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Den Transport von Stahl auf möglicht kurzen Wegen von A nach B organisieren: So lautet das Geschäftskonzept von "R+R Eisenkontor". - © Jan-Henrik Gerdener
Den Transport von Stahl auf möglicht kurzen Wegen von A nach B organisieren: So lautet das Geschäftskonzept von "R+R Eisenkontor". | © Jan-Henrik Gerdener

Gründung Warum sich dieses Bielefelder Unternehmen nach Jahren noch als Start-Up sieht

"R + R Eisenkontor" versorgt die OWL-Industrie seit sechs Jahren mit Stahl. Was andere Gründer von dem Unternehmen lernen können.

Jan-Henrik Gerdener
07.11.2019 | Stand 08.11.2019, 19:32 Uhr

Bielefeld. Matthias Ruberg arbeitet mit Stahl, sitzt aber gelassen an seinem Schreibtisch. Denn seine Firma „R+R Eisenkontor" stellt Stahl nicht her und verwendet ihn auch nicht, sondern organisiert den Transport des Werkstoffes vom Anbieter zum Kunden – meist ohne Lagerung oder Zwischenlagerung. „Wir wollen die Wege möglichst kurz halten, um nicht unnötig Energie zu verbrauchen. Das kommt auch dem Klima zu Gute", sagt Ruberg. Mit dieser innovativen Idee brachten er und sein Kollege Marco Rudorf ihr Start-Up 2013 an den Markt. Mittlerweile macht die Bielefelder Firma mit nur zehn Mitarbeitern acht Millionen Euro Umsatz im Jahr – und das in schwierigen Zeiten für Stahl. Denn auch in OWL „werden die Nachwirkungen jedes Trump-Tweets gespürt", so Ruberg. Jungunternehmern rät er, im Start-Up-Fieber nicht die Langfristigkeit ihres Unternehmens aus den Augen zu verlieren und sich auf psychische Belastungen einzustellen. Der Weg zum eigenen Start-Up  „Eigentlich ist Stahl immer in der Krise", sagt Ruberg und schmunzelt. „Die Intervalle von guten und schlechten Zeiten sind mittlerweile so nah beieinander, dass es sich manchmal tagtäglich abwechselt." Trotzdem hat es ihn in die Stahlbranche gezogen. Denn im elterlichen Stahlunternehmen war er bereits für diese Werkstoffe zuständig. Bei der Existenzgründung des „R+R Eisenkontors" wurde aus dieser Tätigkeit das Geschäftsmodell. Nun beliefern sie Industrie Handwerk, aber auch Kommunen. Obwohl es das Unternehmen seit schon sechs Jahren gibt, sehen sie sich immer noch als Start-Up. „Es zeigt sich eigentlich erst nach zehn Jahren, ob sich ein Unternehmen etabliert. Erst dann sind alle Höhen und Tiefen überstanden und man hört wirklich auf, Start-Up zu sein", sagt der Geschäftsführer. Seine persönliche Begriffs-Definition für Start-Ups liegt damit zwar einige Jahre über der einiger Kollegen, doch es ist nicht unüblich, dass Firmen auch nach Jahren noch als Start-Up gelten. „Viele junge Unternehmer denken gar nicht langfristig. Da ist dann oft nach zwei Jahren Schluss, weil sie von der fälligen Steuer überrascht werden oder ähnliches." Die emotionale Seite wird oft unterschätzt Doch nicht nur die finanzielle Seite des Geschäftes überfordert viele Start-Ups. Auch die emotionale Seite wird oft unterschätzt. „Wenn mir jemand sagen würde, er möchte ein eigenes Unternehmen gründen, würde ich ihn erst bitten zum Psychologen zu gehen und die eigene Belastbarkeit untersuchen zu lassen", sagt Ruberg. „Denn man muss emotional absolut gefestigt sein. Auch das soziale Umfeld sollte stabil sein. Denn der Druck ist enorm und liegt nur auf den eigenen Schultern." Auf die bisherigen sechs Jahre vom R+R Eisenkontor blickt Ruberg zwar positiv zurück, die nächsten vier Jahre sind aber auch für ihn schwer abzusehen. Gerade in Zeiten, in denen ein einziger Tweet von einem Erdogan oder Trump einen Handelskrieg nach sich ziehen kann, sei das Stahlgeschäft sehr unvorhersehbar. Doch Ruberg ist trotzdem optimistisch: „Das Wichtigste ist, zu versuchen, eine Kontinuität zu bewahren und von Jahr zu Jahr die diversen Aspekte des Geschäftes auszuloten."

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