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Zigarettenstummel stellen den größten Anteil am Müll dar, der sich an Stränden ansammelt. - © picture-alliance / Lars Halbauer
Zigarettenstummel stellen den größten Anteil am Müll dar, der sich an Stränden ansammelt. | © picture-alliance / Lars Halbauer

Umweltschutz Tabakindustrie soll für Kippenreste zahlen? Das sagt der Zigarettenverband

Talin Dilsizyan
18.12.2018 | Stand 18.12.2018, 17:46 Uhr

Berlin. Zigarettenstummel sind laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) weltweit der häufigste achtlos weggeworfene Abfall. Zigaretten haben den größten Anteil am Müll an den Meeresküsten. Bundesumweltministerin Schulze will, dass die Zigarettenindustrie eine größere Verantwortung bei der Beseitigung übernimmt. Sie soll an den Kosten für die Reinigung von Stränden oder Parks beteiligt werden. Der Deutsche Zigarettenverband (DZV) hat sich nun dazu geäußert. "Die EU-Kommission hat festgestellt, dass die Verschmutzung der Umwelt durch Abfälle von Zigaretten mit Filtern im Wesentlichen auf ein Fehlverhalten von Verbrauchern zurückzuführen ist, nicht jedoch auf eine mangelhafte Abfallbewirtschaftung", stellt DZV-Geschäftsführer Jan Mücke klar. "Ohne eine Veränderung des Konsumentenverhaltens würde der Vorschlag zu einer zeitlich unbegrenzten und finanziell massiven Belastung der Hersteller führen - das Problem der Umweltverschmutzung jedoch nicht nachhaltig lösen. Er weist ferner darauf hin, dass das achtlose Entsorgen von Abfall ganz allgemein nicht nur die Hersteller der Produkte betreffe, sondern die gesamte Wertschöpfungskette sowie die Gesellschaft als Ganzes. "Ein stärkerer Fokus muss auf die Sensibilisierung der Verbraucherinnen und Verbraucher gerichtet werden. Zugleich sind auch die Städte und Gemeinden gefordert, die kommunale Infrastruktur (Abfallbehälter für Zigarettenkippen) zu verbessern und das achtlose Wegwerfen von Zigarettenabfall konsequent als Ordnungswidrigkeit zu sanktionieren." Umweltschädlichkeit von Zigarettenfiltern Zigarettenfilter bestehen aktuell aus Cellulose-Acetat. Das ist ein Kunststoff, der aus Natur-Zellulose gewonnen wird, dem Hauptbestandteil pflanzlicher Zellwände. Hierfür ist eine Reaktion mit Essigsäure notwendig. Der DZV führt an, dass Cellulose-Acetat, ein Biokunststoff, vollständig biologisch abbaubar sei. Je nach Umweltbedingungen dauere es zwischen wenigen Monaten und mehreren Jahren bis die Zigarettenfilter abgebaut seien. Die Weltgesundheitsorganisation führt an, dass Zigarettenstummel rund 7.000 verschiedene Chemikalien enthalten. Viele der Stoffe seien giftig für die Umwelt. Zudem seien mindestens 50 Chemikalien krebserregend. Der DZV führt an, dass der Filter von nicht gerauchten Zigaretten neben Celluloseacetat "geringe Mengen an Hilfsstoffen, Leime und Papier, jedoch keine toxikologisch bedenklichen Chemikalien" enthalten. Studien hätten gezeigt, dass die Zigarettenstummel in den meisten Umgebungen nicht biologisch abgebaut werden. Dies hänge mit den Acetyl-Molekülen zusammen. Dem Sonnenlicht und Wasser ausgesetzt, würden sie zumeist in kleinere Plastikteilchen zerfallen. Zigarettenhersteller arbeiten an Alternativen für Filtermaterial Mehr als acht Millionen Tonnen Plastik gelangen pro Jahr in die Ozeane. Laut Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) kann es bis zu 600 Jahre dauern, bis PET-Müll in Mikrokunststoffpartikel zerfällt. Polyethylenterephthalat wird meist aus Erdöl oder Erdgas hergestellt. Wissenschaftler haben zwar ein Bakterium entdeckt, Ideonella sakaiensis, was diesen Kunststoff verdauen kann. Dies dauert allerdings mehr als ein Jahr und noch reicht die Leistung der Bakterien nicht aus, um mit ihrer Hilfe die Plastikmenge in den Meeren zu verringern. Die Hersteller von Zigaretten arbeiten nach Aussage des DZV gemeinsam mit ihren Zulieferunternehmen an Alternativmaterialien, die eine bessere biologische Abbaubarkeit aufweisen. So sei etwa in Deutschland ein vielversprechendes neuartiges Celluloseacetat entwickelt worden, dessen verbesserte Abbaubarkeit momentan zertifiziert wird. Werbebeschränkungen als Innovationshemmnis Die Zigarettenhersteller sehen sich bei ihren Bemühungen um mehr Nachhaltigkeit und Innovationen "durch bestehende Werbebeschränkungen gehemmt". Da es seit 2016 in Deutschland gesetzlich nicht mehr zulässig sei, auf verbesserte ökologische Eigenschaften von Tabakerzeugnissen hinzuweisen, sei es schwierig, solche Entwicklungen gegenüber den Konsumenten bekannt zu machen und am Markt zum Durchbruch zu verhelfen. Ferner erklärt der DZV-Geschäftsführer hinsichtlich der Entwicklung innovativer Filterprodukte und möglicher Mehrkosten, dass auch "die Einhaltung der gesetzlich festgelegten Emissionswerte und die Akzeptanz der Verbraucherinnen und Verbraucher besondere Herausforderungen" darstellen. Verbraucher in der Verantwortung Eine Zusammenarbeit mit Reinigungsfirmen verfolgt der DZV und seine Mitgliedsunternehmen nicht und sieht eine Änderung des Verbraucherverhaltens für zielführender und nachhaltiger, aber: Der Verband bemühe sich um eine Sensibilisierung der Konsumenten für eine sachgerechte Entsorgung des Zigarettenmülls. "Hierzu zählen beispielsweise Initiativen wie eine kostenlose Bereitstellung von Taschenaschenbechern, die insbesondere in der Urlaubssaison ausgegeben werden."

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