Führung der Diebold Nixdorf AG: Vorstandsvorsitzender Ulrich Näher (l.) und Aufsichtsratschef Alexander Dibelius. - © Matthias Bungeroth
Führung der Diebold Nixdorf AG: Vorstandsvorsitzender Ulrich Näher (l.) und Aufsichtsratschef Alexander Dibelius. | © Matthias Bungeroth

Wirtschaft Das historische Ende der Diebold Nixdorf AG ist beschlossen

Die Diebold Nixdorf Aktiengesellschaft findet ihre Minderheitsaktionäre ab. Diese stellen bei der Hauptversammlung viele Fragen

Paderborn. Am Ende geht alles ganz schnell. Mit großer Mehrheit wird auf der Hauptversammlung der Diebold Nixdorf AG in Paderborn beschlossen, dass die noch verbliebenen Minderheitsaktionäre eine Barabfindung in Höhe von 54,80 Euro je Anteilspapier erhalten sollen. Auf diese Weise kann die AG dann endgültig mit der Diebold Nixdorf Holding Germany Inc. & Co. KGaA verschmelzen. Das historische Ende der AG ist damit formal beschlossene Sache. Die wenigen Kleinaktionäre, die zu der Hauptversammlung in den Paderborner Schützenhof gekommen sind, finden für dieses absehbare Votum im Vorfeld durchaus kritische Worte. „Die Stimmung hier im Saal ist so wie das Wetter draußen: mies", befindet Thomas Hechtfischer, Geschäftsführer der deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. „Im Ergebnis sollen die Aktionäre die Aktien an den Großaktionär abliefern", fügt er hinzu. "Squeeze-out" lautet der Vorgang Das ist die Diebold Nixdorf Inc. Die Wertpapierbesitzer, so Hechtfischer, würden aus dem Unternehmen hinausgedrängt. Diesen Vorgang umschreiben Wirtschaftsexperten mit dem technischen Begriff Squeeze-out. Ein Wort, das an diesem Tag öfters fällt und je nach Standpunkt des jeweiligen Redners positiv oder negativ besetzt ist. So geht es bei dieser außerordentlichen Hauptversammlung (HV) zu großen Teilen um die Frage, ob der genannte Betrag eine angemessene Entschädigung für die Minderheitsaktionäre ist. Hechtfischer dazu: „Diese Frage wird in der Regel nicht in der HV entschieden, sondern in Spruchverhandlungen." In den Versammlungspausen ist zu hören, dass es Aktionäre geben wird, die den Rechtsweg beschreiten werden, um ermitteln zu lassen, welcher Betrag als angemessen anzusehen ist. Doch ein solches Verfahren kann lange dauern. Das längste Spruchverfahren, das Hechtfischer bekannt ist, habe rund 20 Jahre gedauert, sagt der Experte. "De facto ist es eine Enteignung" Auch Clemens Scholl von der Schutzgemeinschaft Deutscher Kapitalanleger (SdK) vermag sich mit dem Vorgang des Squeeze-out nicht so recht anzufreunden. „De facto ist es eine Enteignung", sagt Scholl, der mit seinem Redebeitrag 24 Einzelanleger mit zusammen 5.000 Aktien vertritt. Die SdK lehne aus diesem Grund das hinter dem Verfahren stehende Gesetz ab. Im weiteren Verlauf entwickelt die HV den Charakter eines Abschieds von Aktionären aus Paderborn und dem Umland von ihrer persönlichen Verbindung zu dem Unternehmen, das nach wie vor den Namen von Computerpionier Heinz Nixdorf in seinem Label führt. So will Aktionär Alexander Göppert wissen, was die Umstrukturierung für den Standort Paderborn bedeutet. „Irgendwie hat man den Eindruck, dass der Konzern den Standort nicht mehr so mag", sagt Göppert. Der Vorstandsvorsitzende der Diebold Nixdorf AG, Ulrich Näher, antwortet, der Schritt habe „keine unmittelbaren Auswirkungen auf das Geschäft der Nixdorf-Gruppe". Er fügt hinzu: „Das Unternehmen fühlt sich der Region verbunden." Die Debatte um die weitere Entwicklung des Unternehmens dürfte damit aber kaum abgeschlossen sein.

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