1,5 Milliarden Euro

Bertelsmann meldet Ergebnis-Rekord und ist noch lange nicht satt

Der Medienkonzern erreicht beim Gewinn vor Steuern und Abschreibungen eine Bestmarke. Ein Baustein ist ein früherer US-Präsident.

Führen Bertelsmann: Vorstandschef Thomas Rabe (l.) und Finanzvorstand Rolf Hellermann. | © Sebastian Pfütze

Martin Fröhlich
30.03.2021 | 30.03.2021, 14:36

Gütersloh. Trotz Pandemie hat der Bertelsmann-Konzern im Geschäftsjahr 2020 noch einmal ordentlich zugelegt. Die Gütersloher steigerten das Konzernergebnis um 34 Prozent auf etwa 1,5 Milliarden Euro. Basis für diesen Erfolg seien die Qualität des Geschäftsportfolios und der hohe Anteil digitaler Geschäftsmodelle.

Während die werbefinanzierten Geschäfte und die Printgeschäfte Corona-bedingte Einbußen hinnehmen mussten, legten insbesondere das Buchverlags- und die Dienstleistungsgeschäfte deutlich zu, erklärten Vorstandschef Thomas Rabe und Finanzvorstand Rolf Hellermann.

Insgesamt verzeichnete Bertelsmann zwar trotz eines Wertes von 17 Milliarden Euro einen Umsatzrückgang im unteren einstelligen Prozentbereich, wie es heißt. Mit 3,1 Milliarden Euro erzielte der Konzern aber einen Rekordwert beim Operating EBITDA, also dem Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen. Einige Meilensteine prägten das Geschäftsjahr. Dazu gehörten der Vollzug der 100-Prozent-Übernahme von Penguin Random House im April sowie die Ankündigung der Übernahme des US-Traditionsverlags Simon & Schuster im November.

Der Buchbereich als einstige Keimzelle des Konzerns hat sich dabei als Erfolgsfaktor erwiesen. "In der Pandemie lesen die Menschen mehr", so Rabe. Die Umsätze beim gedruckten und elektronischen Buch seien deutlich gestiegen, auch Hörbücher legten zu. Als globaler Bestseller firmiert inzwischen "A promised Land", das Buch des früheren US-Präsidenten Barack Obama. Es verkaufte sich bislang weltweit 7,3 Millionen mal.

Der frühere US-Präsident Barack Obama - sein Buch "A Promised Land" lässt Bertelsmann ebenso strahlen. Es verkaufte sich bereits mehr als 7 Millionen mal. - © Patrick Menzel
Der frühere US-Präsident Barack Obama - sein Buch "A Promised Land" lässt Bertelsmann ebenso strahlen. Es verkaufte sich bereits mehr als 7 Millionen mal. | © Patrick Menzel

Thomas Rabe sagte: „2020 war ein Ausnahmejahr, das wir trotz der Corona-Pandemie mit starken Ergebnissen abgeschlossen haben." Die Umsatzrückgänge hätten vor allem das zweite Quartal mit der ersten Corona-Welle betroffen. "Im zweiten Halbjahr legten nahezu alle Geschäfte wieder zu. Bertelsmann lag im EBITDA erstmals über der Marke von drei Milliarden Euro". Die Eigenkapitalquote sank allerdings von 38,2 Prozent auf 36,1 Prozent. Zugleich baute man Nettofinanzschulden ab. Sie gingen um rund 1,3 Milliarden Euro auf 2,1 Milliarden zurück.

Neben der RTL Group haben die Gütersloher in den letzten Jahren mit Penguin Random House und Arvato zwei "weitere große Ergebnissäulen aufgebaut", so Rabe. Zum sechsten Mal in Folge überschritt das Konzernergebnis die Milliarden-Schwelle, diesmal deutlich mit 1,5 Milliarden Euro. Dazu beigetragen haben auch "Kostenmaßnahmen" sowie Immobilienverkäufe, unter anderem in London und München.

Und der Konzern hat große Pläne: "Wir wollen in den nächsten fünf Jahren weiter stärker wachsen", kündigte Thomas Rabe an. Dafür hat er fünf Wachstumsmärkte benannt: nationale Media-Champions wie die RTL Group, globale Inhalte im Musik- und Buchgeschäft, globale Dienstleistungen mit Arvato, Onlinebildung über die Bertelsmann Education Group und den Ausbau von Beteiligungen. Dabei setzt man im Mediengeschäft auf eine Offensive im Streamingbereich. "Wir wollen im Wettbewerb mit den US-Plattformen bestehen", sagte Thomas Rabe.

Der Anteil des digitalen Bereichs am Geschäftsmodell ist weiter gewachsen und liegt jetzt bei 53 Prozent. Für das laufende Jahr rechnen Rabe und Hellermann erneut mit einem Konzernergebnis von mehr als einer Milliarde Euro. "Wir sind breit aufgestellt und das hilft in Zeiten gewisser Unsicherheiten durch die Pandemie", erklärte Hellermann.

Der Konzern beschäftigt nach eigenen Angaben rund 133.000 Menschen weltweit (+7.000), 40.000 davon in Deutschland. Am Standort Gütersloh sind es etwa 11.000.

INFORMATION


Bertelsmann ist auch in die Bekämpfung der Corona-Pandemie involviert. So nutzt das Land Niedersachsen für die Vergabe von Impfterminen ein Online-Terminmanagementsystem der Konzerntochter Arvato Systems. In Frankreich sorgen die Gütersloher für die flächendeckende Verteilung des Impfstoffs über die Arvato Supply Chain Solutions.