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Viele Maschinen der Lufthansa, die derzeit nicht eingesetzt werden, sind am Fraport, dem Heimatflughafen der Lufthansa geparkt. - © picture alliance
Viele Maschinen der Lufthansa, die derzeit nicht eingesetzt werden, sind am Fraport, dem Heimatflughafen der Lufthansa geparkt. | © picture alliance

Rettungsschirm Neun Milliarden Euro für die Lufthansa vom Staat

Die Fluglinie erhält Mittel von der Regierung und wird dadurch etwas staatlicher.

Finn Mayer-Kuckuk
21.05.2020 | Stand 21.05.2020, 14:27 Uhr

Berlin. Für Deutschlands große Fluglinie naht die Rettung vor der Corona-bedingten Insolvenz: Lufthansa und Bundesregierung haben die Eckpunkte für ein milliardenschweres Rettungspaket festgelegt. Das Unternehmen bestätigte am Donnerstag „fortgeschrittene Gespräche" über die Hilfen. Der Staat würde demnach neun Milliarden Euro in die Airline investieren und dafür erstmals seit 23 Jahren wieder Anteilseigener werden.

Am Mittwochabend hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel eine baldige Einigung angekündigt. Damit enden acht Wochen des Ringens um den richtigen Weg zur staatlichen Rettung des Großkonzerns. Die Manager des Unternehmens wollten staatlichen Einfluss möglichst vermeiden, damit Politiker nicht künftig in geschäftlichen Fragen mitreden können. Es bleibt ihnen aber derzeit keine andere Wahl, als die Hilfe der Regierung anzunehmen.

Es geht um Arbeitsplätze und Infrastruktur

Bei der Rettung der Lufthansa geht es nicht nur um den Erhalt eines deutschen Prestigeunternehmens, sondern auch um wertvolle Arbeitsplätze und um wichtige Infrastruktur.

Das neue Coronavirus hatte einen anderthalb Jahrzehnte langen Boom der Luftfahrt abrupt beendet. Mit den Reisebeschränkungen ist der Flugverkehr im März und April um 80 Prozent eingebrochen, wie der Weltverband der Luftfahrtbranche IATA mitgeteilt hat. Die IATA erwartet in diesem Jahr einen Rückgang des Ticket-Verkaufs um gut die Hälfte und damit einen Ausfall an Einnahmen in Höhe 300 Milliarden Euro.

Die Krise trifft alle Anbieter gleichermaßen

Anders als bei regionalen oder selbstverschuldeten Krisen trifft das alle Anbieter gleichermaßen. IATA-Generaldirektor Alexandre de Juniac erwartet auch nach dem Ende der Pandemie nur eine schleppende Erholung. Das entspricht einer aktuellen Einschätzung der Lufthansa: Auch im kommenden Jahr werden noch gruppenweit noch 300 von 760 Flugzeugen am Boden bleiben. Erst für 2023 erwartet das Unternehmen, die Krise hinter sich zu lassen.

Einen Schock mit derartigen Langzeitfolgen verkraftet kein Unternehmen. Das Überleben von ohnehin angeschlagenen Fluglinien steht durchweg in Frage. Norwegian Airlines oder Alitalia waren schon vor der Krise in Geldnot und drohten, dem Weg von Thomas Cook Aviation, Jet Airways oder Adria Airways in die Pleite zu folgen. Ein wenig kommt die Krise für sie nun als Erleichterung, denn plötzlich sind die Regierungen großzügig mit Staatshilfe.

Andere Namen müssen nun grummelnd Hilfe akzeptieren, die sie vor Corona nie gewollt hätten: Die Lufthansa, ihr US-Konkurrent Delta Airlines oder ihr asiatischer Partner Singapore Airlines gehörten zu den profitabelsten Vertretern der Branche. Doch immerhin stehen hier die Retter bereit. Wer keine zahlungskräftige Regierung im Rücken hat, rutsche nun unausweichlich in die Zahlungsunfähigkeit – beispielsweise Virgin Australia, deren Schuldenstand auf fast sieben Milliarden Dollar hochgeschnellt ist.

Regierung hat theoretisch Mitspracherecht bei dem Unternehmen

Die Kapitalspritze für die Lufthansa kommt zum größten Teil vom Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) der Regierung. Dieser kauft dazu Aktien, die das Unternehmen neu ausgibt. Theoretisch gibt das der Regierung die Mitspracherechte, die jeder Großaktionär genießt. Diese können über die Besetzung der Konzernspitze mitentscheiden und strategische Impulse vorgeben. Der Staat gelobt jedoch Zurückhaltung: „Der WSF beabsichtigt, die mit den Aktien verbundenen Stimmrechte insgesamt nur in Ausnahmefällen wie dem Schutz vor einer Übernahme auszuüben", heißt es in der Mitteilung der Lufthansa. Zudem erhält die Airline einen günstigen Kredit der Förderbank KfW über drei Milliarden Euro. Damit entfaltet sich jetzt im Wesentlichen das Szenario, das sich das Management gewünscht hat.

Der WSF soll der Lufthansa im nächsten Schritt ein offizielles Angebot unterbreiten. Dann werden der Vorstand und der Aufsichtsrat der Lufthansa darüber entscheiden. Finanzminister Olaf Scholz hat den WSF Ende März ins Leben gerufen. „Mit dem Fonds verschaffen wir uns die nötige Finanzkraft, unsere Volkswirtschaft, Arbeitsplätze und große deutsche Unternehmen zu schützen", sagte Scholz. Damit war das nötige Instrument für die Lufthansa-Rettung vorhanden. Der WSF soll zunächst nur bis Ende kommenden Jahres aktiv sein. Was danach mit den Lufthansa-Anteilen passiert, ist noch nicht geklärt.

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