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Ferchau-Niederlassungsleiter Jens Husemann
geht auch 2011 von einer positiven Entwicklung für sein Geschäft aus. - © FOTO: ANDREAS ZOBE
Ferchau-Niederlassungsleiter Jens Husemann
geht auch 2011 von einer positiven Entwicklung für sein Geschäft aus. | © FOTO: ANDREAS ZOBE

Ingenieure zu verkaufen

Wie Mitarbeiter der Ferchau GmbH für Firmen in OWL forschen und entwickeln

VON MARIUS GIESSMANN
21.01.2011 | Stand 20.01.2011, 17:36 Uhr

Bielefeld. Sie sind topp ausgebildete Wanderarbeiter, entwickeln Maschinen, entwerfen Elektronikbauteile, programmieren Software oder optimieren laufende Produktionsprozesse. Wenn die Arbeit getan ist, kosten die Ingenieure den Kunden keinen Cent mehr. Eine Geschäftsidee, die aus der Gummersbacher Ferchau GmbH einen Konzern mit 5.000 Mitarbeitern gemacht hat, zu deren Kunden auch namhafte Unternehmen aus Ostwestfalen-Lippe gehören.

"Für uns ist es natürlich ein Riesenvorteil, dass wir an keiner Branche fest dran kleben", sagt Jens Husemann, Leiter der Bielefelder Ferchau-Niederlassung und Chef von 70 technischen Mitarbeitern. "Die stark zyklischen Branchen der Kunden schwingen zum Glück meist unterschiedlich."

Resultat sei "ein wirklich gutes Ergebnis" für seine Niederlassung in 2010, genauer will er nicht werden. Ob die gesamte Ferchau GmbH das selbstgesetzte Umsatzziel von 280 Millionen (2009: 260 Millionen) Euro erreicht habe, kläre sich in den kommenden Wochen. Gewollt ungenau wird Husemann auch, wenn es um die Nennung von Kunden geht. "Teil der Verträge sind ja auch Verschwiegenheitsklauseln", erklärt er, zeigt aber zum Beweis des großen Bedarfes in der Region eine Referenzliste mit Logos vieler namenhafter Unternehmen. Auf der Website bekennen sich immerhin Miele und Hella zur Zusammenarbeit mit Ferchau - ebenso wie Bosch, Nokia, Siemens, beinahe alle deutschen Automobilhersteller und andere Konzerne.

Sie alle nutzen die Hilfe des Ingenieur-Dienstleisters - entweder, um die Stammbelegschaft klein zu halten, oder um sich gezielt den "Blick von außen einzukaufen", erklärt Husemann. "Das ist für viele interessant, für den klassischen Mittelständler mit 50 Mitarbeitern ebenso wie für den Konzern mit 9.000 Beschäftigten."

Dabei bindet sich der Kunde an den hoch qualifizierten Leiharbeiter nur per Werk- oder befristeten Dienstvertrag, "also nur für die Dauer eines Projektes", sagt Husemann. Die betrage im Durchschnitt mindestens neun Monate, meistens aber ein bis drei Jahre. Während dieser Zeit sind die Ferchau-Beschäftigten fest beim Kunden - gewissermaßen als zugekaufter Bestandteil des jeweils firmeneigenen Entwicklerteams.

In den schmucken Glas-Büros an der Herforder Straße schieben lediglich sechs Verwaltungsmitarbeiter Dienst. "Wir sorgen dafür, dass keine großen Lücken entstehen und die Projekte möglichst nahtlos aneinander anschließen", sagt er. Etwas, das in den vergangenen Jahren offensichtlich gut geklappt hat: 1981 gegründet, spaltete sich bereits 2005 eine eigene Niederlassung für Osnabrück ab, über die heute 35 Mitarbeiter beschäftigt werden. Bundesweit hat Ferchau bereits mehr als 50 Niederlassungen, 14 davon für die separaten Geschäftsbereiche Marine (Schiffbau und Offshore-Anlagenbau) und Aviation (Luft- und Raumfahrt).

"So sind wir als einziges deutsche Enginieering-Unternehmen zum Beispiel auch für Airbus tätig", sagt Husemann stolz. Ähnlich begeistert ist er, wenn er von dem ungebrochen wachsenden Markt und dem Chancen für die Dienstleistung Ingenieur-Outsourcing berichtet. In Deutschland nutzten aktuell weniger als 2 Prozent der Unternehmen die Angebote von Firmen wie Ferchau - schon im Nachbarland Frankreich seien es rund 10 Prozent.

Husemanns Schlussfolgerung: "Wenn nichts Schlimmes passiert, wird auch 2011 für uns wieder ein gutes Jahr."

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