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Die Experten: Almut Rademacher und Malte Mayer. - © Sarah Jonek
Die Experten: Almut Rademacher und Malte Mayer. | © Sarah Jonek

Bielefeld Digitalisierung ist harte Arbeit

Projekt Arbeit 4.0: Warum die Wandlung scheitern muss, 
wenn die Mitarbeiter auf der Strecke bleiben

Stefan Schelp
21.01.2019 | Stand 21.01.2019, 15:19 Uhr

Bielefeld. Dass mit der Digitalisierung automatisch alles schneller, besser, effizienter wird, ist ein Trugschluss. „Wenn sie einen Sch...-prozess digitalisieren, dann haben sie einen sch... digitalen Prozess", wiederholt Almut Rademacher ein gern genutztes Zitat aus der Diskussion um die Digitalisierung.

Wie es besser geht, haben Almut Rademacher, Geschäftsstellenleiterin von OWL Maschinenbau und Malte Mayer, Leiter des Projekts Arbeit 4.0 in einer dreijährigen Studie untersucht.

150 OWL-Unternehmen haben sich beteiligt, keineswegs nur aus dem Bereich Maschinenbau. Zwei große Kongresse haben Rademacher und Mayer organisiert, 40 Workshops geleitet und bei ungezählten Firmenbesuchen die Umsetzungsprozesse in den Unternehmen begleitet.

Das wichtigste Ergebnis: OWL hat das Thema Digitalisierung angenommen. In einer ersten Umfrage aus dem Jahr 2017 herrschte bein den unternehmen noch die Angst, OWL laufe Gefahr, durch die Digitalisierung komplett abgehängt zu werden. Die Antwort am Ende des Projekts war ganz anders: „OWL wird nicht abgehängt, es wird im globalen Wettbewerb bestehen. Vielleicht erreicht es sogar eine Leuchtturm-Funktion beim Thema Digitalisierung." Mayers Fazit: „Das Thema ist definitiv in den Köpfen angekommen."

Drei Erkenntnisse hat das dreijährige Projekt erbracht:

  1. Es gibt nicht den einen Königsweg zur Digitalisierung. Das ist zwar keine Überraschung, spiegelt aber die Vielfalt kleiner und mittlerer (Familien-)Unternehmen in OWL wider.
  2.  Bei der Digitalisierung sind alle Unternehmen auf Orientierungshilfe von außen angewiesen.
  3. Beschäftigte müssen von Anfang an einbezogen werden.

Für den Schritt Richtung Digitalisierung sei Mut in Führungspositionen nötig, sagt Mayer. „Dafür braucht es Persönlichkeiten." Die Chefs müssten Vertrauen und Wertschätzung zeigen. „Digitalisierung ist harte Arbeit. Und Enttäuschungen gehören dazu.

Nicht selten haben sich mit der Digitalisierung nicht nur die technischen Abläufe verändert, sondern auch die Unternehmenskultur selbst. Einige Unternehmen haben Barcamps eingerichtet, offene Querdenker-Foren, in denen erstmal alle Gedankenspiele erlaubt sind.

Bei anderen ist der Freitag zum „Ask your boss anything" – „Löcher-Deinen-Chef"-Tag – geworden. Und in einigen Unternehmen hat man sogar darüber diskutiert, ob nicht alle Gehälter offengelegt werden müssten, um zu sehen, ob das Geld denn tatsächlich gerecht verteilt ist.

All diese Entwicklungen haben jedenfalls dazu geführt, dass Almut Rademacher eine Frage vom Anfang des Projekts schon lange nicht mehr gehört hat. „Wann sind wir eigentlich fertig mit der Arbeit 4.0?" Wahrscheinlich nie, würde die Antwort lauten.

Das Projekt Arbeit 4.0 der OWL Maschinenbau allerdings, das ist mittlerweile an sein Ende gekommen. Drei Jahre Förderung aus öffentlichen Mitteln. Das war von Anfang an klar. Dass es dennoch weitergeht, ist aber genauso klar. Um Innovationsmethoden will sich das Netzwerk in einem Folgeprojekt kümmern. Der Förderantrag ist bereits gestellt. Weil Arbeit 4.0 niemals zu Ende geht.

Information

Netzwerke als Standortvorteil

Der größte Trumpf der Region Ostwestfalen-Lippe ist die Vielzahl der Netzwerke, sagt Almut Rademacher, Leiterin der Geschäftsstelle OWL Maschinenbau. It’s OWL gehört dazu, die OWL GmbH, die Hochschulen und natürlich OWL Maschinenbau. Aber auch die Start-up-Schmieden Founders Foundation, Pioniers Club, Garage 33 und das Denkwerk.
Alle Beteiligten sorgen zum regen Austausch zwischen großen und kleinen Unternehmen, zwischen Wirtschaft und Wissenschaft. „Darum beneiden uns andere Regionen."

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