Der Firmensitz von Westfleisch in Münster. - © picture-alliance/ dpa
Der Firmensitz von Westfleisch in Münster. | © picture-alliance/ dpa

Wirtschaft Untreue-Ermittlungen bei Westfleisch

Die Staatsanwaltschaft Bielefeld schätzt den Schaden auf 16 Millionen Euro

Andrea Frühauf
11.01.2019 | Stand 11.01.2019, 19:52 Uhr

Münster/Bielefeld. Es geht um Millionen, die dem Westfleisch-Konzern fehlen: Die Staatsanwaltschaft für Wirtschaftskriminalität in Bielefeld ermittelt wegen Untreue gegen einen früheren Vorstand und einen früheren leitenden Angestellten des Westfleisch-Konzerns aus Münster. Das Unternehmen zeige sich kooperativ. „Wir haben zwei Kartons mit Unterlagen von Westfleisch bekommen", sagte Oberstaatsanwalt Gerald Rübsam. Den Schaden für den Fleischkonzern bezifferte er auf rund 16 Millionen Euro. „Das Geld ist weg. Wir werden prüfen, wo es geblieben ist", sagte Rübsam. Es gehe aber zunächst nicht um den Vorwurf, „dass man in die eigene Tasche" gewirtschaftet habe, sondern, dass „gegen die Vermögensinteressen der Firma" gehandelt worden sein soll. Im Mittelpunkt der Ermittlungen stehen demnach Russland-Geschäfte im Jahr 2015. Russlands Präsident Wladimir Putin hatte im Sommer 2014 als Gegenmaßnahme für EU-Sanktionen ein Einfuhrverbot für landwirtschaftliche Erzeugnisse und Lebensmittel auch aus der EU verhängt. Betroffen war auch Westfleisch. Nach Russland-Embargo Lieferungen aus Amerika Wegen des Embargos durfte Westfleisch kein deutsches Fleisch mehr nach Russland liefern. Um die Kunden weiterhin zu bedienen, habe die Genossenschaft Lieferanten in Nord- und Südamerika beauftragt und Fleisch von dort direkt nach Russland liefern lassen, so Rübsam. Ermittelt wird nun, ob das veranlasste Geld nicht zu Westfleisch zurückgeflossen ist und dem Fleischkonzern so finanzielle Ausfälle entstanden sind. Offen ist, wie sich dies in der Bilanz für 2015 niederschlug. Ausgerechnet im Jahr 2015 machte der Konzern nach einem Rekordjahr erstmals einen Verlust von knapp 6,5 Millionen Euro. Der Umsatz sank um rund 100 Millionen Euro auf 2,4 Milliarden Euro. Anzeige eines früheren Mitarbeiters Den Fall hatte ein Ex-Mitarbeiter ins Rollen gebracht, der 2017 anonym bei der Staatsanwaltschaft Münster Anzeige erstattete. Er soll sich darüber geärgert haben, dass ein neues Vorstandsmitglied 2016 nach wenigen Monaten entlassen worden war, nachdem er interne Ermittlungen vorangetrieben haben soll. Der Aufsichtsrat wies dies zurück.Grund für den Abgang seien vielmehr strategische Differenzen gewesen. In den vergangenen Jahren habe Westfleisch mit Maßnahmen und juristischen Schritten den durch die Zahlungsausfälle entstandenen Vermögensschaden bereits reduziert, teilte Carsten Schruck, Vorstand der Westfleisch SCE, mit. Es werde weiter daran gearbeitet. Er widersprach vehement einem WDR-Bericht: Vermeintliche Zahlungsausfälle aus einem Russland-Geschäft hätten nicht den Verlust im Jahr 2015 begründet. „2015 fielen keine Forderungsverluste aus Russlandgeschäften an." Sie seien 2014 entstanden und entsprechend in jenem Jahr bilanziert worden.

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