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Hoher Besuch: Wirtschaftsminister Peter Altmaier wird von Domink Gross (l.) und Sebastian Borek (Mitte) von der Founders Foundation begrüßt. Verdeckt dahinter Christoph Mohn, Bertelsmann-Aufsichtsratschef und Kuratoriumsmitglied der Bertelsmann Stiftung. - © BARBARA FRANKE
Hoher Besuch: Wirtschaftsminister Peter Altmaier wird von Domink Gross (l.) und Sebastian Borek (Mitte) von der Founders Foundation begrüßt. Verdeckt dahinter Christoph Mohn, Bertelsmann-Aufsichtsratschef und Kuratoriumsmitglied der Bertelsmann Stiftung. | © BARBARA FRANKE

Bielefeld Wirtschaftsminister Altmaier von Bielefelder Founders Foundation angetan

29.08.2019 | Stand 29.08.2019, 21:32 Uhr

Bielefeld. Als Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier bei seinem Rundgang durch die Räumlichkeiten der Founders Foundation bei der jungen Mitgründerin des Start-ups Lytt stehenbleibt und sie zu ihrem Geschäftsmodell befragt, da steht Lara von Petersdorff plötzlich im Rampenlicht – umringt von Fotografen und Journalisten. „Wir bieten Mitarbeitern von Unternehmen eine digitale Anlaufstelle für Konflikte am Arbeitsplatz", sagt die 24-Jährige. „70 Prozent der Konflikte bleiben unentdeckt." Betroffene könnten ihr Problem anonym schildern. Das Start-up, das zum Jahresanfang von Hamburg nach Bielefeld umzog und unter dem Dach der Founders Foundation im Goldbeck Forum arbeitet, vermittle per Internet Ansprechpartner. Die Folgen von Mobbing oder sexuellen Übergriffen wie Krankheit, Fluktuation und weniger Produktivität seien teuer („im Schnitt kostet Unternehmen ein Fall 25.000 Euro") und schädigten das Image. "In Bielefeld haben wir Zugang zum Mittelstand" Die ersten Kunden hat Lytt bereits: die Bertelsmann Stiftung und die Deutsche Bahn. „Die Founders Foundation ist ein enorm wichtiges Pflaster", betont die junge Gründerin. „Hier haben wir Zugang zum Mittelstand." Das Netzwerk biete einen guten Austausch und dazu Mentoren, „die helfen, Fehler zu vermeiden". Rund eine Million Euro hat Lytt bereits als Wagniskapital für die Produktentwicklung eingeworben. Altmaier besucht bei seiner Mittelstandsreise durch Niedersachsen, NRW und Sachsen-Anhalt in Bielefeld auch das Bauunternehmen Goldbeck und diskutiert abends in Paderborn mit Spitzenvertretern von Unternehmen, Forschung und dem Spitzencluster It’s OWL. Er zeigt sich von der Founders Foundation und der Innenarchitektur des Goldbeck Forums begeistert. „Die Atmosphäre ist großartig und lädt zum inspiriertem Denken ein. Das ist genau das, was wir in Deutschland brauchen." Es sei ein sehr guter Beweis dafür, „dass sich in Deutschland etwas tut". Dieses Netzwerk von Gründern und Mittelständlern sei bundesweit ziemlich einmalig, sagt der Minister. Deutschland brauche erfolgreiche Mittelständler, denen oft Ressourcen für Innovationen fehlten. Start-ups könnten ihnen bei der Digitalisiering helfen, betont Altmaier in einer Talkrunde mit Sebastian Borek, Mitgründer und CEO der Founders Foundation, Andreas Engelhardt, Chef der Schüco International KG, und Torsten Bendlin, Gründer und CEO des Start-ups Valuedesk. "Die beste Entscheidung meines Lebens" Bendlin hat seinen „Traum" erreicht. Mit Mitte 40 gab der ehemalige Einkaufschef, der bei der Holding des Löhner Küchenherstellers Nolte angestellt war, seinen „gut bezahlten Job" auf und lernte bei der Founders Foundation die beiden Mitbegründer des gemeinsamen Start-ups Valuedesk kennen. „Das war die beste Entscheidung meines Lebens." Das Start-up ist seit zweieinhalb Jahren am Markt, hat 15 Mitarbeiter – und inzwischen namhafte Kunden wie Dr. Oetker, Miele, Dr. Wolff aus OWL und die Hamburger Körber AG mit 2,7 Milliarden Euro Umsatz. „Wir helfen der Industrie, Geld zu sparen", erläutert Bendlin das Geschäftsmodell. Unternehmen würden bei der Digitalisierung beratend begleitet. Dabei gehe es nicht um Stellenabbau, betont der Gründer. „Ich habe die Mc Kinsey lange erlebt." Sparpotenzial sieht er vielmehr in den Beschaffungskosten. „Und die sind größer als die Personalkosten", sagt der 49-Jährige, der bewusst in Bielefeld bleiben will. „Hier ist der beste Platz für B2B-Geschäftsbeziehungen." Viele Unternehmen reagierten erst, wenn die Krise längst da ist. „Dann ist es für unsere Hilfe zu spät", sagt Bendlin. Menschen seien oft nicht in der Lage, vorzeitig zu handeln. Schüco-Chef Engelhardt lobt den engen Austausch mit Start-ups. Er helfe sehr bei der kulturellen Veränderung im Unternehmen. Mit Bendlin pflegt der Schüco-Chef enge Kontakte. Und vielleicht zählt auch Schüco bald zu den Kunden von Valuedesk. Altmaier würde es begrüßen, wenn es bundesweit in mehreren Regionen unterschiedliche Founders Foundations gäbe. Denn es gehe darum, nicht allen nur eine Lösung überzustülpen. „Wir fürchten nicht, kopiert zu werden. Im Gegenteil: Für uns wäre es die größte Ehre", betont Sebastian Borek, Chef der Founders Foundation. Altmaier bietet Borek an, dass Start-up-Vertreter den Minister bei Auftritten in anderen Regionen der Republik begleiten - um das Pilotprojekt publik zu machen.

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