Begrüßung: Bielefelds Oberbürgermeister Pit Clausen (l.) überreicht Flixtrain-Chef Fabian Stenger ein Gastgeschenk. - © Andreas Zobe
Begrüßung: Bielefelds Oberbürgermeister Pit Clausen (l.) überreicht Flixtrain-Chef Fabian Stenger ein Gastgeschenk. | © Andreas Zobe

Verkehr Flixtrain-Premiere in OWL: Der Zug ist seiner Zeit voraus

Reportage: Wie die Fahrgäste das neue Angebot des privaten Anbieters annehmen. Das Unternehmen will sein Netz noch ausweiten. Für Bielefeld gibt es einen Wunsch

Matthias Bungeroth
24.05.2019 | Stand 24.05.2019, 07:38 Uhr

Bielefeld. Die beste Nachricht vorweg: Der neue Flixtrain ist an seinem Premierentag auf der Strecke zwischen Berlin und Köln pünktlich. Sogar mehr als das. Rund eine Viertelstunde vor der geplanten Abfahrt Richtung Bielefeld rollt der quietschgrüne Zug mit der Lok im Europadesign in den Hauptbahnhof Hannover ein. Zahlreiche Reisende stehen am Bahnsteig 13 und warten auf den Einstieg. Darunter ist auch Malika. Die Studentin kommt bereits aus Bremen und hat das Ticket von Hannover nach Duisburg für 9,99 Euro über die App gebucht. „Passt", sagt sie. „Schade, dass der nicht bis nach Bremen fährt", fügt sie hinzu. Drinnen, auf der Fahrt nach Bielefeld, ist die Stimmung gelöst. Das überwiegend jüngere Publikum sitzt in den Sechser-Abteilen und macht es sich gemütlich. Einige sitzen vor ihrem Laptop und arbeiten, andere surfen mit ihren Smartphones im Internet. Das WLAN, die Verbindung zum Internet, funktioniert. "Weil es billig ist" „Weil es billig ist", hat Oliver Geisler den Flixtrain gebucht. Er beteuert, das Ticket von Berlin nach Essen für 4,99 Euro geschossen zu haben. Da sind nun auch noch 3,50 Euro für einen Kaffee und ein Snickers drin. Beides verkauft im kleinen Bistro nebenan Özcan Karaman, der Softdrinks, Wein, Bier und Eis anbietet. Geisler wünscht sich auch eine Verbindung von Berlin nach Hamburg mit dem Flixtrain. Im Gang ist Dirk Schiffmann in seiner leuchtend orangefarbenen Arbeitskleidung nicht zu übersehen. Er ist der Wagenmeister in diesem erstmals auf dieser Strecke verkehrenden Zug. „Wir machen hier die Abnahme", erzählt er. Bremsen, Kühlsteuerung und WCs wurden von ihm und seinen Kollegen unter anderem geprüft und für funktionstüchtig befunden. Auf dem ersten Abschnitt der Fahrt ab Berlin war die Heizung etwas zu hoch eingestellt. „Die habe ich runtergedreht." Außerplanmäßiger Halt im Sonnenschein So rollt der Zug flüssig Richtung Ostwestfalen-Lippe. In Löhne kommt der Flixtrain ebenfalls zu früh an, deswegen gibt es dort einen außerplanmäßigen Halt im Sonnenschein, den die Fahrgäste an der frischen Luft genießen. Nachdem andere Züge durchgefahren sind, geht es weiter. „Wir sind gut unterwegs und gut ausgelastet", sagt Flixtrain-Geschäftsführer Fabian Stenger. Innerhalb von 14 Monaten habe der private Zugbetreiber rund eine Million Fahrgäste transportiert, zunächst auf den Strecken Köln–Hamburg sowie Berlin–Stuttgart. Auf der neuen Verbindung zwischen Berlin und Köln werden erstmals auch Bielefeld und Dortmund angefahren. Ab dem 6. Juni soll es eine weitere Verbindung pro Tag geben. Ab dem 13. Juli soll in Bielefeld auch der Halt Richtung Berlin bedient werden, was derzeit aufgrund der Bauarbeiten dort nicht möglich sei, so Stenger. Der Flixtrain-Chef kündigt zudem einen weiteren Ausbau des privaten Zugnetzes an. „Mitte des Jahres wissen wir mehr." Vor der geplanten Zeit um 11.38 Uhr läuft der Flixtrain in den Bielefelder Hauptbahnhof ein. Oberbürgermeister Pit Clausen (SPD) begrüßt Stenger. Beide sprechen sich dafür aus, den Halt der Flixbusse vom Bahnhof Brackwede zum Bielefelder Hauptbahnhof zu verlegen, auch wenn es, sagt Clausen, dafür noch einiger politischer Entscheidungen bedürfe. „Der Hauptbahnhof drängt sich als Fernbushalt geradezu auf", so der OB.

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