Paderborn/Bielefeld Zoff unter Volksbanken

Institute in Halle und Bielefeld verklagen Volksbank Paderborn-Höxter-Detmold

VON LOTHAR SCHMALEN, PETER JOHNSEN UND ANDREA FRÜHAUF
Die Volksbank Paderborn ist als "Bankverein Werther" auch in Bielefeld vertreten. - © FOTO: ANDREAS FRÜCHT
Die Volksbank Paderborn ist als "Bankverein Werther" auch in Bielefeld vertreten. | © FOTO: ANDREAS FRÜCHT
Klage gegen Volksbank Paderborn-Höxter-Detmold - © Paderborn
Klage gegen Volksbank Paderborn-Höxter-Detmold | © Paderborn

Bielefeld. Seit Wochen tobt hinter den Kulissen ein heftiger Streit unter den Volksbanken der Region. Im Zentrum der Auseinandersetzung: die fusionierte Volksbank Paderborn-Höxter-Detmold, mit 4,0 Milliarden Euro Bilanzsumme die größte der Region. Vor dem Landgericht Bielefeld sind inzwischen Unterlassungsklagen der Bielefelder Volksbank und der Volksbank Halle anhängig. Außerdem hat die Volksbank Halle beim Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) den Ausschluss der Volksbank Paderborn aus dem Genossenschaftsverband beantragt.

Heute befasst sich der Vorstand des Rheinisch-Westfälischen Genossenschaftsverbandes (RWGV) in Münster mit dem Zoff unter den Genossen. Größter Zankapfel ist dabei der Bankverein Werther, dessen Namen sowie das Firmen- und Privatkundengeschäft und Gebäude die Volksbank Paderborn-Höxter-Detmold im September 2011 erworben hat und unter dessen Namen sie nun in Bielefeld am Alten Markt eine Geschäftsstelle eröffnet hat. Die Volksbanken in Bielefeld und Halle betrachten diese Geschäftsstelle als Filiale der Paderborner Volksbank und werfen dieser vor, entgegen den Prinzipien des Genossenschaftswesen in ihren Geschäftsgebieten Bielefeld und Halle zu "wildern". Weder Michael Kittel, Vorstandsmitglied der Bielefelder Volksbank, noch der Haller Volksbank-Vorstand Harald Herkströter wollten sich gestern zu dem Konflikt äußern.

Information

Expansives Kreditinstitut  

  • Die Volksbank Paderborn-Höxter-Detmold e.G. ist mit fast 4,0 Milliarden Euro Bilanzsumme die größte Genossenschaftsbank in OWL und eine der größten bundesweit.
  • 2002 hatten sich die Volksbanken Paderborn und Höxter zusammengetan, 2007 folgte die Fusion mit der Volksbank Detmold. Das Filialgeschäft des Bankvereins Werther ist 2011 übernommen worden.
  • Vorstandschef der Paderborner Volksbank ist seit 2000 Dr. Ulrich Bittihn. Die Expansion erfolgte unter seiner Führung. Bittihn war 1977 bis 1987 bei der Dresdner Bank und 1987 bis 2000 Leiter des Firmenkundengeschäfts beim Bielefelder Bankhaus Lampe. (mika)

Wie bei den Sparkassen gilt auch bei den Volksbanken bislang das Prinzip "Ein Markt – eine Bank". Das heißt: Jede Volksbank hat ein fest definiertes Geschäftsgebiet, in dem nur eine Volksbank aktiv sein soll. Weil die Volksbank Paderborn-Höxter-Detmold nun aber auch in den Bereichen Bielefeld, Halle, Gütersloh und Herford geschäftlich aktiv ist, hat sie die jeweiligen Genossenschaftsinstitute gegen sich aufgebracht.

