Tönnies-Prozess gegen Millionen-Auflage eingestellt

Vorwurf: Hackfleisch falsch etikettiert und verkauft

Der Prozess gegen Clemens Tönnies und neun seiner leitenden Angestellten wurde am Dienstag gegen eine Zahlung von 2,85 Millionen Euro eingestellt. - © FOTO: DPA
Der Prozess gegen Clemens Tönnies und neun seiner leitenden Angestellten wurde am Dienstag gegen eine Zahlung von 2,85 Millionen Euro eingestellt. | © FOTO: DPA

Essen/Rheda-Wiedenbrück (nw). Schnelles Ende im Tönnies-Prozess: Gegen die Zahlung von 2,89 Millionen Euro aber ohne ein Schuldeingeständnis der Angeklagten hat das Landgericht Essen das Verfahren gegen Clemens Tönnies und neun seiner leitenden Angestellten gestern eingestellt. In dem Prozess war dem Rheda-Wiedenbrücker Unternehmer Tönnies und seinen Mitarbeitern vorgeworfen worden, mehr als 175 Millionen Packungen Hackfleisch falsch etikettiert und verkauft zu haben.

Tönnies (55) persönlich muss 900.000 Euro zahlen, sein Geschäftsführer Josef Tillmann muss 700.000 Euro berappen. Die Geldauflagen gegen acht weitere leitende Angestellte sind geringer ausgefallen, die kleinste Geldauflage, die das Landgericht Essen gestern ausgesprochen hat, beträgt 30.000 Euro. Zu den persönlichen Geldauflagen kommt noch eine weitere für das Unternehmen Tönnies Fleisch in der Höhe von noch einmal 1 Million Euro. Alle Geldauflagen summieren sich somit auf 2,85 Millionen Euro.

Die Staatsanwaltschaft war zu Beginn des Verfahrens dagegen noch von einem Betrugswert von 350 Millionen Euro ausgegangen.
"Ich bin froh, dass dieses Kapitel endlich vorbei ist. Wir haben eine aus unserer Sicht akzeptable Lösung zur Beendigung gefunden", sagte gestern Firmenchef Clemens Tönnies. "Wir haben seit langem auf eine solche Lösung hingewirkt. Wichtig ist zu betonen, dass mit dieser Beilegung weder ein Schuldnachweis geschweige denn ein Schuldeingeständnis eines der Beteiligten einhergegangen ist", ergänzte Tönnies-Rechtsanwalt Sven Thomas. Er gilt als Starverteidiger und hat im Mannesmann-Prozess auch schon Klaus Esser vor Gericht vertreten.

Keine Vorstrafe für Clemens Tönnies

Im Laufe des Tönnies-Verfahrens sei immer wieder klargestellt worden, dass "sowohl Clemens Tönnies wie auch die leitenden Mitarbeiter unschuldig im Sinne der Anklage" sind. Damit gibt es für Tönnies keine Vorstrafe. "Das ist uns ganz besonders wichtig", ergänzt ein Tönnies-Unternehmens-Sprecher. Das Ende des Prozesses sei daher eine "gute, befriedigende Lösung."

Man habe bereits seit einiger Zeit auf diese Einigung hingearbeitet. Ziel sei gewesen, den Prozess nach sechs Monaten zu beendigen, ohne dass einer der Beteiligten "gegen seine Überzeugung ein Schuldeingeständnis hat unterschreiben müssen". Es habe nie einen Beweis für die Vorwürfe gegeben. "Wir haben glaubhaft gezeigt, dass die Beschuldigungen falsch waren.

Für die leitenden Angestellten sei die Verpflichtung, zweimal pro Woche zum Prozess erscheinen zu müssen, eine "physisches und psychische Belastung" und zugleich auch eine Belastung des Unternehmens gewesen. Bei einem "stark expandierenden Unternehmen wie Tönnies" sei ein solcher wiederkehrender Ausfall der Unternehmensführung dauerhaft schwer zu kompensieren.

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