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Die Listerien werden verglichen, um Rückschlüsse auf ihre Herkunft zu ziehen. - © picture alliance/AP Photo
Die Listerien werden verglichen, um Rückschlüsse auf ihre Herkunft zu ziehen. | © picture alliance/AP Photo

Keime in Wurst Ermittlungen gegen Wilke-Chef - Listerien auch in Niedersachsen entdeckt

Bei drei Personen wurde ein Listerientyp festgestellt, der mit dem hessischen Wursthersteller Wilke zusammenhängen könnte.

08.10.2019 | Stand 09.10.2019, 06:42 Uhr

Hannover. Die mit Keimen belasteten Wurstwaren der hessischen Firma Wilke haben möglicherweise auch in Niedersachsen Krankheiten verursacht. Ein Sprecher des Landesgesundheitsamtes sagte am Dienstag, insgesamt seien drei Fälle bekannt, in denen ein Listerientyp nachgewiesen wurde, der mit hoher Wahrscheinlichkeit im Zusammenhang mit dem hessischen Wurstbetrieb stehe. Die Keime seien genetisch eng mit den Listerien verwandt, die in den Waren der Firma Wilke nachgewiesen wurden. Zuvor hatte der Norddeutsche Rundfunk über die Listerienfälle in Niedersachsen berichtet. Gegen den Wilke-Geschäftsführer wird ermittelt Inzwischen hat die Staatsanwaltschaft Kassel ein Ermittlungsverfahren wegen des Anfangsverdachts der fahrlässigen Tötung gegen den Geschäftsführer der Wilke Waldecker Fleisch- und Wurstwaren GmbH eingeleitet. Die Waren des Herstellers werden mit zwei Todesfällen in Südhessen sowie 37 weiteren Krankheitsfällen wegen keimbelasteter Wurst in Verbindung gebracht. Die Ermittlungen liefen auch wegen des Anfangsverdachts der fahrlässigen Körperverletzung und des Verstoßes gegen das Lebensmittel- und Futtergesetzbuch, sagte ein Sprecher der Behörde am Dienstag in Kassel. Das Verfahren sei aufgrund der Strafanzeige des Landkreises Waldeck-Frankenberg eingeleitet worden. Gegenstand des Verfahrens sei vor allem die Untersuchung der zwei Todesfälle, die mit einer Listerieninfektion in Verbindung stehen sollen, erklärte die Staatsanwaltschaft. Drei Kranke und zwei Todesfälle in Niedersachsen Die drei in Niedersachsen erkrankten Menschen sind laut Landesgesundheitsamt zwischen 50 und 90 Jahre alt. Zwei von ihnen sind gestorben - einer von ihnen starb an einer anderen Erkrankung, bei der zweiten Person habe nicht ermittelt werden können, ob die Listeriose-Erkrankung die Todesursache war. Zwei der Fälle sind im Frühjahr 2019 ermittelt worden, der andere Fall stammt aus dem vergangenen Jahr. „Ob die drei Menschen auch Wurst der Firma Wilke gegessen haben, wissen wir nicht", sagte der Sprecher. Erregertypen werden bundesweit verglichen Listeriose-Erkrankungen sind meldepflichtig. Bei der Behandlung wird auch der Typ des Erregers festgestellt. Über einen bundesweiten Abgleich der Erregertypen stellt das Robert-Koch-Institut Zusammenhänge zwischen verschiedenen Erkrankungen fest, wenn sie auf den gleichen Listerien-Typ zurückgehen. Es werden auch Nachforschungen über die Quelle der Listerien angestellt. „Die Auswertung hat das Robert-Koch-Institut gemacht, man ist darüber auf diesen Hersteller gekommen", sagte der Sprecher des Landesgesundheitsamtes. Übeträger sind meist Lebensmittel Listeriose wird durch Bakterien verursacht, die meist über verunreinigte Lebensmittel in den Körper kommen. Die Erkrankung äußert sich mit Fieber, Hals- und Bindehautentzündungen, Durchfall und Bauchschmerzen. Bei älteren Menschen oder Personen mit geschwächtem Immunsystem, auch bei Schwangeren und Neugeborenen, ist Listeriose lebensgefährlich. Diagnostiziert wird eine Infektion mit Hilfe von Blut- und Urintests, eine Therapie erfolgt vor allem mit Antibiotika. Bei frühzeitiger Erkennung ist die Krankheit normalerweise heilbar. Listeriose-Zahlen aus Niedersachsen In Niedersachsen gab es laut Zahlen des Landesgesundheitsamtes im vergangenen Jahr 52 Listeriose-Erkrankungen und 10 Todesfälle. 2017 waren es 73 Erkrankungen und 10 Todesfälle. 2016 waren 80 Menschen erkrankt, 3 starben. Im Jahr 2015 erkrankten in Niedersachsen 36 Menschen bei 6 Todesfällen. Wilke ruft Wurstwaren zurück In welchem Umfang Ware von Wilke nach Niedersachsen geliefert wurde, sei derzeit nicht zu beantworten, sagte eine Sprecherin des niedersächsischen Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (Laves). Der Hersteller habe sämtliche Produkte zurückgerufen, die Lieferlisten umfassten mehr als 1000 Betriebe. „Alle niedersächsischen Landkreise sind betroffen", sagte die Laves-Sprecherin. Die Landkreise seien im Moment vollauf damit beschäftigt, den Rückruf der Produkte zu überwachen. Die Ware sei nicht nur an den Lebensmitteleinzelhandel gegangen, sondern auch an Großhändler, Kliniken, Pflegeheime oder Cateringfirmen. Rückruf-Ware kann zu Hundefutter verarbeitet werden Wenn ein Großhändler betroffen sei, ziehe das weitere Kreise, denn es müsse ermittelt werden, wer von diesem wiederum beliefert wurde. Die Liste der betroffenen Produkte sei „endlos lang" und die Behörden müssten Unmengen von Produkten und Abnehmern nachspüren. „Alle Landkreise sind seit Mittwochabend dabei, diese Rückrufe zu bearbeiten." Aus dem Lebensmittelhandel zurückgerufene Ware muss laut Laves vernichtet werden. Ware, die an Zwischenhändler oder andere Lebensmittelhersteller ging, müsse rechtlich nicht unbedingt vernichtet werden. Sie könne auch durch Erhitzen unschädlich gemacht und etwa zu Hundefutter verarbeitet werden. Als Lebensmittel für Menschen dürfe sie aber nicht mehr verwendet werden, sagte die Laves-Sprecherin.

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