Wer aus heiterem Himmel eine Lieferung erhält, darf diese behalten – es sei denn, ein Irrtum ist erkennbar. - © Reuters
Wer aus heiterem Himmel eine Lieferung erhält, darf diese behalten – es sei denn, ein Irrtum ist erkennbar. | © Reuters

Versandhandel Verbraucherzentrale: Pakete, die man nicht bestellt hat, darf man behalten

Ungewollte Lieferungen - z.B. unter dem Logo "Amazon" - müssen nicht bezahlt werden. Welche Absichten dahinter stecken, ist nicht immer klar

Bielefeld. Wer einen der typischen braunen Pappkartons mit dem Amazon-Logo nach Hause geliefert bekommt, der wartet in der Regel auf ein bestimmtes Produkt. Es gibt jedoch auch Ausnahmen. Immer mal wieder kommt es vor, dass Amazon-Kunden Pakete an ihre Anschrift geliefert bekommen, die sie gar nicht bestellt haben. Der Inhalt kann vom Handyzubehör über Sex-Spielzeug bis hin zum neuen Smartphone reichen. Ein Lieferschein oder eine Rechnung liegen der Ware in der Regel nicht bei, eine Zahlungsaufforderung bleibt aus. Auch die Angabe des Absenders fehlt. Die Pakete kommen nicht von Amazon selbst, sondern über den separaten „Marketplace", heißt es von der Verbraucherzentrale NRW. Diese teilt auch mit, dass Betroffene solche Lieferungen ohne schlechtes Gewissen behalten dürfen. Rechtlich ist man nicht verpflichtet, ein solches Paket zurückzuschicken. Wer den Inhalt nicht gebrauchen kann, darf diesen auch verschenken oder schlicht entsorgen. Bezahlt werden muss das Produkt nicht. Andere Regelung bei Irrtümern der Händler Es gibt jedoch auch Ausnahmen. Wenn beispielsweise erkennbar ist, dass es sich um einen Irrtum des Händlers handelt, gelte für den Empfänger eine Prüfungspflicht, erklärt Diana Böhler-Bachmann, Juristin bei der Verbraucherzentrale in Bielefeld. Irrtümer bei der Lieferung könne man beispielsweise daran erkennen, dass auf dem Paket ein anderer Empfänger angegeben sei als auf der Rechnung im Paket. In solchen Fällen sollte man sich an das Unternehmen wenden und den Fall klären, rät sie. Wie Juristin Böhler-Bachmann erzählt, hat sie selbst bereits eine Lieferung von Amazon doppelt bekommen. Auch hier fehlten bei einem der Pakete der Absender, der Bestellschein und die Rechnung. Warum kommt es gelegentlich zu solchen Lieferungen und wer steckt dahinter? Eine der Vermutungen, die die Verbraucherzentrale nennt, lautet: Händler aus Fernost eröffnen einen Zweit-Account bei Amazon unter den Namen der Adressaten. Darüber wickeln sie dann den Verkauf ab. Ihre Artikel steigen so im angezeigten Verkaufs-Ranking von Amazon. Oder Händler leeren so angeblich kostengünstig ihr gemietetes Lager bei Amazon. Amazon geht Hinweisen von Kunden nach Auch wenn die Lieferung gratis ist, freut sich nicht jeder über solche Überraschungen. Wie der WDR berichtet, bekam beispielsweise ein Solinger über mehrere Monate hinweg ungewollt mehr als zehn solcher Päckchen und zog im Januar vor Gericht. Seine Klage wurde jedoch in erster Instanz abgewiesen. Amazon selbst teilt auf Anfrage mit, dass die Verkäufer in solchen Fällen „weder Namen noch Adressen" von Amazon erhalten hätten. Amazon gehe „jedem Hinweis von Kunden nach, die unaufgefordert ein Paket erhalten haben, da dies gegen unsere Richtlinien verstößt", heißt es weiter. Nicht bei jedem Paket, das unaufgefordert geliefert wird, handelt es sich jedoch um eine solche Masche von Verkäufern. Gelegentlich kommt es auch einfach zu technischen Fehlern.

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