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Uli Hoeneß ist Fußball-Funktionär und Unternehmer. - © Andreas Gebert
Uli Hoeneß ist Fußball-Funktionär und Unternehmer. | © Andreas Gebert

Vorbestrafter Redner Uli Hoeneß sollte auf Steuer-Messe sprechen

PR-Coup oder unüberlegte Aktion? Die Veranstalter müssen einen Auftritt des Fußball-Funktionärs absagen. Grund ist die Diskussion um seine Vergangenheit.

Lukas Brekenkamp
12.12.2022 | Stand 12.12.2022, 18:13 Uhr

München. Lange blieb er geheim, der sogenannte "Star-Speaker" bei der "StB Expo" in München, der größten Fachmesse der Steuerbranche. Dann ließen die Organisatoren die Bombe platzen: Kein geringerer als Uli Hoeneß, Fußballfunktionär und Unternehmer, sollte in München sprechen. Dabei ist Hoeneß ausgerechnet wegen Steuerhinterziehung vorbestraft.

Gleich drei Termine des Branchen-Events, das sich laut eigenen Angaben "mit vielfältigen Digitalisierungsfragen in Steuerberatungskanzleien beschäftigt", stehen im kommenden Jahr im Kalender. In Hamburg ist im Frühjahr Schiedsrichter Deniz Aytekin Top-Speaker, in Köln im April der Unternehmer Jochen Schweizer. Und beim Juni-Event in München? Hier ist noch ein Fragezeichen. Oder besser: wieder.

Denn eigentlich sollte Uli Hoeneß als hochkarätiger Gast sprechen. Hoeneß war früher Fußballprofi, später Manager der Rekordmeisters Bayern München und als Unternehmer in der Fleischbranche tätig. Und er wurde 2014 wegen Steuerhinterziehung im Millionen-Bereich verurteilt, verbüßte eine Haftstrafe. Wieso soll Hoeneß auf einer Fachmesse der Steuerbranche sprechen?

Einvernehmlich abgesagt

Die Organisatoren betonen: Es gehe bei der Veranstaltung um unternehmerische Belange. "Steuerstrafrechtliche Themen sind ausdrücklich nicht Gegenstand der Veranstaltung", erklärte der Veranstalter auf Anfrage dieser Redaktion. Hoeneß sei ebenso wie Aytekin und Schweizer eingeladen worden, "um über wichtige Aspekte des Unternehmerdaseins zu sprechen. Hier geht es um Fragen wie Mitarbeitermotivation, Entscheidungsstärke und Unternehmertum im Allgemeinen."

Themen, zu denen Hoeneß aus Sicht der Veranstalter gerade aufgrund seiner langjährigen Unternehmer-Erfahrung viel hätte sagen können. Hätte - denn mittlerweile sei der Auftritt der Fußball-Ikone abgesagt worden. Einvernehmlich, heißt es. Durch die Diskussionen um seine Person seien die eigentlichen Inhalte der "StB Expo" in den Hintergrund geraten. "Durch diese Entscheidung stellen wir sicher, dass das Interesse wieder einzig und allein auf die Messe sowie auf die dort präsentierten Produkte und Dienstleistungen gerichtet wird." Einen neuen Top-Speaker wolle man zeitnah vorstellen. Ob den Veranstaltern ein ähnlicher PR-Coup gelingt, ist noch offen.

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