UPDATE 13.03 UHR Wohnmobilhersteller Westfalia ist pleite

Westfalia Van Conversion kurz vor Insolvenzantrag umbenannt

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Westfalia ist pleite - © WIRTSCHAFT
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Rheda-Wiedenbrück. Der traditionsreiche Wohnmobilhersteller Westfalia Van Conversion ist pleite. Mittwochvormittag stellte Geschäftsführer Sven Dübbers beim Amtsgericht Bielefeld einen Insolvenzantrag für das Unternehmen in Wiedenbrück. Grund sei die seit 2009 "dramatisch verschlechterte Marktentwicklung", teilte Dübbers schriftlich mit.

Der Insolvenzverwalter des Wohnmobilherstellers sieht gute Chancen für eine Sanierung des Unternehmens. Die Fertigung sei gut organisiert, die Produkte seien hochwertig, sagte Rainer Eckert am Donnerstag im ostwestfälischen Rheda-Wiedenbrück. "Überhänge gibt es aber in der Verwaltung." Das Insolvenzgeld werde den Weiterbetrieb bis Ende März sichern. "Bis dahin sollte feststehen, in welche Richtung die Entwicklung läuft." Die Firma hatte am Vortag beim Amtsgericht Bielefeld Insolvenzantrag gestellt.

Der Absatz von hochwertigen Reisemobilen ist speziell in Krisenzeiten keine einfache Aufgabe. - © FOTO: DPA/MONTAGE: ANDREAS FAHL
Der Absatz von hochwertigen Reisemobilen ist speziell in Krisenzeiten keine einfache Aufgabe. | © FOTO: DPA/MONTAGE: ANDREAS FAHL

Insbesondere im ersten Halbjahr 2009 seien die Auftragseingänge – auf Monatsbasis betrachtet – um bis zu 70 Prozent eingebrochen. Trotz einer leichten Wiederbelebung zeichne sich auch in diesem Jahr keine nachhaltige Besserung des Gesamtmarktes ab. Geschäftsführer Dübbers: "Wir müssen deshalb davon ausgehen, dass der Einbruch bei unseren Reisemobilen im vergangenen Jahr von per Saldo rund 40 Prozent länger anhält, so dass das Überleben in der aktuellen Struktur nicht mehr gewährleistet ist." Die 170 Beschäftigten hatten 2008 rund 40 Millionen Euro Umsatz erwirtschaftet.

Insolvenz als Chance

Angestrebt werde nun ein umfassender Neuanfang, ließ Dübbers wissen. Im Insolvenzverfahren solle ein Insolvenzplan vorbereitet werden, der die Fahrzeugproduktion langfristig sicherstelle. Ziel sei die Insolvenz in Eigenverwaltung. "Wir gehen davon aus, dass der heutige Schritt die Chance eröffnet, das Unternehmen nach Abschluss des angestrebten Planinsolvenzverfahrens in einer neuen Konstellation fortführen zu können", betonte Dübbers. Dann müssten möglicherweise Überkapazitäten, sprich Personal, abgebaut werden, erläuterte ein Sprecher.

Seit Monaten stritten Geschäftsführung und Belegschaft um die Einführung eines Haustarifvertrages. Im April 2009 hatte Dübbers, der erst seit Anfang 2008 im Amt ist, die Auslagerung der Produktion an andere Standorte geprüft und die sofortige Streichung der übertariflichen Zulage angedroht.

Die IG Metall sah in dem angekündigten Austritt aus dem Arbeitgeberverband einen Verstoß gegen den 2006 vereinbarten Standortsicherungsvertrag. "Vor dem Arbeitsgericht waren mehr als 100 Verfahren von Mitarbeitern anhängig, die in allen Fällen Recht erhielten", sagte Bernd Marx, Geschäftsführer der IG Metall in Gütersloh. Erst vor wenigen Wochen war der Reisemobilhersteller – er hatte seine Wurzeln in der 1844 von Johann Bernhard Knöbeln eröffneten Schmiede und wurde 2007 von Daimler an die Münchener Beteiligungsgesellschaft Aurelius verkauft – in CVC Camping Van Conversion umbenannt worden. Für dieses Unternehmen wurde gestern der Insolvenzantrag gestellt, wie der vorläufige Insolvenzverwalter Rainer Eckart bestätigte. Er will die Produktion fortführen.

Verkauf an Franzosen gescheitert

Die IG Metall hegt indes den Verdacht, dass mit der Pleite der Traditionsname gerettet werden soll, um das Unternehmen mit der alten Marke "wo auch immer fortzuführen und sich altgedienter Mitarbeiter zu entledigen". Ein geplanter Verkauf an eine französische Unternehmensgruppe sei zuvor gescheitert. Bereits im November 2009 war das Tochterunternehmen in Düsseldorf (29 Beschäftigte), das für den Mercedes Sprinter Kunststoffdächer fertigte, an den Daimler-Konzern verkauft worden.

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