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Der neue Artega rollt zu den Händlern

Delbrücker Sportwagenschmiede nimmt Fahrt auf

VON GÜNTER HOFFMEISTER
12.05.2010 | Stand 12.05.2010, 08:04 Uhr |
Artega GT wird heute ausgeliefert - © WIRTSCHAFT
Artega GT wird heute ausgeliefert | © WIRTSCHAFT

Delbrück. Mit viel Feingefühl justiert Roberto Timpanaro das Kühlelement der Klimaanlage im Frontbereich des neuen Artega GT und zieht die Schrauben fest. Passt! Der junge schlanke, großgewachsene Kfz-Mechaniker aus Paderborn mit italienischen Wurzeln ist einer von 30 Mitarbeitern in der Artega-Manufaktur in Delbrück, die den rassigen Sportwagen in präziser Handarbeit fertigen.

Heute ist auch ihr großer Tag, denn sie werden miterleben, wie die ersten 20 Artega GT in blauer und roter Farbe vom Gelände der Manufaktur in Delbrück rollen und an die Händler ausgeliefert werden. "Viele Interessierte warten schon, am kommenden Wochenende bei den derzeit neun Händlern eine Probefahrt zu unternehmen", sagt Peter Müller, Leiter Technik und Vertrieb bei Artega, der schon bei Porsche und BMW Erfahrungen gesammelt hat. "Wir werden das Händlernetz auf etwa 25 Stationen ausbauen, überwiegend in Deutschland, aber auch in der Schweiz, Frankreich, Italien und Tschechien."

Information
Autostadt Delbrück

Gleich neben der Bundesstraße 64 am Ortsrand von Delbrück liegt die Artega-Manufaktur. "Wir gehören jetzt auch ein bisschen zu den Autostädten wie Wolfsburg oder München", sagt Artega-Geschäftsführer Wolfgang Ziebart augenzwinkernd. Dem 60-Jährigen sieht man seine Autoleidenschaft und Erfahrung an, die er mit kontrollierter Gestik und Mimik unterstreicht. "Schauen Sie hier", nimmt er seine Zuhörer mit auf den Artega-Rundgang durch die Manufaktur, "so präzise setzen unsere Mitarbeiter die Schweißnaht bei den Aluminiumblechen." Er grüßt die Mitarbeiter, ein freundliches Wort hier, ein Lachen dort. Die Chemie scheint stimmig, so wie der Artega. (GH)

Heute wird der in über 100 Detailpunkten überarbeitete Artega GT ausgeliefert. - © FOTO: GÜNTER HOFFMEISTER
Heute wird der in über 100 Detailpunkten überarbeitete Artega GT ausgeliefert. | © FOTO: GÜNTER HOFFMEISTER

Dass die unendliche Geschichte des Sportwagens Artega und seine holprig verlaufende Einführung - ihm fehlten seinerzeit wichtige Sicherheitsdetails - nun ein gutes Ende nimmt, hat auch damit zu tun, dass zwei ausgewiesene Autoexperten an der Spitze des Unternehmens stehen: Geschäftsführer Wolfgang Ziebart, er war BMW-Vorstandsmitglied für Forschung und Enwicklung, und Peter Müller. Unter ihrer Ägide wurde das Auto in mehr als 100 Detailpunkten überarbeitet. Die Klimaanlage ist deutlich verbessert, die Elektronik arbeitet endlich stabil. Zudem erfüllt der Artega GT jetzt alle Sicherheits- und Technikansprüche an einen Sportwagen.

Stückpreis: 79.950 Euro

"Die seinerzeit ausgelieferten Fahrzeuge werden nachgerüstet", so Ziebart. 200 Fahrzeuge (die maximale Kapazität beträgt 500 Stück; gebaut werden derzeit zwei bis drei pro Tag) sollen noch in diesem Jahr gebaut werden, Stückpreis: 79.950 Euro.

"Vieles am und im Artega ist serienmäßig, etwa das Doppelkupplungsgetriebe DSG, das woanders extra bezahlt werden muss, oder das Navigationsgerät", erläutert der Geschäftsführer den doch recht hohen Preis, der auch mit der aufwendigen Handarbeit zu erklären ist. "Bei uns arbeiten keine Roboter. Hier ziehen erfahrene Mitarbeiter präzise die Schweißnnähte", fügt Ziebart hinzu, und sein Finger streicht über eine exakt geführte Schweißnaht.

Derzeit beträgt der Personalstand 50 Mitarbeiter, 30 davon in der Fertigung und 6 in der Entwicklung. An eine Aufstockung sei zwar gedacht, "aber da werden wir ganz behutsam vorgehen", dämpft Ziebart übertriebene Erwartungen.

Fraunhofer-Institut fährt Artega

Der kraftvolle V-6-Direkteinspitzmotor (300 PS) kommt von Volkswagen, ebenso das DSG-6-Gang-Getriebe. Und ein Blick in die Artega-Zukunft ergibt eine neue Perspektive. Das Fraunhofer-Institut hat einen Artega gekauft und rüstet ihn zur Erprobung und zum Sammeln von Erfahrungen mit E-Radnabenmotoren aus.
Der Artega setzt also nicht nur ab heute viele Sportwagenfreunde unter Strom, sondern auch seine Zukunft.


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