Sind recht zufrieden: Zur-Mühlen-Chef Maximilian Tönnies (v.l.) sowie Andres Ruff und Clemens Tönnies. - © Andreas Fruecht
Sind recht zufrieden: Zur-Mühlen-Chef Maximilian Tönnies (v.l.) sowie Andres Ruff und Clemens Tönnies. | © Andreas Fruecht

Deutschlands größter Schlachtkonzern Tönnies beklagt Preiskrieg im Fleischmarkt

Mit leicht erhöhten Schlachtzahlen kompensiert das Unternehmen Ertragseinbußen. Die Rheda-Wiedenbrücker sehen sich als Vorreiter bei Tierwohl und Nachhaltigkeiten

Rheda-Wiedenbrück. Clemens Tönnies, der Chef des größten deutschen Schlachtkonzerns, hat sich mit einem Appell an den Lebensmittelhandel gewandt: „Hört auf, das Fleisch zu verramschen", forderte er und stellte fest, Fleisch sei oft viel zu billig. „Fleisch ist unser wertvollstes Lebensmittel, das darf nicht verschleudert werden", so Tönnies. Obwohl das Rheda-Wiedenbrücker Unternehmen der Marktführer sei und ein großer Player, könne Tönnies allein die Preise allerdings kaum beeinflussen: „Die Entscheidungen liegen beim Handel". Ähnlich klang Geschäftsführer Andres Ruff, der 2017 vom zweiten großen Gesellschafter Robert Tönnies in die Chefetage entsandt worden war: „Der Preiskrieg um Lebensmittel muss beendet werden", erklärte er. Beide äußerten sich auch mit Blick auf die wachsenden Anforderungen an die Landwirte: Immerhin wünschen die Verbraucher sich mehr Tierwohl, verbesserte ökologische Nachhaltigkeit, mehr Umweltschutz und weniger Antibiotika-Einsatz. Trotzdem aber seien die Preise für Schweinefleisch 2018 um 12,6 Prozent eingebrochen. In der Branche wird von einer Krise gesprochen Insgesamt gebe es massive Veränderung im Markt, stellte Tönnies bei der Bilanz-Pressekonferenz direkt nach der Begrüßung fest. Der Schweinefleischabsatz sei bundesweit um 2,5 Prozent gesunken, der Rindfleischabsatz sogar um 3 Prozent. „Die ersten sprechen in der Branche schon von einer Krise", so Clemens Tönnies. Die Tönnies-Gruppe habe aber gegen den Trend stabile oder leicht steigende Schlachtzahlen erreicht. Die Einbußen durch die Preisrückgänge seien zum Teil durch gesteigerte Veredelung (etwa im Bereich von Convenience-Produkten) und erhöhte Wertschöpfung kompensiert worden. Der Umsatz schrumpfte konzernweit moderat um 3,6 Prozent auf 6,65 Milliarden Euro (siehe Info-Box). Mehrfach beklagte Clemens Tönnies die Wahrnehmung der gesamten Fleischbranche in der Öffentlichkeit. „Wir leiden unter Fehleinschätzungen und falscher Wertschätzung." Es sei zum Beispiel eben nicht so, dass alle Landwirte Tierquäler und Umweltsünder seien. 96 Prozent der Höfe seien Familienbetriebe, die zu Verbesserungen bereit seien und etwa das Tierwohl-Label akzeptierten: „Die hängen an der Scholle und wollen weiter produzieren." Zugleich wolle die Tönnies-Gruppe weiterhin für Fleisch als Teil einer gesunden und genussvollen Ernährung werben – „auch wenn das derzeit nicht der Mainstream ist". Sojananteil in der Tiermast soll um 50 Prozent sinken Die Tönnies-Gruppe sehe sich als Vorreiter in Sachen Nachhaltigkeit und in der Tierwohl-Debatte, betonten Tönnies und Ruff. „Keiner wird das besser machen als wir", versprach Ruff. Gemeinsam mit der Landwirtschaftskammer habe Tönnies zum Beispiel das Fütterungskonzept „Toniso" entwickelt, mit dem der Sojaanteil (und -Import) in der Mast um mehr als 50 Prozent gesenkt werden könne. Auch die Stickstoff-Ausscheidungen würden um bis zu 30 Prozent reduziert. Ein zweiter Ansatz für den Umweltschutz sei die Trennung von Urin und Kot – die Feststoffe würden aus der Gülle gefiltert und könnten als Humus verwendet werden. Tönnies ließ Verständnis für die auf die Tierhaltung bezogenen Fleisch-Label des Handels erkennen, machte aber seine Unterstützung für das von Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner konzipierte staatliche Tierwohl-Label deutlich: „Für die Verbrauchertransparenz brauchen wir ein starkes Label." ?¦ Meinungsbörse

realisiert durch evolver group