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Gerhard Engstfeld (l.) und Wilhelm Beckmeier. - © FOTO: MARIUS GIESSMANN
Gerhard Engstfeld (l.) und Wilhelm Beckmeier. | © FOTO: MARIUS GIESSMANN

SCHIEDER/SCHWALENBERG Lippisches Tüftler-Duo entwickelt neuartigen Biokamin

NW-Serie: Innovationen in OWL

VON MARIUS GIESSMANN
25.02.2011 | Stand 24.02.2011, 19:04 Uhr

Schieder-Schwalenberg. Der Kamin brennt schon, als Wilhelm Beckmeier den Reporter empfängt. Wärme strahlt zum Besprechungstisch herüber. Sie gleicht der wohligen Wärme eines Holzofens, ist aber komplett geräuschlos. Es fehlt das Knistern fliegender Funken und das Knacken brennender Scheite. Stattdessen verbrennt im Inneren stumm hochreiner Alkohol, der einen zum Patent angemeldeten Wärmespeicher aufheizt.

"Unser In/Pro Bio-Kamin zeichnet sich durch seinen geringen Verbrauch und gleichzeitig lang anhaltende Wärmeabstrahlung aus", schwärmt Beckmeier, der für den Bio-Ethanol-Brenner einen Wabenspeicherkern aus Ton und Lehm entwickelte. "Der erreicht einen Wirkungsgrad von nachweislich 100 Prozent – es wird also die gesamte Verbrennungswärme genutzt."

Information

Eine Tankfüllung für zwei Euro

Den In/Pro Bio-Kamin – mit dem Engstfeld und Beckmeier für die Finalrunde des Zukunftspreises der Handwerkskammer OWL nominiert waren – gibt es von 1 bis 2,5 Kilowatt Leistung. Ist der Wabenspeicherkern einmal aufgeheizt, kann die Wärmeabgabe der Flamme auf bis zu 250 Watt herunter geregelt werden.
In diesem Zustand brennt der Kamin mit einer Tankfüllung von knapp eineinhalb Litern bis zu neun Stunden lang. Anschließend gibt der Wabenspeicherkern noch über Stunden Restwärme ab. Dank der modularen Bauweise können auch individuelle Kundenwünsche bezüglich der Gestaltung erfüllt werden.
Der Einstiegspreis liegt bei 1.600 Euro. Den Biokamin-Brennstoff können Kunden über einen vermittelten Großhändlerkontakt für etwa 1,40 Euro pro Liter beziehen. (tim)

Denn da der genutzte Bio-Alkohol ruß-, rauchfrei und rückstandslos verbrennt, braucht man keinen Schornstein, erklärt Gerhard Engstfeld, der 75-jährige Seniorchef des gleichnamigen Detmolder Heizungs-, Sanitär- und Metallbearbeitungsbetriebs. "Damit ist er auch für Mietwohnungen ideal", sagt der Konstrukteur des Sicheitsbrennmoduls. Aus dessen Tank wird der Bio-Alkohol in eine etwa 25 Zentimeter breite Brenndüse mit Kapillardocht gesaugt. Beckmeier: "Das ist eine keramisches Material aus der Weltraumforschung, das immer die richtige Menge Brennstoff ansaugt."

"Es dauert etwa fünf Minuten, bis sich die Flamme voll entwickelt"

Dann zeigt er, wie die Befüllung des Tanks funktioniert."Sobald der Sicherheitsschieber über dem Docht liegt, kann der Verschluss geöffnet werden", kommentiert er zwei Handgriffe, füllt aus einem Messbecher einen Liter Brennstoff ein und verschließt den Tank wieder. "Jetzt kommt der Drehregler ins Spiel." Das kleine Rädchen dosiert den Brennstoff-Zufluss zum Docht und damit die Größe der Flamme.

Die züngelt nach dem Anzünden erst zögerlich, wird dann aber satter. "Es dauert etwa fünf Minuten, bis sich die Flamme voll entwickelt hat ", sagt Beckmeier und Engstfeld erklärt den Hintergrund: "Sobald der Glühdraht über dem Docht auf Betriebstemperatur ist, saugt die Flamme Verbrennungsluft an und kann sich entwickeln."

Die gezielte Anordnung von Luftkanälen in der Kaminumbauung aus Lehm und Ton garantiere eine sehr gute Zirkulation im Wärmespeicher und gleichzeitig eine Kühlung des Brennstofftanks, erklärt Beckmeier ein entscheidendes Sicherheitsmerkmal des In/Pro Biokamins. "Dadurch wird die Temperatur des Ethanols immer im optimalen Temperaturbereich gehalten", sagt er.

Lizenznehmer für die Serienproduktion gesucht

"So kann es nicht zu einem Hitzestau oder einer Verpuffung kommen." Und damit auch nicht zu Unfällen, wie sie mit Ethanol-Kaminen anderer Hersteller schon passiert seien und dem Ansehen der Bio-Kamine sehr geschadet hätten.

Beckmeier und Engstfeld sehen in ihrer Marktneuheit ein Riesenpotenzial. "Wir haben bis jetzt an der Kombination von Sicherheits- und Wärmespeichertechnik knapp drei Jahre gearbeitet", sagt der 55-jährige Beckmeier. Während dieser Entwicklungszeit haben sie mit den ersten 20 Kunden kontinuierlich Erkenntnisse gesammelt und ihre einzelnen Erfindungen zum Schutz gegen Nachahmer als Gebrauchsmuster angemeldet.

Jetzt suchen die beiden nach einem Lizenznehmer für die Serienproduktion der Kaminumbauung. Beckmeier: "Zur weiteren Marktdurchdringung wäre die Zusammenarbeit mit einem großen Kaminhersteller optimal."

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