Computerspieler im Wettkampf

Branche führt Alterseinstufung für Onlinegames ein

VON TOBIAS TAUCH
20.08.2010 | Stand 20.08.2010, 07:23 Uhr
Computerspieler

im Wettkampf - © WIRTSCHAFT
Computerspieler
im Wettkampf | © WIRTSCHAFT

Köln. Am ersten Besuchertag der Computermesse Gamescom wurde nicht nur gespielt, sondern auch diskutiert. Auf dem Kongress zum Thema Medienkompetenz trafen sich Pädagogen, Erzieher und Spieleexperten, um sich auszutauschen. Stars der Messe waren jedoch die "E-Sportler" und YouTube-Aktiven. An sie kamen auch Fußballer Lukas Podolski und Experte Manni Breuckmann nicht heran.

Die Konferenzteilnehmer schauten nicht schlecht, als im Nebenraum die Hobbyfilmer von kreischenden Mädchen empfangen wurden. Während Ibrahim Evsan über Onlinespiele und deren Zukunft referierte, wurden Internetprominente wie "Herr Tutorial" und "coldmirror" gefeiert. Zur gleichen Zeit bestaunten vor allem die männlichen Messebesucher die besten Computerspieler Deutschlands am Stand der Electronic Sports League (ESL). Sie kämpfen bis Sonntag um ein Preisgeld von 400.000 Dollar, umgerechnet mehr als 310.000 Euro.

Dieser spielbegeisterte Besucher trägt eine grünes Armband, das ihn als 12- bis 16-jährig ausweist. Das Spiel auf Nintendos mobiler Spielekonsole ist ohne Altersbeschränkung, wie der weiße Aufkleber über dem "T" des roten Werbeschildes zeigt. - © FOTO: DPA
Dieser spielbegeisterte Besucher trägt eine grünes Armband, das ihn als 12- bis 16-jährig ausweist. Das Spiel auf Nintendos mobiler Spielekonsole ist ohne Altersbeschränkung, wie der weiße Aufkleber über dem "T" des roten Werbeschildes zeigt. | © FOTO: DPA

Bei dem Titeln "FIFA 10" und "Counter-Strike" sind Teams aus Deutschland unter den Favoriten. Gespielt wurden bei der ESL gestern vor allem Titel mit der Freigabe ab zwölf Jahren. Sowohl Pädagogen und Eltern als auch Spieler und Zuschauer sind mit dieser Einstufung der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) zufrieden.

Geschäftsführer Felix Falk nimmt das Lob gerne an, verweist aber auch auf die staatlichen Behörden: "Unsere Spieletester sind bestens ausgebildet und erstellen sehr gute Expertisen." Am Ende entscheide jedoch nicht die USK, welche Altersempfehlung ein Spiel bekommt.
Als positive Entwicklung bewertet Falk, dass ab 2011 auch Onlinespiele bewertet und eingestuft werden können. Das ermögliche Eltern zu sehen, welche der vielen Spiele wirklich für Kinder geeignet seien.

Trotz des erhöhten Aufwands profitierten davon auch die Anbieter, meint Ibrahim Evsan. Der Experte sieht die Browsergame-Branche insgesamt weiter im Aufschwung, auch wenn klassische Spieleherausgeber erst jetzt auf diesen Trend aufspringen. "Sie können sich jetzt mit dem gesparten Geld in erfolgreiche Projekte einkaufen."

Experten sehen vor allem digitale Lernspiele als wachstumsträchtige Sparte. In Kanada, dem Partnerland der Gamescom, werden solche Spiele bereits entwickelt und bei Kindern eingesetzt. Die Nordamerikaner präsentieren sich jedoch auch fernab der Pädagogik als Marktführer: In keinem anderen Land ist die Dichte an Universitäten mit Studiengängen für den Bereich Computerspiel-Entwicklung so hoch wie dort.

Die Wurzeln der Branche

Neben virtuellen Welten bietet die Gamescom auch einen geschichtlichen und künstlerischen Blick auf die Branche. In der Ausstellung "Haus der Computerspiele" werden dazu Relikte vergangener Jahrzehnte gezeigt. Neben der Atari-Konsole VCS, die 1977 auf den Markt kam und mehr als 30 Millionen Mal verkauft wurde, der TI-994 von Texas Instruments aus den 1980er Jahren und die erste Handheld-Konsole Microvision vom Hersteller MB. Szenen aus der virtuellen Spielewelt finden aber auch künstlerische Umsetzungen. Für die Ausstellung wurden von der Event-Agentur Aruba Bilder aus mehr als 20 Spielen auf Leinwand festgehalten. (dpa)

Copyright © Neue Westfälische 2019
Texte und Fotos von nw.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Die Kommentarfunktion für diesen Artikel ist deaktiviert.

nw.de bietet Ihnen unter vielen Artikeln und Themen die Gelegenheit, Ihre Meinung abzugeben, mit anderen registrierten Nutzern zu diskutieren und sich zu streiten. nw.de ist jedoch kein Forum für Beleidigungen, Unterstellungen, Diskriminierungen und rassistische Bemerkungen. Deshalb schalten wir bei Artikeln über Prozesse, Straftaten, Demonstrationen von rechts- und linksradikalen Gruppen, Flüchtlinge usw. die Kommentarfunktion aus. Näheres dazu lesen Sie in unseren Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion (Netiquette) und in dem Kommentar unseres Chefredakteurs Thomas Seim zur Meinungsfreiheit im Forum der NW.

realisiert durch evolver group