Der Vorwurf

Sven-Helge Kleine, Pressesprecher des Landgerichts Bielefeld, bestätigte gestern Informationen dieser Zeitung, wonach sich zwei Kammern für Handelssachen am Landgericht unter dem Vorsitz der beiden Richter Rasmus Funk und Doris Mertel seit Oktober mit Klagen der Bielefelder Volksbank und der Volksbank Halle gegen die Volksbank Paderborn-Höxter-Detmold befassen. Die Bielefelder und Haller werfen den Paderbornern vor, bei Privat- und Geschäftskunden den Eindruck zu erwecken, bei der neuen Geschäftsstelle am Bielefelder Alten Markt handele es sich um eine eigenständige Bank. In Wirklichkeit sei die neue Bank aber nichts anderes als eine Filiale der Volksbank Paderborn-Höxter-Detmold außerhalb des angestammten Geschäftsgebietes.

Einen Termin für die Hauptverhandlung gibt es noch nicht. Die Volksbank Bielefeld wird durch die Bielefelder Kanzlei Streitbörger, die Volksbank Halle durch die Stuttgarter Kanzlei Dr. Fandrich vertreten. Die Volksbank Paderborn-Höxter-Detmold schickt Anwälte der großen US-amerikanischen Wirtschaftskanzlei Freshfields/Bruckhaus/Deringer ins Rennen.

Die Volksbank Halle erwarte für die kommenden Jahre "einen millionenschweren Schaden durch das Eindringen der Volksbank Paderborn-Höxter-Detmold eG" in deren angestammtes Markt- und Geschäftsgebiet, schrieb die Kanzlei Dr. Fandrich im Dezember an den Rheinisch-Westfälischen Genossenschaftsverband.

Sich verbandskonform verhalten

Bereits aus dem Oktober datiert der Antrag an den Bundesverband, die Volksbank Paderborn-Höxter-Detmold zu ermahnen, dass sie sich verbandskonform verhalten müsse und bei Nichtbefolgen aus der Sicherungseinrichtung des Volksbank-Verbandes auszuschließen sei. Dies wäre so etwas wie die Höchststrafe unter Genossenschaftsbanken, denn damit würde das Paderborner Institut die Sicherheit für ihr Kreditgeschäft verlieren.

Ulrich Bittihn, der Vorstandsvorsitzende der Volksbank Paderborn, verspürt den Groll den Genossen wohl schon seit längerem. Der ehrgeizige Banker, der in zahlreichen Gremien von Genossenschaftsverbänden und Verbundunternehmen aktiv ist, sah sich mit Blick auf den Konflikt schon vor fast einem Jahr gezwungen, sein Mandat im Beirat der WGZ-Bank (Düsseldorf) ruhen zu lassen. Auch in anderen Gremien sei er zuletzt nicht mehr gesehen worden, heißt es.

Beim RWGV in Münster blieb man gestern zugeknöpft und bestätigte nur, dass es zurzeit Gespräche mit den ostwestfälischen Volksbanken gebe. Sylvia Hackel, die Pressesprecherin der Paderborner Volksbank, wollte das Thema "mit Blick auf die anstehenden Gespräche" ebenfalls nicht kommentieren. "Wir begrüßen aber diese Gespräche, die von den Verbänden unterstützt werden", so Hackel.

Copyright © Neue Westfälische 2018
Texte und Fotos von nw.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Die Kommentarfunktion für diesen Artikel ist deaktiviert.

nw.de bietet Ihnen unter vielen Artikeln und Themen die Gelegenheit, Ihre Meinung abzugeben, mit anderen registrierten Nutzern zu diskutieren und sich zu streiten. nw.de ist jedoch kein Forum für Beleidigungen, Unterstellungen, Diskriminierungen und rassistische Bemerkungen. Deshalb schalten wir bei Artikeln über Prozesse, Straftaten, Demonstrationen von rechts- und linksradikalen Gruppen, Flüchtlinge usw. die Kommentarfunktion aus. Näheres dazu lesen Sie in unseren Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion (Netiquette) und in dem Kommentar unseres Chefredakteurs Thomas Seim zur Meinungsfreiheit im Forum der NW.

realisiert durch evolver group