Stammsitz: Das Verwaltungsgebäuder der Gerry Weber International AG in Halle. - © Verwendung weltweit
Stammsitz: Das Verwaltungsgebäuder der Gerry Weber International AG in Halle. | © Verwendung weltweit

Wirtschaft Rekordverlust plagt Modekonzern Gerry Weber

Kriselnder Modemacher weist einen Fehlbetrag von fast 150 Millionen Euro auf

Andrea Frühauf

Halle. Der kriselnde Modemacher Gerry Weber weist nach vorläufigen Zahlen den höchsten Verlust seiner Geschichte aus. Der Fehlbetrag vor Zinsen und Steuern belaufe sich auf 148,1 Millionen Euro, wie der Vorstand nach einer ersten Durchsicht der Ergebnisse für das Geschäftsjahr 2017/18 (31. Oktober) mitteilte. Im vorherigen Geschäftsjahr hatte das operative Konzernergebnis  noch plus 10,3 Millionen Euro betragen - unterm Strich waren es damals 0,8 Millionen Euro Verlust gewesen. In die Bilanz fließt auch der Verkauf der Düsseldorfer Messehalle 29 ein, der dem Unternehmen einen außerordentlichen Ertrag in Höhe von 18 Millionen Euro einbrachte. Die „Halle 30" hatte Gerry Weber bereits Ende 2016 veräußert. Der Umsatz sank im abgelaufenen Geschäftsjahr um rund 10 Prozent auf 795 Millionen Euro - erwartet waren allerdings zuletzt lediglich 790 Millionen Euro. Das operative Ergebnis (Ebit) schrumpfte ohne außerplanmäßige Belastungen auf minus 15,5 Millionen Euro. Im Vorjahr waren es noch plus 19,9 Millionen Euro gewesen. Nach Unternehmensangaben drückten außerplanmäßige Abschreibungen und Wertberichtigungen in Höhe von 69,3 Millionen Euro, aber auch nicht zahlungswirksame Rückstellungen für Restrukturierungsmaßnahmen und Beratungskosten (63,3 Millionen Euro) das Ergebnis und erhöhten den Verlust auf den genannten Rekordbetrag. "Mit der Entwicklung nicht zufrieden" "Mit der Entwicklung im vergangenen Geschäftsjahr können wir nicht zufrieden sein. Sie kommt aber auch nicht mehr überraschend", sagte Vorstandssprecher Johannes Ehling. Und er räumte ein: „Unser Jahresabschluss für das vergangene Geschäftsjahr wird anhand der vorläufigen Ergebnisse von großen strukturellen sowie bilanziellen Anpassungs- und Aufräumarbeiten geprägt sein." Ein Unternehmenssprecher betonte, der Vorstand habe die vorläufigen Zahlen schnellstmöglich mit der größtmöglichen Transparenz veröffentlicht. Die Veröffentlichung des Jahresabschlusses sei eigentlich erst für den 28. Februar geplant. 230 Verkaufsflächen werden geschlossen „Wir richten unseren Blick und unsere Anstrengungen nun aber klar nach vorne, um mit der konsequenten Umsetzung unseres Zukunftskonzepts Gerry Weber im Markt neu zu positionieren", so Ehling weiter. "Damit legen wir ein tragfähiges Fundament, um das Unternehmen wieder zu alter Stärke zurückzuführen", ergänzte der für die Restrukturierung verantwortliche neue Vorstand Florian Frank. Nun sollen rund 230 statt 170 bis 200 Verkaufsflächen geschlossen werden und eine nicht genannte Zahl von Stellen abgebaut werden. Zuletzt war von 900 Stellen die Rede gewesen. Die Kreditgeber, eine zweistellige Zahl von Banken und Sparkassen, hatten dem Unternehmen für fällige Millionenforderungen eine Stundung bis Ende Januar 2019 gewährt. Es geht um zwei seit dem 5. November fällige Tranchen eines Schuldschein-Darlehens in Höhe von zusammen 31 Millionen Euro. „Angesichts des bisherigen konstruktiven Verlaufs der Gespräche mit allen Beteiligten auf der Kapitalseite sind wir zuversichtlich, dass uns der Abschluss des Finanzierungskonzepts gelingen wird", sagte Frank.

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