Neugieriger Blick: Schweine in einem Mastbetrieb. - © picture alliance
Neugieriger Blick: Schweine in einem Mastbetrieb. | © picture alliance

Münster Verfassungsbeschwerde: Warum die Schweinehalter sauer sind

Die wirtschaftliche Situation der Höfe in Westfalen-Lippe hat sich verbessert, aber ...

Münster. Den aktuellen Vorstoß des Landes Berlin, per Verfassungsklage gegen die bisherigen deutschlandweit geltenden Vorgaben zur Schweinehaltung vorzugehen, stößt beim westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverband in Münster auf massive Kritik. Die Klage stelle „einen Frontalangriff auf die Lebensgrundlage vieler Bauernfamilien und die von der Schweinehaltung abhängigen Wirtschaftsbereiche in Westfalen-Lippe" insgesamt dar. Es sei verantwortungslos, dass Teile der Gesellschaft glaubten, immer mehr Grundlagen des Wohlstands zerstören zu müssen. Nach der Energiewirtschaft und der Dieseltechnologie gerate nun die heimische Tierhaltung ins Visier, so Johannes Röring, Präsident des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbands vor Journalisten auf Gut Havichhorst bei Münster. Man müsse diese wichtige Säule des Wohlstands erhalten. „Hände weg von der Tierhaltung!", so Röhring. Rückgrat des regionalen Wohlstands Seine wichtigste Aufgabe der kommenden Monate sehe der WLV darin, die Tierhaltung als Rückgrat des regionalen Wohlstands zu erhalten. Nach dem Dürrejahr 2018 sei die Stimmung auf den landwirtschaftlichen Betrieben momentan je nach Produktions-richtung sehr unterschiedlich. „Alle Höfe hatten und haben zum Teil weiter mit den Folgen der Dürre des letzten Jahres zu kämpfen, doch die Erzeugerpreise für unsere Hauptprodukte Milch und Fleisch haben sich 2018 sehr unterschiedlich entwickelt. Für das kommende Jahr erhoffen wir uns vor allem für die Schweinehalter eine spürbare Wende zum Besseren", so Röring. Gewinn um 8 Prozent gestiegen Nach vorläufigen Zahlen der landwirtschaftlichen Buchstellen stieg der durchschnittliche Gewinn der landwirtschaftlichen Haupterwerbsbetriebe in Westfalen-Lippe im Wirtschaftsjahr 2017/18 – es dauert jeweil vom 1. Juli 2017 bis 31.Juni 2018 - um rund 8 Prozent auf etwa 64.000 Euro. Während die Ackerbauern ein Ergebnis auf Vorjahresniveau verzeichneten, mussten die Schweinehalter nach den betriebswirtschaftlichen Auswertungen der Buchstellen Einbußen von knapp 30 Prozent verkraften. Die Milchbauern konnten - nach den letzten Krisenjahren - ein Plus von 67 Prozent einfahren. Rund ein Viertel des Betriebergebnisses geht dabei dabei auf Zahlungen der EU zurück. Verhaltener Optimismus bei Milchbauern Bei den Milchbauern, so Röring weiter, herrsche mit Blick auf 2019 verhaltener Optimismus. Deutlich spürbar seien jedoch die Belastungen durch die dürrebedingten zusätzlichen Futterkäufe. Die Ackerbauern in Westfalen-Lippe erwarteten im neuen Wirtschaftsjahr keine größeren Preisausschläge, da die Getreidelager weltweit gut gefüllt sind. Hoffnung auf bessere Erzeugerpreise gebe es bei den Schweinehaltern der Region, da die Tierbestände vor allem durch Betriebsaufgaben vieler Sauenhalter spürbar zurückgegangen sind. Große Sorge bereite den Tierhaltern nach wie vor die Afrikanische Schweinepest (ASP), die im Jahr 2018 mit Belgien Nachbarland erreicht hat. Durch die Schaffung einer „Wildtierseuchenvorsorgegesellschaft" habe der WLV in dieser Woche gemeinsam mit anderen Verbänden und Unter-nehmen die Voraussetzungen geschaffen, um im Falle eines Ausbruchs der ASP in NRW den Erreger in heimischen Wildschweinbeständen zu bekämpfen.

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