Menschen zeigen Flagge für die EU. - © picture alliance/dpa
Menschen zeigen Flagge für die EU. | © picture alliance/dpa

Gütersloh Bertelsmann-Stiftung: OWL profitiert stark vom europäischen Binnenmarkt

Die Stiftung plant die Eröffnung einer Berliner Dependance. Projekte sollen sich der Demokratie und anderen Schwerpunkten widmen

Matthias Bungeroth
05.03.2019 | Stand 05.03.2019, 20:05 Uhr

Gütersloh. Die Führungsspitze der Bertelsmann-Stiftung sieht sich in diesen Tagen vor besonders großen Herausforderungen. „Wir leben in einer Zeitenwende, wie sie es in dieser Form noch nicht gegeben hat", sagt deren stellvertretende Vorstandsvorsitzende Liz Mohn. Vorstandschef Aart de Geus sieht es mit Blick auf die Wahlen zum Europäischen Parlament so: „Das Projekt Europa steht dieses Jahr vor einer großen Bewährungsprobe." Die Stiftung will deshalb mit eigenen Projekten, Studien und Veranstaltungen dazu beitragen, die Demokratie und die Teilhabe aller Bürger an der Entwicklung des Gemeinwesens zu stärken. Dabei sehen die Stiftungsbosse keineswegs eine ausweglose Situation. Dazu einige Handlungsfelder in Stichworten. Neuer Standort Berlin „Wir werden dieses Jahr in der Hauptstadt Arbeitsplätze in einem neuen Gebäude beziehen", sagt de Geus. Mitarbeiter sollen so die Möglichkeit bekommen, in der Hauptstadt flexibel zu arbeiten und dort auch Workshops und Veranstaltungen organisieren können. „Wir sind zuversichtlich, dass unsere Räume vor dem Berliner Flughafen eröffnet werden", witzelt de Geus. Geplant sei dies für November. Das Gebäude stehe am Schinkelplatz, direkt gegenüber dem Auswärtigen Amt. „Wir haben dort insgesamt etwa 50 Arbeitsplätze zur Verfügung." Die Hälfte davon sollen von der Tochtergesellschaft „Weiße Liste", die andere von der Bertelsmann-Stiftung genutzt werden. Europa „Europa kann und muss Brücken bauen zwischen unterschiedlichen Ländern, Meinungen und Religionen", sagt de Geus. Viele erwarteten bei den Wahlen ein Erstarken national-populistischer Parteien. „Das Leitbild liberaler Demokratien gerät also auch hier unter Druck, mitten in Europa, in der Wiege der Demokratie." Kompromisse würden als Schwäche, nicht als Lösung gesehen. Doch: „In Demokratien sind Kompromisse Lebenselixier und Garant dafür, im Interesse eines ganzen Landes zu regieren, statt im Interesse einzelner Wählergruppen zu polarisieren." Ostwestfalen-Lippe Eine neue Untersuchung der Bertelsmann-Stiftung hat ergeben, dass allein in Ostwestfalen-Lippe rund 1.000 Euro unserer Einkommen pro Kopf und Jahr direkt auf Effekte des europäischen Binnenmarktes zurückzuführen sind, wie de Geus erläutert. „Damit ist OWL einer der größten Profiteure des Binnenmarktes in NRW nach Düsseldorf und Köln." Die Studie soll voraussichtlich im April vorgestellt werden. Digitalisierung Die Digitalisierung und der demografische Wandel geben laut Brigitte Mohn, Mitglied des Vorstands der Bertelsmann-Stiftung, bei den Themenfeldern Gesundheit und Demokratie derzeit den Takt an. „Deutschland hinkt hinterher!", sagt Brigitte Mohn mit Blick auf die noch immer nicht eingeführte elektronische Patientenakte in Deutschland. Sie appelliert: „Wir brauchen eine nationale Institution, die das Thema Digitalisierung mit begleitet." Bildung „Der Lehrermangel wird uns noch lange begleiten", sagt Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann-Stiftung. „Wir wollen helfen, die Herausforderungen möglichst gut zu meistern." Lösungen seien finanzielle Anreize, Qualitätsstandards, Nachschulungen und Onboarding-Programme. Algorithmen Algorithmen sind laut Dräger „in höchstem Maße teilhaberelevant". Eine gesellschaftliche Debatte, staatliche Kontrolle, Vielfalt der Systeme sowie mehr Wissen sollen helfen, Algorithmen in den Dienst der Gesellschaft zu stellen.

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