren ermögliche auch kleinste Stückzahlen. Testweise wurde die Anlage in einer gemieteten Halle in Herford montiert und ausprobiert. Allein die Montage dauerte drei Monate. Nun wird sie schrittweise an das ostdeutsche Hörmann-Werk in Ichtershausen bei Erfurt ausgeliefert. Hörmann habe Garagentore bisher nur mit wenigen Dekoren per Folie versehen, so Pankoke.

Patent auf Vakuum-Hochpräzisionstransportband

Die neue Digitaldruckanlage behandelt zunächst die Oberfläche zur besseren Haftung der Tinte, dann läuft die Platte auf einem zum Patent angemeldeten Vakuum-Hochpräzisionstransportband zum Druckbereich. "Die Druckbilder der beiden Digitaldruckmaschinen (je 4 Farben, 110 Druckköpfe) liegen bis auf Hundertstelmillimeter passgenau in der Spur aufeinander." In der dritten Maschine wird danach der Decklack aufgetragen, anschließend getrocknet und die Oberfläche durch UV-Strahlung mattiert und geschützt. Seit 2009 verkaufte Hymmen 22 Digitaldruckanlagen für insgesamt 26 Millionen Euro. Die Sparte entwickle sich zu einem wichtigen Standbein, sagt Pankoke. Eine erste Anlage ging bereits ins Ausland - nach Malaysia.

Der Hymmen-Umsatz wuchs 2012 um fast 25 Prozent auf den Rekordwert von 51 (40,9) Millionen Euro. 2013 soll er weiter auf dann 58 Millionen steigen. Die Mitarbeiterzahl erhöhte sich um 35 auf 250. An der Digitaldruck-Entwicklung arbeiten jetzt auch promovierte Chemiker mit. Hymmen platze inzwischen aus den Nähten und suche weitere Montageflächen in der Region.


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