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Bei der Arbeit: Egal welches Gewerbe - vor Aufträgen können sich Handwerker aktuell kaum retten. - © pixabay
Bei der Arbeit: Egal welches Gewerbe - vor Aufträgen können sich Handwerker aktuell kaum retten. | © pixabay

Herbst-Konjunktur Volle Auftragsbücher: 13 Wochen Warten auf den Handwerker

Das Thema Klimaschutz ist durch die „Fridays-for-Future“-Bewegung auch im Handwerk in den Mittelpunkt gerückt

Katharina Thiel
26.09.2019 | Stand 26.09.2019, 20:07 Uhr

Bielefeld. Handwerker sind gefragt - doch Zeit haben sie keine. Denn obwohl sich die Betriebe vor Aufträgen kaum retten können, verfügen sie nicht über genügend Fachkräfte, um sowohl private als auch gewerbliche Kunden schnell zufrieden zu stellen. Zu diesem Ergebnis kommt die Handwerkskammer in ihrem aktuellen Konjunkturbericht für den Herbst 2019. Insgesamt 1.402 Betriebe aus sieben verschiedenen Gewerbegruppen haben dafür an einer Umfrage teilgenommen. "Der bislang stärkste Konjunkturzyklus des OWL-Handwerks setzt sich fort, wenngleich auch auf leicht schwächerem Niveau", sagt Peter Eul, Präsident der Handwerkskammer. 62 Prozent der Unternehmen bewerten ihre Geschäftslage als gut und nur sechs Prozent sind unzufrieden. Allerdings sind die Erwartungen an die Zukunft verhaltener als im Vorjahr: 25 Prozent erwarten eine bessere Ausgangslage; im Jahr 2018 waren das noch 34 Prozent. Das wirkt sich auf den Geschäftsklimaindikator (GKI) aus: Er sinkt um acht Punkte auf 134 Punkte. Bau- und Immobilienboom hält an Der anhaltende Bau- und Immobilienboom sorgt dafür, dass vor allem das Bauhauptgewerbe besonders stark ausgelastet ist. Im Vorjahr mussten Kunden noch rund 12 Wochen auf den Maurer, Dachdecker oder Straßenbauer warten. Doch es werden immer mehr: "Wir warten jetzt eine Woche länger auf die Handwerker", sagt Wolfgang Borgert, stellvertretender Hauptgeschäftsführer. Auch beim Maler und Lackierer, Klempner oder Tischler müssen Kunden Geduld haben: 9,4 Wochen insgesamt. Das gleiche gilt für Metall- oder Kälteanlagenbauer. "Lange Wartezeiten der Kunden" "Neben der Bürokratiebelastung ist auch der Fachkräftemangel ein entscheidender Punkt für lange Wartezeiten der Kunden," sagt Eul. Aktuell gebe es noch 11.500 offene Stellen im Handwerk - darunter auch rund 500 Plätze für Auszubildende. "Der Leidtragende ist der Endverbraucher", so der Kammerpräsident. Denn wenn "die Basis" nicht nachrücke, sei niemand da, um die rund 800 Betriebe, die jährlich aus Altersgründen übergeben werden, weiterzuführen. Deshalb will die Kammer in Zukunft auch die Eltern potenzieller Azubis stärker mit einbeziehen und davon überzeugen, dass ihre Kinder vor dem Studium eine Ausbildung absolvieren sollten. Mit der dort erworbenen handwerklichen Erfahrung sei es viel einfacherer, später eine Führungspositionen zu erreichen.

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