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Wolken am Konjunkturhimmel: Der lange Aufschwung könnte in diesem Jahr zuende gehen. Das Foto zeigt Baukräne in Köln. - © picture alliance / Geisler-Fotopress
Wolken am Konjunkturhimmel: Der lange Aufschwung könnte in diesem Jahr zuende gehen. Das Foto zeigt Baukräne in Köln. | © picture alliance / Geisler-Fotopress

Konjunktur NRW-Mittelstand warnt vor Rezession

Die mittelständische Wirtschaft fürchtet ein Abgleiten in den Abschwung. Sinkende Aufträge im Maschinenbau haben die Ängste zuletzt verstärkt. Allerdings ist die Entwicklung nicht eindeutig

Martin Krause
06.08.2019 | Stand 06.08.2019, 15:47 Uhr

Düsseldorf/Bielefeld. Mittelständische Unternehmen in NRW fürchten eine drohende Rezession. Der Mittelstandsverband BVMW forderte die Bundesregierung deswegen jetzt zu konjunkturstützenden Maßnahmen auf. „Die Politik darf die Konjunkturindikatoren nicht länger ignorieren und muss auf die rezessiven Tendenzen in der Wirtschaft reagieren", erklärte der nordrhein-westfälische BVMW-Landesgeschäftsführer Herbert Schulte. Der Verband verweist auf die Entwicklung des sogenannten Sentix-Indexes, der die aktuelle Investitionsstimmung in der Wirtschaft spiegele und im August den niedrigsten Stand seit zehn Jahren erreicht habe. Der Verband fordert unter anderem die vollständige Streichung des Solidaritätszuschlages zum Jahresende, um Personengesellschaften zu entlasten. Auch eine Reduzierung von bürokratischen Anforderungen wird empfohlen, etwa eine Entlastung von den "unsinnigen Regelungen" der Datenschutzgrundverordnung oder den "unverhältnismäßigen Dokumentationspflichten beim Mindestlohn". Chinesische Abwertung schürt die Konjunktursorgen Grund zur Sorge liefert der deutschen Industrie derzeit vor allem die Eskalation im Handelsstreit zwischen den USA und China. „Dies könnte der Anfang eines unumkehrbaren Handelskriegs zwischen den beiden Ländern sein", warnte Marcel Fratzscher, der Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). China hat gerade seine Währung, den Yuan, abgewertet und erklärt, chinesische Unternehmen würden keine Agrargüter mehr aus den USA importieren. Erwartet werden nun Gegenmaßnahmen der USA - als Konsequenz könnte zudem der Euro steigen und die deutschen Exportchancen reduzieren, so die Befürchtung. Fratzscher spricht davon, die deutsche Wirtschaft befinde sich bereits in einer "milden Rezession". Der Maschinenbauverband VDMA hatte gestern mitgeteilt, dass der Auftragseingang in der wichtigsten deutschen Branche im ersten Halbjahr um neun Prozent gesunken sei. Aus dem Maschinenbau in OWL werden bei den Bestellungen noch heftigere Einbußen von mehr als 20 Prozent berichtet. Allerdings ist die Entwicklung nicht eindeutig: Im Monat Juni 2019 habe die deutsche Industrie ein Auftragsplus von 2,5 Prozent im Vergleich zum Mai verbucht, meldete jetzt das Statistische Bundesamt. Vor allem aus dem Ausland gebe es mehr Bestellungen. Insgesamt sei die Talfahrt der Industrie zuletzt abgebremst worden, so heißt es. Bundesbank erwartet für Gesamtjahr deutliche Abkühlung Im ersten Quartal 2019 war die gesamte deutsche Wirtschaft - gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP) - noch um 0,6 Prozent gewachsen (im Vergleich zum ersten Quartal des Jahres 2018).  Für das Gesamtjahr erwartet die Deutsche Bundesbank auch nur ein ein BIP-Plus in Höhe von 0,6 Prozent, was im Vergleich zum Vorjahr eine deutlich Abkühlung bedeuten würde. 2018 hatte die deutsche Wirtschaft noch um 1,5 Prozent zugelegt.

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