GÜTERSLOH Staatsanwalt klagt Dubai-Fonds-Chefs an

Verdacht auf Kapitalanlagebetrug

Gütersloh. Die Staatsanwaltschaft Bielefeld hat gegen die Chefs der Gütersloher Fondsgesellschaft Alternative Capital Invest (ACI) Anklage erhoben. Sie wirft Uwe Lohmann (66) und dessen Sohn Robin (36) Kapitalanlagebetrug vor. ACI hatte mit dem Geld aus den Fonds Hochhäuser in Dubai bauen wollen. Dafür hatte das Unternehmen von 8.000 Kleinanlegern rund 70 Millionen Euro eingesammelt. Die Finanzierung platzte, die Fonds sind mittlerweile insolvent. Als Geschäftsführer der Immobilienfonds hatten Uwe und Robin Lohmann in den Verkaufsprospekten laut Staatsanwaltschaft falsche Angaben gemacht. "Sie haben erhebliche und nachteilige Tatsachen verschwiegen", sagte Oberstaatsanwalt Klaus Pollmann, Sprecher der Schwerpunktabteilung Wirtschaftskriminalität, gestern. Dabei gehe es um die Angaben zu Vermittlungsprovisionen, Werbungskosten und Gebühren für Markenrechte. Die Staatsanwaltschaft bezieht sich in ihrer Anklage auf drei Fälle aus 2006 und 2007: Über den Fonds III habe ACI mit Hilfe der falschen Versprechungen 19,2 Millionen Euro Kommanditkapital von den Anlegern eingesammelt, über die Fonds IV und V jeweils 18,4. Wie hoch der Schaden für die Privatanleger ist, ob sie noch mit Auszahlungen rechnen dürfen, sei für die Staatsanwaltschaft unerheblich, sagte Pollmann. Maßgeblich für die Anklage seien allein die falschen Angaben in den Verkaufsprospekten. Sie würden mit Haft bis zu drei Jahren oder Geldbuße bestraft. Die Fondsgesellschaft ACI hatte die Anleger nicht nur mit zweistelligen Renditen, sondern auch mit prominenten Namen gelockt. So hatte das Gütersloher Unternehmen mit seinem kleinen, nur wenige Mitarbeiter zählenden Büro Boris Becker, Niki Lauda und Michael Schumacher als Namenspatronen für die neuen Dubai-Wolkenkratzer gewonnen. Die Bürotürme wurden aber nie gebaut. Im Gegenteil: Im September meldete ACI Insolvenz für seine Fonds II-V an. Die Anleger warten bis heute auf Ausschüttungen. Die Lohmanns verwiesen stets auf die weltweite Finanzkrise und den Kollaps des Immobilienmarktes im Emirat. Nachtrag: Das Landgericht Bielefeld hat das Strafverfahren gegen die zwei Geschäftsführer des Gütersloher Investment-Unternehmen ACI gegen die Zahlung einer sechsstelligen Geldauflage eingestellt. Die Staatsanwaltschaft hatte den Beschuldigten Kapitalanlagebetrug vorgeworfen. Das Gericht äußerte Zweifel, dass sich dieser Vorwurf vollumfänglich nachweisen lässt. Außerdem sei die zu erwartende Strafe für die bislang unbescholtenen Angeschuldigten zu gering (Az.: 9 KLs - 6 Js 39/10-6/11). Die Einstellung des Verfahrens ist auch rechtskräftig geworden.

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