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Norma Bopp, OWL-Regionalvorsitzende der Jungen Unternehmer im Interview

"Nicht über die Verhältnisse leben"

05.09.2012 | Stand 04.09.2012, 17:01 Uhr
Norma Bopp führt Betrieb und Verband. - © FOTO: WOLFGANG RUDOLF
Norma Bopp führt Betrieb und Verband. | © FOTO: WOLFGANG RUDOLF

Bielefeld. Unternehmen dürfen nicht über ihre Verhältnisse leben, erinnert Norma Bopp, OWL-Vorsitzende des Bundesverbands Junger Unternehmer (BJU). Deshalb müssten auch Staaten Maß halten, Rettungsschirme seien nichts anderes als verstecke Subventionen, sagt die Bau-Unternehmerin aus Bielefeld. Dienstag tagte der BJU, die Nachwuchsorganisation der Familienunternehmer, in Bielefeld. Mit Norma Bopp sprach Wilfried Massmann.

Zurzeit läuft auch die Bauwirtschaft gut?
NORMA BOPP:
Ja, sie ist sehr stark. Im Moment wird gebaut, gerade auch im privaten Hausbau. Auch wenn man auf der Suche ist, sind kaum noch Immobilien oder Wohnungen zu haben, weil so viele Menschen ihr Geld in Wohneigentum investieren wollen.

Information

Junge Unternehmer

Dipl.-Wirtschafsingenieurin Norma Bopp ist Vorsitzende des Regionalkreises OWL der Jungen Unternehmer (BJU). Bopp (33) ist geschäftsführende Alleingesellschafterin der 115 Jahre alten Hochbaufirma Detert in Bielefeld, die sie vor sieben Jahren mit ihrem verstorbenen Ehemann Rainer Bopp gekauft hat. Der mittelständische Betrieb beschäftigt 35 Männer und Frauen. Ehrenamtlich ist die Unternhmerin auch Arbeitsrichterin.

Der BJU ist die Nachwuchsorganisation von Inhabern, Gesellschaftern und Unternehmensnachfolgern. Die Mitglieder verstehen sich als Netzwerker und wollen im Rahmen der sozialen Marktwirtschaft das selbstständige Unternehmertum stärken. Für die meisten BJU-Mitglieder folgt mit 40 Jahren der Übergang zu den Familienunternehmern, früher ASU.(ass)

Hohe Investitionen in ,,Betongold" sind auch Ausdruck der Euro-Krise?
BOPP:
Und das ist genau das, was einem die Kunden vermitteln: Werthaltigkeit durch Grundstücke und Immobilien. Die niedrigen Zinsen kommen natürlich hinzu.

Krisenstimmung auf hohem Niveau. Wie beurteilen die Jungen Unternehmer ihre Zukunft?
BOPP:
Was uns zusammen hält, ist der politische Austausch, der Meinungaustausch untereinander und Wissensvermittlung in Foren. Credo des BJU, aber auch der Familienunternehmer, sind die Werte Freiheit, Eigentum, Wettbewerb und Verantwortung. Diese Werte versuchen wir durch unsere Bundesgeschäftsstelle in Berlin auch in der Politik stärker nach vorne zu bringen.

Wie reagiert der BJU auf den bedrohten Euro?
BOPP:
Wir sind für ein starkes Europa, aber nicht durch subventionierte Gelder in Form von Rettungsschirmen und Aktivitäten am Sekundärmarkt. Das ist eine versteckte Form von Staatsfinanzierung. Auch in Europa muss Haftung und Risiko gleichermaßen verteilt sein. Staaten sollten nicht über ihre Verhältnisse leben und wirtschaften. Das können sich Unternehmen in der Privatwirtschaft auch nicht erlauben.

Das tun leider alle Staaten...
BOPP:
Aber in deutlich unterschiedlichem Ausmaß mit stark unterschiedlichen wirtschaftlichen Hintergründen.
Junge Unternehmer drücken aber noch andere Sorgen?
BOPP: Zwei möchte ich herausgreifen: Fachkräftemangel und Energiepolitik.

Spüren Sie Fachkräftemangel?
BOPP:
Man muss schon lange suchen, um einen Ingenieur zu finden, der die fachlichen Voraussetzungen mitbringt und der ins Team passt. Viel schlimmer ist aber der Fachkräftemangel bei den gewerblichen Mitarbeitern. Wir bilden Betonbauer und Maurer, Dachdecker und Zimmerer aus. Und es ist sehr schwer, Azubis zu finden, die auch die Power haben, bis zum Ende Schule und Betrieb durchzuziehen und danach den Beruf des Maurers auch als attraktiv empfinden. Es werden jedes Jahr weniger.

Tariflich haben beide Partner vereinbart, Leiharbeit zu verbieten. Die Jungen Unternehmer fordern sie aber ausdrücklich?
BOPP:
Wir sind für Zeitarbeit. So würde auch geringer qualifizierten Menschen Arbeit geboten. Jetzt stellen wir hauptsächlich Facharbeiter ein, tatsächlich könnten wir auch Mitarbeiter gebrauchen, die eine Baustelle räumen oder den Besen schwingen. Das geht aber nicht, weil sie durch die Lohnnebenkosten so hoch gepuscht werden, dass man das gar nicht mehr bezahlen kann. Wenn ich heute bei einem Kunden nur eine kleine Gartenmauer hochziehen soll, muss ich ja schon einen sehr hohen Stundenlohn berechnen. Das kann und will bald niemand mehr bezahlen. Im Bau gibt es einen Mindestlohn. Für andere Branchen könnte sich dieser jedoch sehr nachteilig auswirken und Arbeitsplätze vernichten.

Niedrige Löhne haben niedrige Renten zur Folge, die später der Steuerzahler ausgleichen soll?
BOPP:
Hier kommt ein interessanter Vorschlag von Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen: Die Zuschussrente – vielleicht eine Option?

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