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Große Sorgen um den Griechen-Euro

Ökonom: Bei einer Währungsreform könnten die Y-Scheine abgewertet werden

VON ANDREA FRÜHAUF
03.07.2012 | Stand 02.07.2012, 17:06 Uhr
Ein 50-Euro-Schein aus Griechenland
Ein 50-Euro-Schein aus Griechenland
Sorgen um 

den Griechen-Euro 




- © WIRTSCHAFT
Sorgen um
den Griechen-Euro



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Bielefeld/Berlin. Obwohl Politiker immer wieder die Stabilität des Euro-Systems beteuern, spielen Banken offenbar Szenarien für einen möglichen Ausstieg Griechenlands aus dem Euro durch. Insider behaupten sogar, dass Institute aus Angst vor einer Geldentwertung griechische Euro-Scheine ungern in ihren Kassen haben und am liebsten abstoßen würden.

Alle Euro-Scheine, die im Auftrag der griechischen Zentralbank gedruckt wurden, sind an dem Y vor der Seriennummer erkennbar. Denn jedem Mitglied der Währungsunion wurde ein Buchstabe zugeordnet. Das X vor der Seriennummer steht für Deutschland, M für Portugal, V für Spanien, G für Zypern. Rechtlich gesehen ist jeder Euro-Schein gleich und muss als Zahlungsmittel angenommen werden. Doch in Krisenzeiten herrschen gelegentlich andere Regeln. Es wäre nicht das erste Mal, wenn Griechenland ein Insolvenzverfahren einleiten würde. Seit seiner Unabhängigkeit im Jahr 1829 erlitt das Land fünf Mal einen Staatsbankrott.

Information

BUCHSTABENCODE

* Jedem Mitglied der Währungsunion wurde ein Buchstabe zugeordnet.

* Deutschland bekam ein X, Portugal ein M, Spanien ein V und Zypern ein G.

* Per Gesetz ist jeder Euro-Schein gleich und muss als Zahlungsmittel angenommen werden.

Charles Blankart, Seniorprofessor für Öffentliche Finanzen an der Berliner Humboldt-Universität und Mitglied des wissenschaftlichen Beirats beim Bundeswirtschaftsministerium zeigt in einer Studie drei Varianten auf, wie ein Austritt Griechenlands aus dem Euro erfolgen könnte. Eine Möglichkeit wäre demnach eine Sofortumstellung, um die Plünderung der Konten und Überweisungen ins Ausland zu verhindern.

Blankart: "Sofortaktion rechtsstaatlich fragwürdig"

Damit müsste "auf einen Schlag eine neue griechische Währung geschaffen werden", wie Blankart gegenüber dieser Zeitung erläutert. Laut seinem Vorschlag könnten die mit einem Y  versehenen Banknoten zu neuen Drachmen erklärt werden.
"Konsequenz wäre dann, dass alle diese Y-Banknoten, ob sie sich in Griechenland oder anderswo befinden, in der Sofortaktion zur neuen griechischen Währung würden und – weil Griechenland die Währungsautonomie besitzt – auch abgewertet werden könnten und wohl auch abgewertet würden", schlussfolgert der Schweizer. "Auch Deutsche, die solche Noten besitzen, würden davon betroffen."

Blankart betont aber: "Eine Sofortaktion müsste ohne demokratische Beschlussfassung durchgeführt werden und ist daher rechtsstaatlich fragwürdig." Ob sich die griechische Regierung daran halten würde, mag er nicht zu beurteilen. Vermutlich rechneten Banken aber mit diesem Szenario. Dagegen befürwortet der Ökonom eine "asymmetrische Umstellung".

Charles Blankart
Charles Blankart

Hierbei könnten die alten Noten zwar Zahlungsmittel bleiben, "aber vor allem die Sparguthaben werden von der Umstellung ausgenommen". Damit würden die Sparer geschützt und einer möglichen Geldflucht ins Ausland der Wind aus den Segeln genommen. Die Belastungen für Banken könnten durch einen einmaligen Transfer der internationalen Gemeinschaft aufgefangen werden.

Staaten können nur sich selbst helfen

"Mir scheint aber, dass Griechenland gar nicht austreten will", konstatiert der Ökonom. Denn nach einem Austritt würde Griechenland keine oder sehr viel weniger Subventionen erhalten. "Nur wenn Griechenland im Euro bleibt, kann es die anderen Staaten dazu motivieren, immer neue Mittel zur Verfügung zu stellen." Während sich bei Staatspleiten üblicherweise Gläubiger an ihre Schuldner halten mussten, gebe es bei der Staatsschuldenkrise im Euroraum einen Dritten im Bunde, auf den alles abgewälzt werde. Die Politik habe die Krise nur verschärft. Die Staaten könnten nur sich selbst helfen.

Die erste Tranche des Griechenlandpakets (2010) betrug 110 Milliarden Euro. "Jetzt stehen wir bei dem Zwanzigfachen. Die Kreditlinien liegen bei zwei Billionen Euro." Hinzu komme der Riesentender der EZB von insgesamt rund einer Billiarde Euro, der vor allem dazu diene, marode Banken der Problemstaaten am Leben zu erhalten.

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