0
Fluggäste bekommen Hilfe bei der Durchsetzung ihrer Rechte. - © picture alliance
Fluggäste bekommen Hilfe bei der Durchsetzung ihrer Rechte. | © picture alliance

Mühsamer Kampf Hilfe für Fluggäste bei der Durchsetzung ihrer Rechte

Von Verspätung, Überbuchung oder Ausfällen betroffene Kunden erhalten aber immer mehr Hilfestellung.

Wolfgang Mulke
30.10.2019 | Stand 30.10.2019, 20:14 Uhr

Berlin. Der Urlaub im November auf den Kanaren schien für Dominik B. ein Schnäppchen zu werden. 140 Euro kostete das Flugticket bei EasyJet, hin und zurück versteht sich. „Der Preis war absurd", sagt der Freiburger. Ende August teilte die Airline ihm dann auch mit, dass der Flug annulliert worden sei. „Wahrscheinlich war das Angebot nicht wirtschaftlich", vermutet er. Nach seinen Angaben erstattete EasyJet den Ticketpreis zwar. Doch bisher nur für den Hinflug. Verspätet und ohne Gepäck Geduld gehört für Flugreisende, bei deren Buchung etwas schief läuft, immer wieder dazu. Rita R. Wollte beispielsweise nach Sansibar reisen. Erst am Flughafen Stuttgart wurde ihr mitgeteilt, dass der Flug über Nairobi umgeleitet wird. Die Ankunft auf der afrikanischen Insel verspätete sich um drei Stunden und sie saß zunächst auch ohne Gepäck da. Ihren Antrag auf Entschädigung bestätigte die Fluggesellschaft umgehend. 1.200 Euro wurden ihr zugesagt. Nur sollte sie das Geld am Schalter der Airline am Flughafen abholen. Dort hieß es dann aber, der Betrag werde innerhalb der nächsten drei Wochen überwiesen. Rein rechtlich verhalten sich beide Unternehmen korrekt. Ärger erzeugt die Entschädigungspraxis trotzdem, zum Beispiel durch den erfolglosen Extratrip zum Flughafen. Bitter kann es auch werden, wenn bei einem annullierten Flug kein passender Ersatz gefunden wird, und ein bereits gebuchtes Hotel bezahlt werden muss. Die Airline haftet nur für den Flug Reserviert der Kunde oder die Kundin nach der Flugbuchung über das Internetportal der Fluggesellschaft gleich noch das Zimmer dazu, schnappt schnell eine Falle zu. Die Airline haftet nur für den Flug, nicht jedoch für die Kosten einer womöglich durch die Annullierung nicht mehr benötigte Herberge. „Die Airline haftet nicht wie ein Reiseveranstalter", erläutert Gabriele Zeugen von der Bremer Verbraucherzentrale, „sie ist nur Vermittler." Derlei Fälle kommen nach Erfahrung der Juristin häufig vor. Die meisten Urlauber wissen mittlerweile, dass sie bei Verspätungen, fehlgeleitetem Gepäck oder überbuchten Flügen Ansprüche auf Schadenersatz zwischen 250 Euro und 600 Euro haben. Doch mit der Durchsetzung der Forderung tun sich weiterhin viele Kunden schwer. Neue App soll Verbrauchern helfen Eine große Hilfe dabei hat jetzt die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen herausgegeben. Ab sofort können die Reisenden per App gleich am Flughafen mit dem Smartphone aktiv werden. „Zwar kann die App keinen Ersatzflug herbeizaubern", sagt die Verbraucherministerin des Landes, Ursula Heinen-Esser, „aber mit ihr können gebeutelte Passagiere mit nur ein paar Klicks ihre potenziellen Entschädigungsansprüche prüfen und geltend machen." „Flugärger" heißt die App, die entweder über die Webstores für die Betriebssysteme IOS und Android oder über die Internetseite der Verbraucherzentrale  kostenlos abgerufen werden kann. Mithilfe weniger Eingaben wie der Flugnummer und Airline, sowie des konkreten Ärgers, prüft das Programm etwaige Ansprüche. Liegen welche vor, erzeugt die App gleich das passende Anschreiben mit der richtigen Adresse an die Fluggesellschaft. Per Mail können die Nutzer ihre Forderungen dann gleich an die zuständige Stelle weiterleiten. Rein rechtlich können sich Verbraucher und Verbraucherinnen Zeit lassen. Erst nach drei Jahren verjähren die Schadenersatzansprüche aus Fluggastrechten. Eine ärgerliche Lücke Auch wenn die EU die Fluggastrechte schon weitgehend geregelt hat. Eine ärgerliche Lücke gibt es noch, wie der Fall Condor zeigt, die in den Strudel der Pleite ihrer Muttergesellschaft Thomas Cook geriet und wohl nur durch einen Staatskredit wieder auf die Beine kommt. Im Gegensatz zu den Veranstaltern von Pauschalreisen müssen Fluggesellschaften keine Insolvenzversicherung für die Fluggäste abschließen. Verbraucherschützern ist das ein Dorn im Auge. „Wir fordern auch bei Buchungen von einzelnen Flügen eine Insolvenzsicherung", sagt Expertin Zeugen. Das Bundesjustizministerium will sich in der EU auch für eine entsprechende Neuregelung einsetzen. Wer auf eigene Faust nicht zu seinem Recht kommt, dem bleiben noch zwei andere Wege. So vermittelt die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr (SÖP). An die Schlichter können sich nicht nur Flugreisende wenden, wenn es Ärger mit ihrem Anbieter gibt. Die Einrichtung, der alle wesentliche Fluglinien beigetreten sind, hält auch ein Online-Beschwerdeformular bereit. Rechtsdienstleister im Internet Noch relativ jung sind Rechtsdienstleister im Internet wie das Unternehmen flightright.de. In erfolgsversprechenden Fällen treiben die Potsdamer Entschädigungsansprüche ein. Der Service an sich in kostenlos. Im Erfolgsfall behält Flightright aber einen Teil des Schadenersatzes als Provision ein. Nach Firmenangaben sind es in der Regel zwischen 20 Prozent und 30 Prozent der Summe. Wird der Streit erst vor Gericht zu Gunsten des Kunden entschieden, kommen eventuell noch einmal 14 Prozent Anwaltskosten dazu. Der Service von Rechtsdiensten erfreut sich anscheinend einer wachsenden Beliebtheit. „2019 haben wir bislang fast 41.000 Klagen allein in Deutschland eingereicht", teilt das Unternehmen auf Anfrage mit. Ein Grund sei, dass die Airlines nach dem Chaossommer 2018 hinsichtlich Entschädigungsforderungen mit einer deutlich rigoroseren Ablehnungstrategie reagiert hätten. Auch der Deutsche Richterbund kürzlich ein rasant wachsende Zahl an Klagen gegen Airlines fest, die auf jenes noch junge Angebot zurückgeht. Ob es dies noch lange gibt, wird sich im November zeigen. Dann wird der Bundesgerichtshof feststellen, ob diese Art Verbraucherhilfe auch rechtens ist.

realisiert durch evolver group