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Die Nutzerzahlen sozialer Netzwerke steigen – Erlöse erwirtschaften jedoch wenige Portale. - © FOTO: FRANKE / MONTAGE: LÖHRIG
Die Nutzerzahlen sozialer Netzwerke steigen – Erlöse erwirtschaften jedoch wenige Portale. | © FOTO: FRANKE / MONTAGE: LÖHRIG

Geldverdienen 2.0

Marketing-Fachleute entdecken die Nutzer sozialer Netzwerke im Internet als Kunden

VON MARIUS GIESSMANN
15.08.2009 | Stand 15.08.2009, 11:59 Uhr

Bielefeld. Mehrere Millionen Deutsche nutzen sie täglich: Soziale Netzwerke im Internet. Das Bloggen, Chatten oder Kommentieren auf Portalen wie Myspace, Schüler-VZ, Studi-VZ und Twitter dient meist allein der Belustigung. Auf der geschäftlichen Kontaktplattform Xing ist das anders – spätestens seitdem Marketingfachleute die digitalen Profile von Nutzern optimieren.

"Das ist definitiv ein Markt", sagt Joachim Rumohr, nach eigener Aussage Deutschlands bekanntester Xing-Trainer. Mit seinem 14-köpfigen Team hat er in den vergangenen drei Jahren mehr als 2.500 Schulungen gegeben, um Nutzern das "volle Potenzial" von Xing aufzuzeigen – lizenziert durch die Hamburger Betreiber-Aktiengesellschaft. Rumohr: "Die Möglichkeiten sind immens. Aber nicht jede Firma oder Privatperson ist in der Lage, unsere Tipps auch direkt umzusetzen."

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Tipps zur Optimierung ihres Xing-Profils

An dieser Stelle kommen Marketing-Experten wie Markus Gehlken zum Einsatz. Der Bünder optimiert die Auftritte von Unternehmern auf Xing so, dass sie zur Akquise-Plattform werden. Zu seinen Kunden zählen Handwerker, die Kontakt zum Baugewerbe suchen, ein Tai-Chi-Trainer, der seinen Schülern das chinesische Schattenboxen beibringen will, oder auch ein Forstwirt aus der Region. "Der hatte innerhalb von ein paar Tagen plötzlich 100 Anfragen für Brennholz bekommen", sagt Gehlken stolz, "zum Teil mit irren Volumina." Einige der virtuell angebahnten Bestellungen umfassten Mengen für mehrere zehntausend Euro.

Auf anderen Online-Plattformen spielt Geldverdienen mit einer professionellen Selbstdarstellung keine Rolle. "Vielen genügt es, einfach ein bisschen rumzuprobieren", sagt Xing-Sprecher Thomas Vespermann. "Ist ja auch völlig okay. Sobald die Menschen ihren Account jedoch beruflich nutzen, sieht das anders aus." Seiner Ansicht nach ist es konsequent, sich beim virtuellen Selbstmarketing von Fachleuten helfen zu lassen. Vespermann: "Das ist eine Frage der Professionalität."

Für Rumohr, Gehlken und andere Anbieter der neuen Dienstleistungen rund um soziale Netzwerke im Internet ist es außerdem eine Frage der Gewinnerwartung. Mit mehr als 3,2 Millionen deutschsprachigen Xing-Nutzern – rund acht Millionen sind es weltweit – ist die Gruppe der möglichen Kunden riesengroß. "Das Schöne ist: Sie wächst ständig", sagt Gehlken mit einem zufriedenen Lächeln. "Aktuell kommen jeden Monat weltweit 250.000 neue Nutzer hinzu."

Das Netz in Echtzeit

Es ist der Aufbruch in eine neue Zeit: Echtzeit. Schon heute informieren flinke Nutzer des Internet-Dienstes Twitter regelmäßig schneller als Nachrichtenagenturen oder Onlineauftritte von Zeitungen. Auch wenn die 140 Zeichen langen Kurzmitteilungen ungeprüft durchs Netz geistern, lösten sie einen neuen Trend aus, dem auch mächtige Internetkonzerne nachspüren. So kaufte das Social Network Facebook den Dienstleistungszwerg Friendfeed. Die Plattform hat zwar nur eine Million Nutzer, bietet diesen jedoch einen gewaltigen Mehrwert: Eine Suchfunktion, die sich über den gesamten Inhalt alle Nutzeraktivitäten und damit auch Postings und Twitter-Nachrichten erstreckt. Davon können klassische Suchmaschinen zur Zeit nur träumen.

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