Daniel Domscheit-Berg, OWL GmbH, Gerry Weber World - © Björn Vahle
Daniel Domscheit-Berg, OWL GmbH, Gerry Weber World | © Björn Vahle

Wirtschaft Netzaktivist: Darum ist das Internet der beste Freund der Wirtschaft

Digitalisierung: Beim Forum der OWL GmbH holen sich Firmen Tipps für die eigene Zukunft

Halle. Daniel Domscheit-Berg machte Schlagzeilen, als er sich mit niemand geringerem als Julian Assange, dem Gesicht von Wikileaks, überwarf und die Enthüllungsplattform im Streit verließ. Es gibt Filme über und mit ihm, er selbst hat über seine Zeit bei Wikileaks ein Buch geschrieben. Er nennt Wikileaks die „gefährlichste Website der Welt". Was können Unternehmen aus Ostwestfalen von ihm über ihre eigene digitale Zukunft lernen? Wie sich herausstellt, eine Menge. Im Forum „Digitale Zukunft gestalten" der OWL GmbH in der Gerry Weber World skizzierte er den Weg für eine erfolgreiche digitale Transformation regionaler Unternehmen. Eines der grundlegenden Missverständnisse sei, dass das Internet für Unternehmen Globalisierung bedeute, also im schlimmsten Falle der Feind ist. Entweder man ist Weltmarktführer, oder man wird übersehen, das sei oft das Empfinden. Das Gegenteil sei richtig: „Das Internet ist im Grunde das perfekte Medium für den Mittelstand, um sich gewinnbringend zu vernetzen", sagt Domscheit-Berg. Diese regionale Vernetzung, wie sie in der OWL GmbH bereits geschieht, könne helfen, um global etablierten Ansprüchen zu genügen. Den hiesigen IT-Spitzencluster „it’s OWL", in dem sich Unternehmen ebenfalls vernetzen, um vom Know-How der anderen zu profitieren, lobt Domscheit-Berg als „einigermaßen einzigartig", die Region sei bereits auf einem guten Weg. "Wir sind nicht besonders gut darin, einfach zu übernehmen, was anderswo gut funktioniert" Dennoch sei es oft gerade für kleine, regionale Firmen schwierig ist, die Ressourcen für digitale Transformation aufzubringen. „Der Spagat zwischen der nötigen Ruhe, die es braucht, und der Agilität, die man am Markt nicht verlieren darf, ist schwer", sagt Domscheit-Berg. Doch eine Mitschuld am vielerorts schleppenden Wandel in der Wirtschaft gibt er auch dem Gesetzgeber, der es versäumt hat, frühzeitig den Glasfaserausbau voranzutreiben. Außerdem sei man in Deutschland nicht sehr gut darin, funktionierende Konzepte zu übernehmen. „In Schweden gibt es schon kommunales Intranet, so organisieren Städte die Information ihrer Bürger, auch wenn die kein Internet haben. Da hinken wir 25 Jahre hinterher, weil wir lieber das Rad fünfmal neu erfinden." In OWL sind etliche Unternehmen bereits gut vernetzt. Daniel Domscheit-Berg stellt der Region denn auch ein gutes Zwischenzeugnis aus. „Ich war schwer begeistert, als ich mich informiert habe. Ich kenne eher das andere Ende des Spektrums."

realisiert durch evolver group