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Hochburg der Start ups: Die israelische Stadt Tel Aviv ist das Innovationszentrum des Landes am östlichen Mittelmeer. - © Verwendung weltweit
Hochburg der Start ups: Die israelische Stadt Tel Aviv ist das Innovationszentrum des Landes am östlichen Mittelmeer. | © Verwendung weltweit

Bielefeld Wie Israel Firmen in OWL helfen soll

Die Region gilt als Hochburg des Mittelstands. Doch flexible, innovative Startups gibt es noch nicht genug.

Martin Fröhlich
24.05.2019 | Stand 30.05.2019, 16:25 Uhr

Bielefeld. Ostwestfalen-Lippe gilt als Hochburg des Mittelstands. Weltmarktführer in Familienhand gibt es hier etliche, stabile wirtschaftliche Verhältnisse sind fast garantiert. Doch Stabilität steht manchmal im Widerspruch zu Schnelligkeit. Und die braucht es im Zeiten digitalen Wandels, monieren OWLs Manager. Helfen könnten dabei Start ups, doch davon gibt es in Deutschland noch nicht genug. Anders sieht das in Israel aus.

Israel gilt als Nation der Startups. 6.500 dieser neuen, flexiblen, technisch hoch entwickelten Firmen gibt es in dem Land, das nur neun Millionen Einwohner hat und so groß wie Hessen ist. Die Israelis wiederum wissen, dass sie ihre Leistungsfähigkeit in alle Welt exportieren müssen, weil der eigene Markt zu klein ist. Warum also nicht nach OWL?

Im Gespräch: Guy Hilton (l.) von Startup Nation Central in Tel Aviv diskutiert in den Räumen der Bielefelder Founders Foundation mit Innovations-Experte Saul Reichman. - © Bertelsmann Stiftung/Kai Uwe Oesterhelweg
Im Gespräch: Guy Hilton (l.) von Startup Nation Central in Tel Aviv diskutiert in den Räumen der Bielefelder Founders Foundation mit Innovations-Experte Saul Reichman. | © Bertelsmann Stiftung/Kai Uwe Oesterhelweg

„Wir müssen in Israel die Stärken von OWL bekannt machen. Der sogenannte Mittelstand ist dort kaum jemandem ein Begriff", so Guy Hilton, Geschäftsführer des Start up Nation Central Tel Aviv. Die Bielefelder Founders Foundation, die Bertelsmann-Stiftung, die Universität Bielefeld und israelische Partner wie Startup National Central in Tel Aviv versuchen, dazu ein Pilotprojekt aufzusetzen.

Doch welches Startup passt zu welcher Firma in OWL?

Bislang beschränkt sich der Austausch meist auf Reisen von deutschen Managern in das Land am östlichen Mittelmeer, bei denen sie in drei Tagen 15 Start ups kennen lernen und beeindruckt, aber ohne konkrete Ergebnisse zurückkehren. „Deshalb müssen wir das anders angehen", so Guy Hilton.

Angesichts der gewaltigen Zahl von Start ups in Israel ist die Frage, welche davon den Firmen in OWL konkrete Hilfen bieten könnten. Hier soll eine neue Plattform helfen, Start ups und Mittelständler zusammen zu bringen. Matchmaking nennen Manager das. In einem zweiten Schritt wollen die deutschen Firmen „dann sehr konkret klarmachen, was genau wir erwarten, denn das ist schon am Anfang alles entscheidend", wie Eduard Dörrenberg, geschäftsführender Gesellschafter der Dr. Kurt Wolff GmbH & Co. KG, erklärt. Er spricht von sogenannten Pain Points, die für beide Seiten früh definiert werden müssten.

Diskutierten für die heimische Wirtschaft: Ulrich Leidecker (l.), Topmanager bei Phoenix Contact, und Günter Korder, Geschäftsführer It's OWL. - © Bertelsmann Stiftung/Kai Uwe Oesterhelweg
Diskutierten für die heimische Wirtschaft: Ulrich Leidecker (l.), Topmanager bei Phoenix Contact, und Günter Korder, Geschäftsführer It's OWL. | © Bertelsmann Stiftung/Kai Uwe Oesterhelweg

Doch es gibt ein Problem: Startups sind oft fremdfinanziert und stehen in Sachen Gewinn deutlich unter Zeitdruck, etablierte Mittelständler aber halten wenig von Schnellschüssen. „Zumal wir Neuerungen erst in den Markt und an die Kunden bringen müssen und das braucht oft Jahre", wie Ulrich Leidecker, Topmanager beim Elektronikunternehmen Phoenix Contact in Bad Pyrmont, betont. „Das müssen die Start ups wissen: uns geht es nicht um schnelles Geld. Wir brauchen Inhalte, die uns auf Dauer weiter bringen."

Ein Grund liegt in Israels Wehrpflicht

„Wir müssen den Mittelstand erst verstehen lernen", sagt Nili Shalev, Direktorin bei der israelischen Innovationsbehörde. Dafür brauche es schnell feste Ansprechpartner auf beiden Seiten. Eine Aufgabe, die dem Pilotprojekt zukommen soll.

Israel liegt ihnen am Herzen: Liz (l.) und Brigitte Mohn, beide Vorstandsmitgleider der Bertelsmann Stiftung. - © Bertelsmann Stiftung
Israel liegt ihnen am Herzen: Liz (l.) und Brigitte Mohn, beide Vorstandsmitgleider der Bertelsmann Stiftung. | © Bertelsmann Stiftung

Doch warum ist Israel bei Startups so viel weiter als Deutschland? Einer der Gründe ist die positive, weniger von Bedenken geprägte Herangehensweise an die digitale Welt. „Die Israelis unterscheiden beim Datenschutz bewusst zwischen IT-Sicherheit, auf die sie großen Wert legen, und den Möglichkeiten einer sinnvollen Datennutzung", wie Brigitte Mohn, Vorstandsmitglied der Bertelsmann Stiftung, weiß.

Eduard Dörrenberg sieht als Grund auch die Vielzahl an Talenten in der Wirtschaft. „Die hohe Qualifikation vieler junger Israelis hat mit der Wehrpflicht zu tun. Die Ausbildung bei der Armee ist technisch hervorragend und das zahlt sich später in der Wirtschaft aus."

Information
Die Bertelsmann-Stiftung setzt sich seit über 40 Jahren dafür ein, den
internationalen Austausch zwischen Israel und Deutschland zu fördern und
Begegnungen zu ermöglichen. So auch im Diskussionsformat "German and
Israeli Innovation – How to connect the best of two Worlds”, das in der
Bielefelder Founders Foundation stattgefunden hat. "Das Land und die
Menschen dort sind mir ans Herz gewachsen", erklärt Liz Mohn,
stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Stiftung. „Wissen ist kein
Eigentum, Wissen muss man teilen. Ich bin überzeugt, dass persönliche
Begegnungen und der gemeinsame Anspruch von der Welt zu lernen,
Friedensprozesse zwischen Ländern und Menschen unterstützen", so Mohn
weiter.

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