Am Neuen Platz: Die Zentrale der Verbundvolksbank OWL und der Volksbank Paderborn. - © Hans-Hermann Igges
Am Neuen Platz: Die Zentrale der Verbundvolksbank OWL und der Volksbank Paderborn. | © Hans-Hermann Igges

Klage Wegen 4 Euro: Mindener verklagt Verbundvolksbank OWL

Ein Mindener legt sich wegen einer geringen Summe mit der Verbund-Volksbank OWL an. Er meint: Wenn Banken wegen jedem Bagatell-Service Kleinstbeträge von Kunden fordern, müssen sie auch im umgekehrten Fall zahlen

Minden. Der Betrag ist klein – der Ärger groß: Seit mehr als einem Jahr läuft Wolfgang Knop einer Summe von vier Euro hinterher, die ihm seiner Meinung nach die Verbund-Volksbank OWL schuldet. Als mit viel Getöse 2017 die Gründung der Genossenschaftsbank mit Sitz in Paderborn erfolgte, wurde er als Kunde der fusionierten Volksbank Minden eG mit übernommen. Und dabei bekam der Mindener Probleme beim Lastschrift-Einzug für die Kfz-Steuer und handelte sich eine Mahngebühr ein. Die Bank will für die vier Euro nicht gerade stehen. Mittlerweile hat der Kunde einen Rechtsanwalt eingeschaltet. „Ich bin immer zufrieden mit der Volksbank gewesen", sagt Knop, der seit Jahren zusammen mit seiner Ehefrau ein Girokonto bei dem Geldinstitut hat. Doch die gute Meinung geriet Anfang vergangenen Jahres ins Wanken, als es bei dem jährlichen Lastschrift-Einzug für die Kraftfahrzeug-Steuer eine Panne gab. „Ich stellte fest, dass die Summe in Höhe von 115 Euro zurückgebucht worden war." Zudem habe er wegen der Panne beim Lastschrifteinzug von der Bundeskasse in Trier eine Mahnung in Höhe der vier Euro erhalten. Bank rät, Mahngebühr erstmal zu bezahlen Das Ganze ereignete sich kurz nach dem Termin der Bankenfusion. Weil Knop davon ausging, dass sich so wie bei den anderen Kunden auch, mit dem Wechsel zur Verbund-Volksbank nichts an seiner IBAN und den mit ihnen verbundenen Lastschriften ändert, sah er den Fehler bei der Bank. „Ich meldete mich gleich im Januar vergangenen Jahres bei der Filiale in Minden-Dankersen, um das aufzuklären", so der Kunde. Da habe er den Rat erhalten, die Mahngebühr erst einmal zu bezahlen – nachträglich werde die Bank die Regulierung vornehmen. Ein gutes Dutzend Mal kam Knop im Verlauf des vergangenen Jahres bei der Dankerser Filiale vorbei und fragte nach, ohne dass er hinterher die vier Euro auf seinem Kontoauszug fand. „Als mir das zu dumm wurde, ging ich dann Ende 2018 zur Filiale an der Poststraße." Da habe er dann die Auskunft bekommen, dass er sich in dieser Angelegenheit an die Hauptstelle in Paderborn wenden müsse. „Es war für mich nicht erkennbar, dass hier ein Einlenken beabsichtigt ist und ich drohte mit einem Anwalt." Der schickte dann im Februar die Forderung in Höhe von vier Euro verbunden mit weiteren Rechtsanwaltsgebühren in Höhe von 83,54 Euro an die Zentrale der Verbund-Volksbank OWL. Außerdem verlangte der Jurist eine Erklärung, wie es zu der Panne beim Lastschrifteinzug kommen konnte. Laut dem Antwortschreiben der Verbund-Volksbank hatte das Finanzamt Minden in 2013/2014 dem Kunden eine falsche IBAN zum Lastschrifteinzug der Kraftfahrzeugsteuer mitgeteilt. Dass der Transfer dennoch in den Jahren danach gelungen sei, habe daran gelegen, dass die Vorgängerbank „unter Servicegesichtspunkten" die Buchungen über ein so genanntes Differenzkonto abgewickelt habe. Nach der Bankenfusion sei die Bearbeitung dieses Kontos dann durch eine zentrale Stelle erfolgt, die die Lastschrift wegen der falschen IBAN zurückgegeben habe. Der Kunde hätte den Fehler des Finanzamtes Minden rechtzeitig bemerken müssen. Deshalb habe er keinen Erstattungsanspruch. Verbundvolksbank beruft sich auf Bankgeheimnis Auf die Anfrage, warum sich Wolfgang Knop ein Jahr lang vergebens um die Rückzahlung der vier Euro bemühen musste und die Verbund-Volksbank bei der Lastschrift nicht ebenso kulant verfahren konnte, wie die Vorgängerbank, beruft sich der 6,3 Milliarden-Bilanzsummen-Riese auf das Bankgeheimnis. „Dieser Vorgang in unserem Haus ist ein Einzelfall", war zudem noch von der Pressestelle zu erfahren. Wolfgang Knop bekundet gegenüber dem MT, an seinen Forderungen festhalten zu wollen und es auf einen Rechtsstreit ankommen zu lassen. Warum der Stress wegen einer Handvoll Euro? „Bei jeder kleinen Leistung erhebt die Bank ebenfalls geringfügige Gebühren wie beispielsweise jetzt wieder für neue Karten." Da sei es nur rechtens, wenn im umgekehrten Fall auch korrekt verfahren werde und seine Forderung nicht wegen Geringfügigkeit abgetan werde. Empfehlung: Anliegen in schriftlicher Form vorbringen Derartige Probleme sind bei Fusionen oder dem Wechsel eines Kunden von einer Bank zur anderen nach den Erfahrungen der Verbraucherberatung in Minden eher selten. „Der Einzelne ist in solchen Fällen auch immer verpflichtet, genau die Kontoauszüge zu überprüfen", sagt deren Leiterin Ursula Thielemann, ohne sich damit auf den Fall von Wolfgang Knop zu beziehen. Mitunter komme es auch zu Problemen, die der Kunde nicht zu verantworten habe. „Wir empfehlen Verbrauchern immer, ihre Anliegen und Forderungen in schriftlicher Form gegenüber einer Bank zeitnah vorzubringen."

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