Gütersloh. Bertelsmann als Ostwestfalen-Lippes größter Konzern baut seine Stellung als Primus der Region weiter aus. Während andere Premiummarken in OWL mit dem einen oder anderen Problem kämpfen – Oetker mit der Aufspaltung, Miele mit Lieferkettenproblemen –, setzen die Gütersloher ihren Wachstumskurs unbeirrt fort. Von Corona-Krise ist kaum etwas zu spüren. Stattdessen gibt es Rekordwerte reihenweise.
Vorstandschef Thomas Rabe spricht von einem „erfreulichen ersten Halbjahr 2021" und stapelt damit tief. Der Konzernumsatz lag mit 8,7 Milliarden Euro gut 10 Prozent über dem Vorjahreszeitraum. Auch das Niveau aus der Zeit vor der Pandemie habe man übertroffen. Das operative Ergebnis (Ebitda) erreichte in den ersten sechs Monaten mit 1,4 Milliarden Euro einen neuen Rekordwert. Die stärksten Ertragssäulen sind die RTL Group, Penguin Random House und Arvato. Allerdings fallen auch Verkäufe mit in diesen Wert. Bereinigt betrug er rund 600 Millionen Euro.
Die Ergebnismarge lag bei 16,3 Prozent (12,7 im Vorjahreszeitraum). „Wenn ich 20 Jahre zurückblicke, dann sehe ich, welchen Erfolgsweg Bertelsmann genommen hat", sagt Rabe. Damals habe die Marge zwischen 5 und 6 Prozent gelegen. Als „sensationell" bezeichnete der Konzernlenker, dass auch das einstige Sorgenkind Arvato inzwischen bei 16,4 Prozent Ergebnismarge liege.
Die Gütersloher machen keinen Hehl daraus, wohin ihre Strategie führt. Sie wollen die Position als Europas größter Medienkonzern ausbauen, um im Wettbewerb mit den globalen Tech-Giganten zu bestehen. Allerdings mit einer anderen Methode. „Wir haben eher kein globales Geschäftsmodell", sagt Thomas Rabe: „Wir arbeiten länderbezogen und wollen nationale Media-Champions schaffen. Alles andere ist Träumerei und dazu neigen wir hier nicht." Gemeint sind vor allem die US-Giganten wie Google, Amazon und Co, deren Umsätze ein Vielfaches von dem betragen, was Bertelsmann erreicht.
Der Streamingdienst TV Now legt kräftig zu
Im TV-Markt ist der Konzern äußerst erfolgreich, Fusionen in Frankreich und den Niederlanden sollen die Rolle als Platzhirsch dort festigen. Die RTL-Gruppe spürt das Anziehen der Werbemärkte deutlich. „In Deutschland haben wir vor allem in Streamingmarkt zugelegt", so Rabe. TV Now habe nun mehr als 2 Millionen zahlende Abonnenten. Ziel seien bis 2025 mehr als 5 Millionen in Deutschland und den Niederlanden. „Wir wollen der mit Abstand größte deutsche Anbieter werden." US-Konkurrent Netflix kommt hierzulande auf 10,9 Millionen Abonnenten, Prime Video auf 14,6 Millionen.
Die nächsten Wachstumsschritte sind bereits eingeleitet. In der englischsprachigen Welt will Bertelsmann den Verlag Simon und Schuster übernehmen. Die britischen Kartellbehörden haben das bereits genehmigt. „Mit der Entscheidung in den USA rechnen wir im zweiten Halbjahr." Offen ist noch, ob die Call-Center-Tochter Majorel tatsächlich an die Börse gehen soll, wie Gerüchte besagen. Hier gebe es noch keine Entscheidung, betonte Thomas Rabe. Eilig haben dürfte man es nicht: Die Investmentkapazitäten des Konzerns seien hoch.
Im Großraum Gütersloh arbeiten 10.500 Menschen für Bertelsmann. Es könnten noch mehr sein , aber „wir finden leider nicht ausreichend qualifiziertes Fachpersonal derzeit", so Personalvorstand Immanuel Hermreck. Zufrieden ist er mit dem Verlauf der Impfaktion. Das konzerneigene Impfzentrum habe 6.000 Impfungen vorgenommen. Aktuell ist es nicht in Betrieb, Impfungen erfolgen über die Praxen der Betriebsärzte.
INFORMATION
Die Umsätze der Tech-Giganten
- Alphabet (Google): 182,53 Milliarden US-Dollar in 2020
- Apple: 274,5 Milliarden US-Dollar in 2020
- Microsoft: 168 Milliarden US-Dollar für 2021 gemeldet
- Facebook: 85,97 Milliarden US-Dollar in 2020
- Amazon: 386 Milliarden US-Dollar in 2020
- Alibaba: 109,5 Milliarden US-Dollar für 2020/21
- Bertelsmann: 17,3 Milliarden Euro (umgerechnet 20,4 Milliarden US-Dollar) in 2020