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Fast ein Drittel der Azubis sieht in den Betrieben gravierende Mängel. - © picture alliance
Fast ein Drittel der Azubis sieht in den Betrieben gravierende Mängel. | © picture alliance

Umfrage zur Zufriedenheit DGB-Ausbildungsreport: Ansprüche der Azubis steigen

"Lehrjahre sind keine Herrenjahre" – mit dem alten Spruch werden Auszubildende heute noch zu häufig abgespeist, kritisiert der Deutsche Gewerkschaftsbund NRW.

Florian Pfitzner
04.12.2019 | Stand 04.12.2019, 18:49 Uhr

Düsseldorf. Jeder dritte Azubi kann sich in der Freizeit kaum entspannen. Nur rund 37 Prozent dürfen von ihrer Übernahme im Betrieb ausgehen. Genauso viele werden regelmäßig zu Überstunden aufgefordert. Einige Ergebnisse einer Gewerkschaftsbefragung, die ahnen lassen, warum die Zufriedenheit der nordrhein-westfälischen Auszubildenden mit ihrer Lehre auf den bislang schlechtesten Wert gesunken ist. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hat in Düsseldorf seinen Ausbildungsreport 2019 vorgestellt. Demnach zeigt sich das Gros der landesweit 5.000 befragten Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit der Qualität ihrer Ausbildung zufrieden. Zugleich bescheinigt allerdings nahezu ein Drittel der Azubis ihren Betrieben gravierende Mängel – vor allem in der Gastronomie, unter Hotelfachleuten und Friseurkräften. Überaus zufrieden mit ihrer Ausbildung zeigen sich dagegen Verwaltungsfachangestellte, Elektronikerlehrlinge und Bankkaufleute. "Azubis sind keine billigen Arbeitskräfte" Grundsätzlich werden Berufsanfänger nach dem Geschmack der Gewerkschaft noch immer zu oft mit dem Spruch "Lehrjahre sind keine Herrenjahre" vertröstet – und das in Zeiten des Fachkräftemangels. Mit 67,9 Prozent sei die schlechteste Quote an Zufriedenheit seit Beginn der Erhebungen vor zwölf Jahren erreicht worden, warnte der Jugend-Gewerkschaftssekretär des DGB NRW, Eric Schley. In kaufmännischen und medizinischen Berufen blieben die meisten Stellen offen, genauso unter Bäckern und Köchen. Wer schlecht bezahlt oder schlecht betreut wird, schmeißt eher hin. In Friseur-, Koch-, Maler- und Lackiererberufen bricht fast jeder zweite Azubi die Lehre ab, sagte Schley. Übertragen auf die 25 häufigsten Ausbildungsberufe beende im Durchschnitt nur jeder Vierte die Lehre vorzeitig. "Azubis sind keine billigen Arbeitskräfte, sondern im Betrieb, um zu lernen", mahnte die DGB-Vorsitzende Anja Weber. Insofern sei der Fachkräftemangel "in einigen Berufen hausgemacht". Arbeitgeber sehen ein "großes Kompliment" Arbeitgebervertreter heben lieber diejenigen hervor, die sich mit ihrer Ausbildung zufrieden zeigen. Der Verband Unternehmer NRW wertete die Ergebnisse der Befragung entsprechend als "großes Kompliment für die hochwertige Ausbildung der Unternehmen". Angesprochen auf die leicht aber konstant rückläufige Zufriedenheit der Azubis sagte eine Sprecherin, die sogenannte Generation Z gehe anspruchsvoller in die Ausbildung als frühere Jahrgänge. Sie verlange ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Ausbildung und Freizeit. Das Angebot an Lehrstellen unterscheidet sich regional. "In Siegen ist das Potenzial an verfügbaren Plätzen doppelt so hoch wie in Gelsenkirchen", sagte Weber. Generell bilde nur ungefähr ein Fünftel der Betriebe in NRW überhaupt aus. Zum Ende des Berichtsjahres hatten die Arbeitsagenturen laut DGB-Report nur noch 10.000 freie Ausbildungsplätze für 21.000 Bewerber. In nur fünf von 30 Arbeitsagenturen gebe es genügend Auswahl. Unternehmer NRW sieht hingegen zu wenig Bewerber. "Eigentlich geht die Rechnung auf", so die Sprecherin. Die offenen Stellen wertete sie als "deutliches Warnsignal". Große Ungleichheiten zeigen sich auch im Tarifregister der Vergütungen. Während Friseure im ersten Lehrjahr nur rund 540 Euro im Monat bekommen, gibt es in der Chemischen Industrie und für angehendes Pflegepersonal im öffentlichen Dienst des Landes über 1.000 Euro.

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