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BIELEFELD Verbraucherschützer bemängeln "Mogelpackungen"

Unternehmen wehren sich

VON MATTHIAS TONHÄUSER
08.06.2011 | Stand 08.06.2011, 09:05 Uhr
"Maggi Reiskugeln Curry" von Nestlé, "Fisherman's Friends" von Lofthouse of Fleetwood und "Nimm2-Lollys" von Storck werden als Produkte mit viel Luft von der Verbraucherzentrale bemängelt. - © MONTAGE: JANA GEBING
"Maggi Reiskugeln Curry" von Nestlé, "Fisherman's Friends" von Lofthouse of Fleetwood und "Nimm2-Lollys" von Storck werden als Produkte mit viel Luft von der Verbraucherzentrale bemängelt. | © MONTAGE: JANA GEBING
Verbraucherschützer bemängeln Luft in Tüten - © WIRTSCHAFT
Verbraucherschützer bemängeln Luft in Tüten | © WIRTSCHAFT

Bielefeld. Viel Luft, wenig Inhalt: Das ist das Ergebnis einer Studie, bei der die Verbraucherzentrale Hamburg mit zwei Eichämtern 30 Lebensmittelverpackungen untersucht hat. 23 davon enthielten mehr als 30 Prozent Luft. Laut den Verbraucherschützern sind sie damit "Mogelpackungen", sofern es nicht produktionstechnische Gründe dafür gebe. Der negative Spitzenreiter kommt aus der Region: Die Nimm2-Lolli-Tüten von Storck (Halle) sind zu 90 Prozent mit Luft gefüllt.

"Wir bekommen jedes Jahr hunderte E-Mails von Bürgern, die sich über irreführende Verpackungen beschweren", sagt Armin Valet, Ernährungsexperte bei der Verbraucherzentrale. Die Tatsache, dass drei Viertel der untersuchten Verpackungen zu viel Luft enthalten, ist "aus Sicht der Verbraucherzentrale ein schlechtes Zeugnis für die Hersteller", wie es in der Studie heißt. Dabei gilt es allerdings zu beachten, dass es sich nur um Produkte handelt, die Bürger bemängelt haben. Die Untersuchung ist also nicht zwingend repräsentativ für alle deutschen Lebensmittel.

Die Eichdirektion Nord hat zu den beanstandeten Produkten Ordnungswidrigkeitenverfahren eingeleitet. Grundlage dafür ist Paragraph 7, Absatz 2 des deutschen Eichgesetzes: "Fertigpackungen müssen so gestaltet und befüllt sein, dass sie keine größere Füllmenge vortäuschen, als in ihnen enthalten ist." Wie Manfred Bornholt von der Eichdirektion Nord erklärt, ist aber nicht jedes Produkt, dass 30 Prozent Luft enthält, eine Mogelpackung. "Dies gilt nur für Produkte, die bereits beim Abfüllprozess so viel Luft enthalten." Anders sei es zum Beispiel bei Waschpulver, das beim Transport zusammengerüttelt werde, oder bei Parfüm und Pralinen, wo andere Richtlinien gelten. "Eine Kaffeetüte muss aber randvoll sein."

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Produkte im Visier

Die Verbraucherzentrale hat sich bei ihrer Untersuchung auf Lebensmittel beschränkt – aber nur aus finanziellen Gründen. "Bei Kosmetika hätten wir auch Erfolg gehabt", sagt Valet. Auf der Internetseite der Verbraucherzentrale ist zum Beispiel das Röntgenbild einer Cremeverpackung zu sehen, auf dem man erkennt, dass in die gleiche Packung auch zwei Cremes gepasst hätten. Leider seien die gesetzlichen Vorgaben für Kosmetika jedoch sehr lasch, heißt es dort.

Storck spricht von einer "Kampagne"

Bei Storck ist man auf die Verbraucherzentrale nicht gut zu sprechen. Unternehmenssprecher Bernd Rößler spricht von einer "Kampagne" und "unredlichem Verhalten". Wie er mit Hilfe eines Briefwechsels dokumentiert, hat die Verbraucherzentrale Storck bereits 2009 aufgefordert, eine Unterlassungserklärung abzugeben. Der Hersteller lehnte dies ab und erklärte, dass die Beutel so groß seien, weil die Lollis sonst in die Naht mit eingeschweißt würden. Zudem seien sowohl die Gramm-, als auch die Stückzahl auf der Vorderseite der Verpackung angegeben. Kunden könnten auch erfühlen, "dass die Fertigpackung nicht prall mit Ware gefüllt ist".
Storck hat mittlerweile 250.000 Euro investiert, um kleinere Packungen produzieren zu können. Die Verbraucherschützer erwähnen all dies in ihrer Untersuchung nicht. "Wir halten es nicht für redlich, Verbrauchern all diese Informationen gezielt vorzuenthalten", sagt Rößler.

Als Produkte mit viel Luft wurden auch die "Maggi Reiskugeln Curry" von Nestlé und die "Fishermen’s Friends" von Lofthouse of Fleetwood bemängelt. Nestlé macht technische Gründe geltend: "Da die vier Reiskugeln in der Umverpackung nebeneinander liegen, muss diese eine entsprechende Größe haben, um das Produkt nicht zu beschädigen." Lofthouse of Fleetwood war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

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