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Lars Windhorst und die NordLB. - © FOTO: DPA
Lars Windhorst und die NordLB. | © FOTO: DPA

Windhorst narrt die NordLB

Millionenforderungen der Landesbank laufen gegen insolvente Firmen ins Leere

VON MARTIN KRAUSE
20.07.2011 | Stand 19.07.2011, 23:13 Uhr

Berlin/Hannover. Die Norddeutsche Landesbank schaut in die Röhre. Rund 150 Millionen Euro versucht die Bank seit Herbst 2008 bei den Firmen des umstrittenen Fondsmanagers Lars Windhorst einzuklagen. Mit magerem Erfolg.

Erst flüchtete sich Windhorsts Investmentfirma Vatas Holding Anfang 2009 in die Insolvenz, nachdem die NordLB beim Landgericht Berlin eine Schadenersatzklage eingereicht hatte. Danach wollte die Bank sich das Geld von der Vatas-Muttergesellschaft Sapinda International in London holen - und errang im Februar 2010 einen Etappensieg. Sapinda habe für Vatas eine Art Bürgschaft gegeben und müsse für Forderungen gegen Vatas einstehen, urteilte das Gericht und sprach der NordLB im Teilurteil 1 Millionen Euro Schadenersatz zu .(Az.99 O 92/08)

Die Niederlage dürfte Windhorsts Gönner, den aus Südafrika stammenden Sapinda-Chef Rob Hersov, alarmiert haben. Dann ging es Schlag auf Schlag: Die Sapinda International Limited firmierte um in Quarry Hill Investments Ltd. Und gegen das Berliner Urteil wurde Berufung beim Berliner Kammergericht eingelegt, wie Dr. Ulrich Wimmer mitteilte, der Pressesprecher der Berliner Zivilgerichte. Seit Februar 2011 allerdings ruhe das Berufungsverfahren (Az. 24 U 61/10) - es sei im Hinblick auf ein Insolvenzverfahren unterbrochen worden, das einen Verfahrenbeteiligten betrifft. Pleite ist nun neben Vatas offenbar auch Quarry Hill. Die Sapinda-Nachfolgerin werde seit Frühjahr 2011 von Liquidatoren aus dem Hause KPMG in London abgewickelt, heißt es in informierten Kreisen.

Angelegenheit war ein Skandal

Hintergrund des Rechtsstreits sind gescheiterte Aktiengeschäfte in den Jahren 2007 und 2008: Windhorst hat der NordLB zufolge Anteile an Firmen wie dem Handyzulieferer Balda und dem Pflegeheimbetreiber Curanum im Wert von 234 Millionen Euro bestellt. Doch der gebürtige Rahdener konnte oder wollte die Aktien - darunter Papiere eines zweifelhaften amerikanischen Fußfesselherstellers - nicht zahlen. Die NordLB blieb auf den im Kurs gefallenen Paketen sitzen. Für die seriöse Landesbank war die Angelegenheit ein Skandal: Wie konnten sich die Banker auf den als Pleitier verrufenen ehemaligen Liebling von Bundeskanzler Helmut Kohl einlassen?

Die Bank habe damals Wertberichtigungen im Volumen von 180 Millionen Euro vorgenommen, sagt NordLB-Sprecher Jan-Peter Hinrichs. Ein Wertpapierhändler und ein weiterer Manager wurden entlassen, aber auch ein Bereichsleiter sowie Konzernvorstand Jürgen Kösters ("im gegenseitigen Einvernehmen") verloren ihre Jobs - die komplette Befehlskette.

Vatas-Insolvenzverwalter Rüdiger Wienberg hatte Anfang 2010 mitgeteilt, dass 44 Gläubiger rund 400 Millionen Euro an offenen Forderungen angemeldet hätten. "Die Verwertung der Insolvenzmasse wird derzeit vorgenommen", heißt es jetzt spröde bei Wienbergs Insolvenzverwaltung HWW.

Stehauf-Männchen mit prominenter Verstärkung

Die Gläubiger von Vatas und Sapinda International (Quarry Hill) dürfen nicht unbedingt mit großen Rückzahlungen rechnen - nach der ersten Pleitenserie zahlte Windhorst eine Quote von 1,9 Prozent auf Forderungen von 63 Millionen Euro.

Unterdessen ist Sapinda längst wieder am Start. Im holländischen Schiphol haben Hersov und seine Partner die neue Sapinda Holding aus der Taufe gehoben, und in Berlin ist (wie gehabt an der Friedrichstraße 95) schon seit Sommer 2009 Sapinda Deutschland aktiv, mit Windhorst als Geschäftsführer. Das 34-jährige Stehauf-Männchen, inzwischen vorbestraft und verheiratet, hat sich für den abermaligen Neustart prominente Verstärkung geholt: Neben dem früheren Kohl-Sprecher Andreas Fritzenkötter soll ihm dem Spiegel zufolge auch der langjährige Continental-Chef Hubertus von Grünberg helfen - als Chef eines Beirats.

Beobachter argwöhnen, dass Windhorst unter anderem auf Leerverkäufe und andere Spekulationsgeschäfte setzt. Sein Netz reiche von Berlin, London und der Schweiz (wo die NordLB gegen Credit Suisse klagt) bis auf die Caymans und Mauritius, so die Gerüchteküche: "Da braut sich wieder was zusammen!"

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