Ehrlich und manchmal unbequem

IHK-Ehrenpräsident Fritz-Wilhelm Pahl wird 70

VON MARTIN KRAUSE
Fritz-Wilhelm Pahl wird am Sonntag 70 Jahre alt. - © FOTO: NW
Fritz-Wilhelm Pahl wird am Sonntag 70 Jahre alt. | © FOTO: NW

Delbrück. Fritz-Wilhelm Pahl ist Ostwestfale aus Überzeugung. Seine Heimatstadt Delbrück ist ihm lieber als München oder Dortmund: "Ich bin dankbar, dass ich heute hier bin. Hier kennt man sich. Hier kann man sich vertrauen. Das ist in den großen Städten schwieriger." Pahl weiß, wovon er spricht. Er hat reichlich Erfahrungen gesammelt. An diesem Sonntag wird er 70 Jahre alt.

Nach der Schule verließ Pahl die Provinz und ging "möglichst weit weg, um den Absprung zu finden". Der junge Fitz-Wilhelm, der sein Abitur am Paderborner Theodorianum bestanden hatte, studierte Physik und Maschinenbau in München. Geplant war, dass er später das familieneigene Unternehmen übernimmt, eine Gummiwarenfabrik in Dortmund. Seine erste Arbeitsstelle trat er aber 1968 beim Krauss-Maffei-Konzern in München an, wo er Kautschukmaschinen entwickelte: "Die hätten wir später in unserer Firma einsetzen können."

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Familie und Firma

Fritz-Wilhelm Pahl und seine aus Hamburg stammende Frau Anneke haben drei Kinder. Von ihnen arbeitet nur der Jüngste, Thilo C. Pahl, 31, bei Bette. Tochter Deike (41) lebt in Oslo, Sohn Niklas (40) in Hamburg.
Bette hat mit 300 Mitarbeitern 2010 rund 66 Millionen Euro Umsatz erzielt. Der Exportanteil beträgt 35 Prozent.

Doch es kam anders: Nach mehreren Generationswechseln hatte die Pahl-Fabrik in Dortmund keine gute Zukunft mehr und wurde tatsächlich später aufgelöst. Dafür bekam Pahl die Chance, Verantwortung beim Dusch- und Badewannenhersteller Bette in Delbrück zu übernehmen. Auch Bette war damals in einer schwierigen Situation: "Ich übernahm die Geschäftsführung, nachdem ich die Zusage bekommen hatte, 50 Prozent der Anteile kaufen zu können."

Seine Direktheit ist gelegentlich schroff

Seit 1975 führt Pahl die Firma. Er zeichnete 1977 eine Kapitalerhöhung und stockte seine Beteiligung später auf 52,5 Prozent auf. Die Minderheit hält bis heute die Familie Bette. Das Unternehmen mit 300 Mitarbeitern behauptet sich seitdem als David unter mehreren Goliaths in der Sanitärbranche.

Pahl erwies sich nicht nur im Unternehmen als engagiert, zupackend und durchsetzungsfähig. Seinen Idealismus und seine Energie brachte er ehrenamtlich auch in mehrere Verbände und Organisationen ein - vor allem in die Bielefelder Industrie- und Handelskammer (IHK). 1982 ließ er sich erstmals in die Vollversammlung wählen, 1994 wurde er Präsident. Er blieb für zwei Amtszeiten und erwarb sich den Ruf einer starken Persönlichkeit mit klaren Positionen.

Er gilt als jemand, der nicht lange um den heißen Brei herumredet, der in seiner Direktheit gelegentlich schroff sein kann, aber andererseits auch humorvoll und aufgeschlossen für Kritik. Und: Pahl ist ein vehementer Anwalt der heimischen Wirtschaft, der verblüffend stark vom Guten in Ostwestfalen überzeugt ist.

99 Cent pro Badewanne

Vielleicht haben ihn in dieser Weltsicht auch jene Abenteuer bestärkt, die er fern der Heimat zu bestehen hatte, und über die er heute herzhaft lachen kann. Die Aktivitäten in Singapur zum Beispiel: In Asien nämlich waren die Wannen aus Delbrück Anfang der 80er Jahre sehr beliebt, und so stattete Pahl einen chinesischen Partner mit Knowhow aus, um Bette-Produkte in einer neuen Fabrik herzustellen. Jede produzierte Wanne sollte als Bette-Wanne gelten und den Namensgebern 99 Pfennig einbringen. Doch eine Abrechnung gab es nie, die Provision blieb aus.

"Die hatten die Wannen geringfügig verändert, um einen Zentimeter", erinnert sich Pahl. Die Partner fühlten sich an die Vereinbarung offenbar nicht mehr gebunden. Pahl verweigerte fortan die Zusammenarbeit - nach fünf Jahren ging die Firma im Fernen Osten in Konkurs. Als "Unternehmer mit Weitblick" schätzt Thomas Niehoff, der Hauptgeschäftsführer der IHK Ostwestfalen, den heutigen Ehrenpräsidenten der Kammer. Pahl habe das Ehrenamt nicht nur sehr verlässlich ausgefüllt, sondern auch mit Herzblut. "Für mich ist er der ehrbare Kaufmann in Person", sagt Niehoff, "ein offener und ehrlicher Mensch, der allerdings auch Unbequemes ausspricht - zum Beispiel gegenüber der Politik."

Zu Pahl gehört auch sein Bekenntnis zum Familienunternehmen. Inhaber fällen andere Entscheidungen als Manager, glaubt Pahl, sie spüren höhere soziale Verantwortung und können notfalls bewusst auf Gewinne verzichten - "Manager können das meistens nicht".

Unternehmen soll in der Familie bleiben

Das eigene Unternehmen soll in Familienhand bleiben. Sein jüngster Sohn Thilo (31) übernimmt 2012 die Führung, der Senior scheidet Ende 2012 aus der Geschäftsführung aus und wechselt in den Beirat. Hat Pahl Angst, das Zepter aus der Hand zu geben? "Nein, die Vorstellung ist beglückend, wenn ich sehe, wie mein Sohn mit Kunden umgeht und die Mannschaft führt", sagt Pahl. Man hat das Zeug zum Unternehmer, oder man hat es nicht, denkt Pahl: "Mein Sohn hat es."

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