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Stefan Schostok (SPD), scheidender Oberbürgermeister Stadt Hannover, testet bei der Messe «micromobility expo» auf der Messe Hannover einen E-Roller. - © picture alliance/dpa
Stefan Schostok (SPD), scheidender Oberbürgermeister Stadt Hannover, testet bei der Messe «micromobility expo» auf der Messe Hannover einen E-Roller. | © picture alliance/dpa

Mobilität Geschäft boomt: Elektroroller sind startbereit

Jedes dritte verkaufte Fahrrad ist ein E-Bike, auch elektrische Mountainbikes sind gefragt

Joachim Göres
05.05.2019 | Stand 05.05.2019, 12:19 Uhr

Hannover. Elektroautos sind weiterhin Ladenhüter - aber alles, was kleiner ist als ein Auto und elektrisch betrieben wird, ist gerade mächtig gefragt. Zu bestaunen war das auch auf der Micromobility Expo in Hannover. Elektroroller bietet die Go!mate GmbH aus Klein Nordende bei Elmshorn an. Sie werden bei einem Partnerunternehmen in Baden-Wü rttemberg hergestellt und beim Sportartikelhersteller Jamade in Wipperfürth montiert. Bisher werden Kunden unter anderem in Großbritannien, Tschechien, Österreich und Frankreich beliefert. Kostenpunkt ab 1.600 Euro, Aufladezeit drei Stunden. „Wir warten ganz dringend darauf, dass der Bundesrat Mitte Mai solche Roller auch in Deutschland erlaubt. Erst dann kann man sie auch versichern", sagt Geschäftsführerin Birgit Schamuhn. Nach ihren Worten sind im Ausland Elektroroller bis Tempo 25 erlaubt, in Deutschland sind 20 Kilometer als Höchstgeschwindigkeit geplant. Bis zwölf Kilometer Höchsttempo sollen Fußwege benutzt werden, bis 20 Kilometer Fahrradwege – wo es beides nicht gibt, auch die Straße. „Es ist kein Problem, unsere Roller auf Tempo 20 zu programmieren. Wichtig wäre es, dass man damit nicht auf der Straße fahren muss, das wäre zu gefährlich", warnt Schamuhn. Die Tier Mobility GmbH verleiht Elektroroller in 19 europäischen Städten und hofft ebenfalls auf die baldige Zulassung in Deutschland – dann sollen ab Juni mehrere hundert Exemplare in Köln und in anderen deutschen Millionenstädten angeboten werden, für ein Euro Grundgebühr und 15 Cent pro Minute. „E-Scooter haben nichts auf Fußwegen verloren", findet Tobias Griesmeier, für das Marketing zuständig. Sogenannte E-Bike-Tower stellt die Firma BIK TEC GmbH her – eine Ladestation für E-Bikes, die auf Firmengeländen oder öffentlichen Fahrradparkplätzen aufgestellt werden können. Der Akku kann in ein abschließbares Fach zum Aufladen gelegt werden. „Wir verzeichnen eine sehr große Nachfrage, gerade von Kommunen. Der Boom bei den E-Bikes wird weiter anhalten", ist Produktentwickler Benedikt Crynen überzeugt, einer von 25 Mitarbeitern in Hückelhoven. Auch für E-Tretroller hat BIK TEC Ladestationen mit etwas größeren Fächern konzipiert, da die Akkus nicht aus dem Roller genommen werden können. Die Bike & Outdoor Company GmbH & Co. KG betreibt in 33 Städten BOC-Fahrradläden, darunter in Bielefeld und Porta Westfalica. „Der Anteil der E-Bikes liegt bei uns bei etwa 40 Prozent und steigt weiter. Diese Entwicklung führt dazu, dass die Kunden für Räder generell mehr Geld ausgeben als früher", sagt Verkaufsmitarbeiter Hendrik Daut. Ein E-Bike kostet bei BOC ab 1700 Euro aufwärts, für die ebenfalls immer stärker gefragten E-Mountainbikes zahlt man mehr als 3000 Euro. Laut Daut entdecken nicht nur Rentner, sondern auch immer mehr junge Leute die Annehmlichkeiten des Fahrens auf zwei Rädern mit eingebauter Unterstützung. Er rechnet damit, dass E-Tretroller nach ihrer Zulassung ebenfalls ins Sortiment aufgenommen werden – bislang findet man sie eher in speziellen Läden für Tretroller oder in Lifestyle-Geschäften. „Wir haben im vergangenen Jahr 1,6 Millionen Räder verkauft, der Anteil der E-Räder liegt bei rund einem Drittel, Tendenz steigend", sagt Franz Tepe, Marketingleiter bei der Zweirad-Einkaufs-Genossenschaft (ZEG) aus Köln, zu der rund 1000 Fahrradhändler gehören. Auf Touristen zielt ein Angebot von ZEG unter der Marke Travelbike: Hotels, Pensionen, Fahrradhändlern und anderen Interessierten werden neue E-Bikes zum Verleihen angeboten, ab 79 Euro im Monat. Derzeit gibt es 500 Travelbike-Partner in Deutschland mit rund 1500 E-Bikes. Darunter finden sich Hotels in Minden, öffentliche Anbieter in Detmold und Altenbeken sowie Fahrradhändler in Bielefeld und Paderborn, die E-Bikes pro Tag ab 17,50 Euro vermieten. Tepe: „Das Interesse an Travelbike wächst stark. Immer mehr Touristen verlangen ausdrücklich E-Bikes."

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